Beeinflusst körperliche Belastung die kognitive Ausdauer?

Beeinflusst körperliche Belastung die kognitive Ausdauer?
© Kateryna ( Adobe Stock (KI-generiert)

Die Wechselwirkungen zwischen körperlicher und kognitiver Leistungsfähigkeit sind schon lange Gegenstand intensiver Forschung. Während zahlreiche Studien den Einfluss kognitiver Vorbelastung auf die physische Performance untersucht haben, blieb die umgekehrte Frage bisher weitgehend unbeantwortet: Inwieweit beeinflusst ein hochintensives körperliches Training die nachfolgende geistige Leistung? Insbesondere die sogenannte kognitive Ausdauer, verstanden als Zeitspanne stabiler definierter Leistungsqualität, wurde bislang kaum adressiert. Eine internationale Forschungsgruppe hat nun entsprechende Auswirkungen maximaler aerober Anstrengung auf die kognitive Ausdauerleistung analysiert und dabei neben verhaltensbezogenen Parametern auch subjektive Erlebnisdimensionen sowie neurophysiologische Korrelate ausgewertet (1).

Für die randomisierte Studie absolvierten 29 körperlich gesunde, aktive Erwachsene (17 Männer, 12 Frauen; Alter median 23,8 Jahre) entweder einen erschöpfenden Lauf bei 90 Prozent der maximalen aeroben Geschwindigkeit oder eine zehnminütige Gehstrecke mit moderater Geschwindigkeit. Direkt danach mussten alle Teilnehmer eine komplexe Denkaufgabe lösen. Analysiert wurde insbesondere, wie lange die Aufgabe bis zum Versagen konzentriert durchgeführt werden konnte, sowie die Antwortgenauigkeit. Zusätzlich wurden individuelle Erfahrungen wie mentale Ermüdung, Konzentration und wahrgenommene Anstrengung erfasst. EEG-basierte Messungen der Gehirnkomplexität dienten dabei als neurophysiologische Parameter zur Bewertung der kognitiven Zustände.

Auf physischer Ebene reduzierte die intensive Belastung erwartungsgemäß signifikant die Maximalkraft der Kniestrecker und erhöhte die subjektiv empfundene Belastung. Dennoch zeigte sich kein negativer Einfluss auf die kognitive Ausdauerleistung: Die Zeit bis zum Leistungsabbruch in der kognitiven Aufgabe unterschied sich nicht zwischen den beiden Gruppen. Auch die intraindividuelle Leistungsvariabilität nahm im Verlauf der Aufgabe zu, was auf eine progressive mentale Ermüdung hinweist, die jedoch unabhängig von der vorausgehenden körperlichen Belastung war.

Auf subjektiver Ebene kristallisierten sich ein „low-demand“- und ein „high-demand“-Cluster heraus. Letzterer war durch höhere Werte für mentale Ermüdung, Langeweile und Ablenkbarkeit sowie durch geringere Konzentration und wahrgenommene Leistungsfähigkeit charakterisiert. Die Verteilung dieser Zustände war jedoch zwischen beiden Bedingungen nahezu identisch. Gleichzeitig zeigte sich neurophysiologisch eine signifikante Reduktion der EEG-basierten Signal-Komplexität nach intensiver Belastung, was auf veränderte kortikale Aktivitätsmuster hinweist – ohne dass dies einen funktionellen Einfluss auf die kognitive Ausdauerleistung oder das subjektive Erleben gehabt hätte.

Fazit: Akute hochintensive Ausdauerbelastung führt zwar zu messbaren physiologischen und neurophysiologischen Veränderungen, beeinträchtigt jedoch weder die Dauer noch die langfristige Qualität kognitiver Leistung. Die Ergebnisse sprechen gegen eine generelle kognitive Leistungsminderung nach intensiver körperlicher Belastung und unterstreichen die Robustheit der kognitiven Ausdauer gegenüber akuter physischer Ermüdung.

■ Kura L

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Quellen:

  1. Holgado D, Leubaz L, Ruggeri P, et al. Cognitive endurance after intense physical effort. Behav Brain Res. 2026; 497: 115874. doi:10.1016/j.bbr.2025.115874