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Fortsetzung Pro Protein – Proteine und ihre Bedeutung in der Ernährung

Prof. Dr. Marion Flechtner-Mors von der Sektion Sport- und Rehabilitationsmedizin der Universität Ulm erklärt dazu: »Die Proteine aus Fleisch oder anderen tierischen Produkten sind nicht per se die Übeltäter. Natürlich unterscheiden sich tierische und pflanzliche Eiweiße in ihrer Zusammensetzung, aber nicht das Fleischprotein verursacht die höheren Krankheitsrisiken oder Diabetes, sondern die häufig schlechtere Lebens- und Ernährungsweise. Meist wird mehr Fett und verarbeitetes Fleisch verzehrt und der Gemüseanteil in der Ernährung ist deutlich geringer als bei Vegetariern. Es liegt also vor allem an einer insgesamt ungünstigeren Lebens- bzw. Ernährungsweise.« Nicht zu vernachlässigen ist, dass tierische Produkte stärker mit Nebenwirkungen behaftet sind: Antibiotika im Hühnchen, Wachstumshormone im Schweinefleisch, Gifte und Schwermetalle im Fisch und bei häufigem Verzehr von rotem Fleisch ein erhöhtes Krebsrisiko.

Dass die Ernährungsweise einen Einfluss auf die Mortalität und das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen hat, hat eine Veröffentlichung im New England Journal of Medicine 2017 gezeigt. 48 000 Frauen und 26 000 Männer wurden über 12 Jahre lang in regelmäßigen Abständen über ihre Ernährung befragt und aus den Angaben verschiedene Ernährungs­scores errechnet (Alternate Healthy Eating Index score, Alternate Mediterranean Diet score, Dietary Approaches to Stop Hypertension (DASH)). Bei einer Verbesserung der Scorewerte um die 20-Prozent-Perzentile reduziert sich die Gesamtmortalität um 8 bis 17 Prozent und das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen um 7 bis 15 Prozent. Bei einer Verschlechterung der Ernährungsscores stiegen auch die Risikowerte an (4).

Wie viel von was?

In einem komplexen Geschehen wie der Ernährung geht es vor allem um eine ausgewogene Kombination der Nährstoffe und Nahrungsmittel. Doch es stellt sich immer wieder die Frage, wie diese günstige Kombination aussieht. Die Empfehlungen haben sich über die Jahrzehnte zum Teil massiv verändert. Aktuell zeigt eine Untersuchung an rund 15 500 Erwachsenen, dass die Mortalität am geringsten ist, wenn der Kohlenhy­dratanteil der Ernährung knapp unter 50 Prozent liegt (3). Bei einem KH-Anteil von unter 40 oder über 70 Prozent fand sich die größte Mortalität. Zugleich stellten die Wissenschaftler fest, dass eben genau die Kombination mit den übrigen Makronährstoffen eine Rolle spielt.

Wurde das Energiedelta, das durch die Reduktion der KH entstand, durch tierisches Protein und Fett ausgeglichen, stieg die Mortalität, wurde dagegen pflanzliche Kost verzehrt, sank sie. »In den letzten Jahren findet ein ausgeprägtes Umdenken statt. Zwei große Studien, PURE und Predimed, haben gezeigt, dass nicht die Gesamtfettmenge entscheidend ist, sondern es auf die Art der Fette ankommt«, erklärt Prof. Peter Deibert, Ärztlicher Leiter am Institut für Bewegungs- und Arbeitsmedizin des Universitätsklinikums Freiburg.

Bild Marion Flechtner-Mors
Prof. Dr. Marion Flechtner-Mors, Sektion Sport- und Rehabilitationsmedizin am Universitätsklinikum Ulm. © Flechtner-Mors M.