Demenzrisiko, Fleischkonsum und APOE-Genotypen
Ernährungsempfehlungen zur Demenzprävention orientieren sich bislang meist an allgemeinen Risikoprofilen. Neben Lifestyle-Faktoren wie Bewegungsmangel, Nikotin- und Alkoholabusus hat auch ein hoher Konsum bestimmter Fleischarten bezüglich Demenzrisiko kein gutes Image. Zunehmend wird jedoch auch diskutiert, dass genetische Faktoren die protektive oder aber risikosteigernde Wirkung einzelner Nahrungsbestandteile modifizieren könnten. Besonders relevant ist dabei das Apolipoprotein-E-ε4-Allel, das als wichtigster genetischer Risikomodifikator für Alzheimerdemenz gilt. Eine schwedische Kohortenstudie hat nun untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen Fleischkonsum, kognitiver Gesundheit und APOE-Genotypen gibt (1).
Analysiert wurden die Daten von 2157 zu Studienbeginn demenzfreien Personen (62 Prozent Frauen; medianes Alter 71,2 Jahre). 569 von ihnen wiesen einen APOE-ε3/ε4- oder ε4/ε4-Genotypen auf, im Folgenden gesammelt als APOE34/44 bezeichnet. Die Ernährung der Teilnehmer wurde insgesamt dreimal im Studienzeitraum mittels validiertem Fragebogen erhoben und der Gesamtfleischkonsum (in Gramm pro Gesamtkilokalorien) als primärer Expositionsfaktor festgelegt. Um die kognitive Leistungsfähigkeit der Probanden zu beurteilen, unterzog man sie über einen Nachbeobachtungszeitraum von bis zu 15 Jahren wiederholt Tests zu episodischem und semantischem Gedächtnis, verbaler Ausdrucksfähigkeit und Verarbeitungsgeschwindigkeit.
Das Ergebnis: Bei Trägern von APOE34/44 war ein höherer Gesamtfleischkonsum – egal ob rotes oder Geflügelfleisch – mit günstigerer kognitiver Gesundheit assoziiert, insbesondere die globale Kognition und das episodische Gedächtnis betreffend. Im höchsten gegenüber dem niedrigsten Fleischkonsum-Quintil verlief die globale kognitive Entwicklung bei ihnen günstiger und das Demenzrisiko reduzierte sich. Bei anderen Genotypen fand sich dieser Zusammenhang nicht. Ein hoher Anteil an verarbeitetem Fleisch (z. B. Gepökeltes, Geräuchertes oder Wurst) erwies sich hingegen genotypunabhängig als ungünstig und ging mit einem erhöhten Demenzrisiko einher.
Fazit: Für eine genetisch definierte Subpopulation, die immerhin ein Viertel der Weltbevölkerung ausmacht, kann eine über die konventionellen Richtlinien hinausgehende Fleischaufnahme ggf. protektive Effekte auf die kognitive Leistungsfähigkeit haben. Die Autoren plädieren dafür, Ernährungseffekte in der Demenzprävention künftig möglicherweise stärker genetisch stratifiziert zu betrachten.
■ Kura L
Quellen:
Norgren J, Carballo-Casla A, Grande G, et al. Meat Consumption and Cognitive Health by APOE Genotype. JAMA Netw Open. 2026; 9:e266489. doi:10.1001/jamanetworkopen.2026.6489