Sport reduziert Depressionen bei Heranwachsenden
Seit Jahren steigt das Auftreten von depressiven Symptomen und manifesten Depressionen bei Kindern und Jugendlichen an. Das ist problematisch, weil Depressionen in jungen Jahren mit dem Nachlassen schulischer Leistungen, Schwierigkeiten in Beziehungen zu Gleichaltrigen und zur Familie, vermehrter sozialer Isolation und einem erhöhten Risiko für selbstverletzendes Verhalten und Suizid einhergehen. Bewegung gilt auch im Kindes- und Jugendalter zunehmend als nicht-medikamentöse Therapieoption bei psychischen Erkrankungen. Die Wirksamkeit bei manifesten depressiven Störungen in dieser Altersgruppe war bisher jedoch nicht eindeutig geklärt. Eine aktuelle Metaanalyse (1) schließt nun diese Lücke und zeigt, dass sportliche Interventionen depressive Symptome bei Heranwachsenden signifikant lindern können. Die Wirkung ist vergleichbar mit herkömmlichen Therapieformen.
Die Analyse beruht auf 15 randomisiert-kontrollierten Studien mit insgesamt 831 Teilnehmenden zwischen 5 und 19 Jahren, bei denen eine klinisch diagnostizierte Depression vorlag. Die Sportinterventionen umfassten verschiedenste Bewegungsformen – von Jogging über Gruppentanz, Yoga und Ballspielen bis hin zu Schwimmen. Insgesamt zeigte sich ein deutlicher positiver Effekt auf depressive Symptome (SMD = -1,14, 95 %-Konfidenzintervall: -1,57 bis -0,72, p < 0,001) im Vergleich zu Kontrollgruppen ohne Bewegung oder mit alternativen Therapien.
Die Metaanalyse untersuchte zudem, welche Parameter sportlicher Interventionen den größten Effekt auf depressive Symptome haben. Entscheidend waren Frequenz, Dauer der einzelnen Einheit sowie Gesamtdauer der Intervention.
Frequenz: Die besten Ergebnisse zeigten sich bei mehr als drei Bewegungseinheiten pro Woche (SMD = -1,56), wobei auch seltenere Einheiten signifikante Effekte zeigten. Dies deutet auf eine Dosis-Wirkungs-Beziehung hin. Bis zu einem gewissen Punkt ist mehr Bewegung besser.
Einzeldauer: Kürzere Einheiten unter 60 Minuten hatten einen stärkeren antidepressiven Effekt (SMD = -1,84) als längere Einheiten (SMD = -0,79). Möglicherweise lässt sich dies durch geringere Ermüdung, höhere Akzeptanz und bessere Integration in den Alltag erklären.
Interventionsdauer: Der stärkste Effekt wurde bei einer Dauer von exakt acht Wochen beobachtet (SMD = -2,16), während kürzere oder längere Zeiträume tendenziell weniger wirksam waren. Acht Wochen könnten damit ein optimales Zeitfenster darstellen: ausreichend lang zur Etablierung neuer Routinen, aber kurz genug, um Motivation und Compliance hochzuhalten.
Die Autoren diskutieren in ihrer Arbeit eine Reihe physiologischer und psychosozialer Wirkmechanismen: Sportliche Aktivität moduliert unter anderem den Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achsen-Stresspfad, erhöht die Spiegel stimmungsregulierender Neurotransmitter wie Serotonin und Dopamin, fördert die Ausschüttung von BDNF und verbessert Schlafqualität sowie Selbstwirksamkeit. In Gruppensettings kommen zusätzlich soziale Faktoren wie Zugehörigkeit und soziale Unterstützung hinzu.
Besonders wirksam war Gruppenbewegung im Vergleich zu Einzelsportarten (SMD = -1,59 vs. -0,68). Offenbar verstärken soziale Interaktionen die stimmungsaufhellende Wirkung, etwa durch Gemeinschaftsgefühl, Erfolgserlebnisse und gegenseitige Motivation. Dies legt nahe, dass Gruppenformate bevorzugt eingesetzt werden sollten, etwa in der Schule oder im Sportverein.
Die Ergebnisse liefern überzeugende Evidenz dafür, dass Sportinterventionen eine effektive, kostengünstige und nebenwirkungsarme Ergänzung zu herkömmlichen Therapien darstellen können. Besonders relevant ist dies vor dem Hintergrund eingeschränkter psychotherapeutischer Ressourcen in vielen Regionen. Voraussetzung ist jedoch eine strukturierte Planung der Maßnahmen hinsichtlich Dauer, Frequenz und Einbindungsform. Lehrkräfte, Trainer, Eltern und Therapeuten sollten sportliche Programme nicht als optionales Freizeitangebot, sondern als integralen Bestandteil der Behandlung von Depressionen bei jungen Menschen betrachten.
■ Hutterer C
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Quellen:
Yan H, Chen R, Chen D et al. Effectiveness of exercise intervention on children and adolescents with depression: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trial. Front Psychiatry. 2025; 16: 1699554. doi:10.3389/fpsyt.2025.1699554