Seite 2 / 3

Fortsetzung Triggerpunkttherapie: Den gordischen Knoten lösen?

Im Zentrum des Schmerzes

Doch trotz fehlender Beweise gibt es viele interessante Hinweise. Untersuchungen mit Mikrokapillaren zeigten beispielsweise, dass sich das biochemische Milieu in einem aktiven MTrP von dem in nicht betroffenem Muskelgewebe unterscheidet. Inflammatorische Mediatoren, Neuropeptide, Katecholamine und Cytokine sind dort erhöht. Von diesen Substanzen ist bekannt, dass sie mit chronischen Schmerzzuständen assoziiert sind.

Zudem ist bekannt, dass es aktive und latente MTrP gibt. Bei ersteren sind alle fünf Diagnosekriterien anzutreffen, bei letzteren fehlt der Wiedererkennungseffekt, wenn der Punkt getriggert wird. Auch die Konzentration der vaso-nozizeptiv-aktiven Substanzen (Bradikinin, Substance P, C-GRP) ist im aktiven MTrP höher.

Vom Trauma zum Triggerpunkt

Zur Ätiologie der MTrP gibt es bislang keine Beweise. Wissenschaftler haben jedoch schlüssige Hypothesen aufgestellt. Demnach führt ein Muskeltrauma, eine Überdehnung, wiederholte Überlastung bei niedriger Intensität oder starke Muskelkontraktionen zu einer erhöhten Ausschüttung von Acetylcholin von der motorischen Endplatte in den synaptischen Spalt. Dadurch ergeben sich ein erhöhter Bedarf an Kalzium, eine intensive Verkürzung der Aktin- und Myosinfilamente und ein Mangel am Energieträger ATP (Energiekrise), Ischaemie und Hypoxie. Die Reaktion der verletzten Faser ist die Ausschüttung von Entzündungsmediatoren (Bradikinin, Prostaglandin, Serotonin und Histamin). Das wiederum reizt die Schmerzrezeptoren. Bleibt dieser Kreislauf erhalten, bildet sich ein Triggerpunkt.

Triggerpunkttherapie: dem Teufelskreis entkommen

Mithilfe der Triggerpunkttherapie (siehe Kasten) sollen die schmerzhaften Punkte aufgelöst werden, was in der Folge zu einer Entspannung der dauerkontrahierten Muskulatur führen soll. Die Frage nach dem Endpunkt einer Triggerpunkttherapie ist jedoch nicht leicht zu beantworten. Ist es die Abwesenheit von MTrP? Die Auflösung des Hartspannstrangs? Schmerzfreiheit? Für viele von Schmerzen geplagte Menschen ist sicherlich die Schmerzfreiheit oder zumindest eine Schmerzreduktion der wichtigste Parameter. Bei Leistungssportlern ist der Zielpunkt vermutlich eher die Wiedererlangung der kompletten sportlichen Leistungsfähigkeit. Behandelt man die aktiven MTrP, verschwinden womöglich die Schmerzen.

Doch auch die latenten, nicht schmerzhaften MTrP können das Aktivitätsmuster von Muskeln bzw. Muskelketten beeinflussen. Dr. Müller-Ehrenberg erläutert das praktische Vorgehen: »Im klinischen Alltag wird ein erfahrener Therapeut die aktiven MTrP immer behandeln, und die funktionell bedeutendsten MTrP auch. Da manche Sportler oder Patienten im Laufe ihres Lebens einige latente MTrP entwickelt haben, muss man sich bei der Behandlung vortasten und nach und nach behandeln.«

Weitere intensive Untersuchungen sind nötig, um für den Patienten einen praktikablen und Linderung bringenden Ansatz (weiter) zu entwickeln. Ein kritisches Hinterfragen der bisherigen Forschungsergebnisse und Erfahrungswerte ist sicherlich sinnvoll, um die Erforschung der Muskulatur als Ursache von Schmerzen voranzutreiben und ein besseres Verständnis für wirksame Therapien und deren Grundlage zu entwickeln.