Eisenmangel bremst Ausdauerleistung bereits in subklinischen Ausprägungen

Eisenmangel bremst Ausdauerleistung bereits in subklinischen Ausprägungen
KI-generiert

Eisenabhängiges Hämoglobin im Blut transportiert Sauerstoff durch den Körper, und bei sportlicher Belastung verbraucht der Organismus mehr Sauerstoff als sonst. Dass manifester Eisenmangel Auswirkungen auf die sportliche Leistung haben kann, liegt also allein schon deshalb nah. Doch wie ausgeprägt muss ein Mangel sein, um negative Effekte auszulösen? Dieser Frage sind die Autorenteams zweier aktueller Übersichtsarbeiten nachgegangen. Sie beleuchten die Pathophysiologie und Diagnostik von Eisenmangel sowie dessen Konsequenzen auf die Ausdauerleistung und schlagen mögliche Managementstrategien vor (1, 2).

Sportlerinnen sind besonders betroffen

Athleten sind als Mangel-Risikogruppe mehreren eisenzehrenden Mechanismen ausgesetzt, darunter gastrointestinale Blutverluste, Hämolyse und natürlich Verluste durch Schwitzen. Dazu kommt, dass der temporäre Anstieg des eisenregulierenden Hormons Hepcidin via inflammatorischer Response insbesondere nach Krafttraining die intestinale Eisenaufnahme reduziert, was diesen Mechanismus v. a. bei wiederholten intensiven Trainingsphasen relevant macht (1, 2). Bei ausdauertrainierten Frauen hängt die Hepcidin-Antwort klar von der Zyklusphase ab (1).

Einigkeit herrscht zu der Erkenntnis, dass Frauen in Ausdauerdisziplinen besonders häufig von Eisenmangel betroffen sind, wenngleich die Spannen stark schwanken. Król et al. führen Prävalenzen von etwa 15–35 Prozent im Vergleich zu 3–11 Prozent bei männlichen Ausdauerathleten an (1), Olszok et al. betonen den Einfluss der untersuchten Population und angesetzter Grenzwerte auf die Heterogenität und nennen Prävalenzen von bis zu 60 Prozent bei Athletinnen gegenüber 10–35 Prozent bei Athleten (2).

Wie auch in der Normalbevölkerung sind menstruelle Blutverluste, ein höherer Gesamt-Eisenbedarf, hormonelle Schwankungen und teilweise eine geringere Eisenaufnahme über die Ernährung Ursachen für das erhöhte Risiko bei Frauen. In Interventionsstudien verbesserten sich bei bestätigt eisenarmen, nicht-anämischen Frauen nach Eisensupplementierung Ausdauerparameter bzw. die energetische Effizienz (1).

Wo beginnt Eisenmangel?

Diagnostisch besteht bisher keine einheitliche Definition subklinischer Eisenmangelzustände bei Sportlern. Für Stadium-1-Mangel werden je nach Publikation Ferritinwerte von <20–30 μg/l sowie eine Transferrinsättigung von <16–20 Prozent bei normalem Hämoglobin angesetzt. Auf leere Eisenspeicher mit gestörter Erythropoese (Stadium 2) weisen Ferritinwerte von <30–35 μg/l in Verbindung mit einer Transferrinsättigung von >16 Prozent hin. Manche Studien mit Athletinnen nennen Ferritin-Grenzwerte von < 30–40 μg/l; für Frauen im fruchtbaren Alter wird teilweise eine Schwelle von < 50 μg/l diskutiert (2). In der sportmedizinischen Praxis ist neben dem Blutbild eine subjektive Leistungsbeurteilung entscheidend, denn ein schlechter Eisenstatus ist nachweislich signifikant mit geringerer aerober Kapazität, niedrigerer VO2 max, verminderter Belastungseffizienz, verzögerter Erholung und persistierender Fatigue assoziiert (1, 2).

Gemessen wird der Eisenstatus eines Menschen in verschiedenen Parametern, die jeder für sich keine verlässliche Aussagekraft haben. So kann etwa Hämoglobin (Hg) aufgrund trainingsbedingter Plasmavolumenexpansion verändert sein, weshalb eine alleinige Hb-Messung nicht-anämischen Eisenmangel leicht übersieht. Weil Eisen nicht nur für den Sauerstofftransport, sondern u. a. für die mitochondriale Atmung und die Energieproduktion relevant ist, kann eine Unterversorgung zudem auch bei normalem Hb die Sauerstoffutilisation und den oxidativen Energiestoffwechsel beeinträchtigen. Ferritin allein wiederum ist störungsanfällig, weil es als Akutphaseprotein durch Inflammation und intensive Belastung beeinflusst wird. Die zusätzliche Bestimmung von Entzündungsmarkern (CRP/AGP) und dem weniger entzündungsabhängigen löslichen Transferrinrezeptor (sTfr) hilft bei der realistischen Einordnung der „gängigeren“ Werte.

Die Taktik: Screening und gezielte Supplementierung

Weil sich in den analysierten Studien keine Hinweise auf den Nutzen grundsätzlicher Eisen-Supplementierung ergeben haben, sprechen sich die Autoren nicht für undifferenzierte Gaben bei Ausdauerathleten aus. Stattdessen empfehlen sie periodisches Screening anhand aller eisenrelevanten Parameter, Edukation hinsichtlich eisenoptimierter Ernährung (Konzentration auf Häm-Eisen aus tierischen Quellen, gleichzeitige Aufnahme von Vitamin C, hemmender Einfluss von Kalzium, Polyphenolen aus Tee/Kaffee sowie Phytaten) und bei entsprechender Indikation gezielte orale Supplementierung. Eisen-Infusionen sollen ausgewählten Fällen vorbehalten bleiben. Zusätzlich kann das Trainingsregime je nach Disziplin und Eisenstatus individuell angepasst werden (1, 2).

Der gemeinsame klinische Nenner beider Arbeiten sind damit weniger universelle Schwellenwerte als die Erkenntnis, dass Eisenmangel bei Athleten bereits ohne Anämie relevant sein kann und bei unerklärter Fatigue oder Leistungseinbußen differenziert abgeklärt werden sollte.

■ Kura L

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Quellen:

  1. Król M, Patalong M, Blaszkowski B, et al. Iron Deficiency and Athletic Performance in Endurance Disciplines: A Scoping Review. Quality in Sport. 2026;. 52: 68848. doi:10.12775/QS.2026.52.68848

  2. Olszok M, Wijas D, Kluś M, et al. Subclinical Iron Deficiency in Athletes - Diagnostics, Consequences, and Management Strategies: A Narrative Review. Journal of Education, Health and Sport. 2026, 88: 69380. doi:10.12775/JEHS.2026.88.69380