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Telemedizinische Assistenzsysteme in Rehabilitation und Nachsorge

Ein häufiges Manko von Rehabilitationsmaßnahmen ist, dass sie zeitlich zu kurz sind, um Beschwerden dauerhaft zu bessern und den Patienten die Rückkehr in einen dem Zustand vor dem Unfall, der Krankheit oder Behandlung gleichwertigen beschwerdefreien Alltag in Freizeit und Beruf zu ermöglichen. Der Reha kommt also nicht nur als Therapie eine wichtige Rolle zu, sondern auch als Form der Prävention.

Telemedizinische Assistenzsysteme in Rehabilitation und Nachsorge
© Matthias Heyde/Fraunhofer FOKUS

Fachleute raten deshalb dringend dazu, nach der Reha weiter zu trainieren. Für einige Therapien ist auch nachgewiesen, dass sie langfristig wirksamer sind, wenn sie zu Hause noch eine Weile fortgesetzt werden. Mit Reha-Nachsorge-Programmen wie IRENA (intensivierte Rehabilitationsnachsorge) der Deutschen Rentenversicherung wird für Patienten ein ortsgebundenes Gruppentraining angeboten, um den dauerhaften Transfer in den Alltag zu ermöglichen. Mit einem solchen Programm werden allerdings Personen nicht erreicht, deren persönliche Mobilität durch körperliche, geistige oder seelische Ursachen eingeschränkt ist, die aufgrund des Wohnorts kein entsprechendes Programm in der Nähe haben, die es sich finanziell nicht leisten können oder die wegen beruflicher oder privater Verpflichtungen so eingebunden sind, dass eine Teilnahme an festen Gruppenstunden nicht möglich ist.

Sowohl Ärzte und Therapeuten als auch Patienten wünschen sich eine bessere Flexibilität, individuelle Anpassungsmöglichkeiten und Möglichkeiten der Vernetzung für die Reha-Maßnahmen. Auch der demografiebedingte Anstieg der Reha-Fälle macht es mittel- bis langfristig nötig, flexi­blere Wege zu beschreiten. Telemedizinische Assistenzsysteme (TA) können hier eine sinnvolle Ergänzung sein. Die Betreuungs- und Steuerungsmöglichkeiten gehen schon heute weit über das einfache Vitaldaten-Monitoring, wie es auch viele Fitness-Tracker und Wearables leisten können, hinaus.

Betreuung kardiologischer Risiko­patienten – eine Win-win-Situation

Dr. Michael John ist Leiter der Forschungsgruppe Telerehabilitation am Fraunhofer-Institut für offene Kommunikationssysteme, Fraunhofer FOKUS. Seine Arbeitsgruppe hat sich seit 2009 darauf spezialisiert, telemedizinische Systeme für die Nachsorge zu entwickeln. Die Indikationen, in denen TA inzwischen hauptsächlich eingesetzt werden, sind Orthopädie, Kardiologie und Neurologie. Dr. John ist überzeugt: »Eine telerehabilitative Nachsorge verstetigt auf effiziente Weise die im stationären Bereich erzielten Behandlungserfolge und integriert therapeutisch valide Maßnahmen im Sinne einer nachhaltigen Sekundärprävention in den Alltag der Patienten.« Ein typischer Anwendungsbereich, der für Kardiologen interessant ist, ist die Überwachung und häusliche Betreuung von kardiopulmonalen Risikopatienten nach Beendigung der Reha.

Dr. Michael John, Leiter der Forschungs­gruppe Telerehabilitation am Fraunhofer-Institut für offene Kommunikationssysteme, Fraunhofer FOKUS © John M