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Fortsetzung Operieren wir zu viel?

Neue Daten

Ferner gibt es einige viel beachtete prospektiv randomisierte Studien, die häufig durchgeführte Operationen am Knie und der Schulter kritisch bewerten. So gibt es zwei Studien zur Behandlung von Gonarthrose: zum einen mit einer Gelenklavage, einer Schein OP und einem arthroskopischen Debridement (3) und zum anderen eine Studie mit Gelenklavage mit Debridement (+ Physio und Medikamente) gegen eine Gruppe nur mit Physiotherapie und medikamentöser Therapie (2). In die Studien eingeschlossen wurde ein breites Spektrum von Kniepathologien einschließlich Verschleißerkrankungen und Meniskusschäden. Die Autoren schlussfolgerten, dass eine Kniegelenksspiegelung keinen signifikanten Vorteil im Vergleich zu einer konservativen Behandlung oder einer Scheinoperation hatte.

Eine weitere viel beachtete Studie von Beard et al. im Lancet 2018 untersuchte den subakromialen Schulterschmerz, der über 3 Monate bestand, erfolglos mindestens 1 Injektion, Physiotherapie und eine intakte Rotatorenmanschette (RM) hatte (1). Auch hier wurden viele Pathologien einschließlich Teilrisse der RM und Bicepspathologien eingeschlossen. Es zeigte sich in der Analyse der Autoren, dass die SAD im Vergleich zu einer Scheinoperation keinen Nutzen für den Patienten bringt, wohl aber einen signifikanten Effekt durch die Operation im Vergleich zur konservativen Behandlung.

Welche Schlussfolgerungen ziehen?

Die prinzipielle Kritik an den oben genannten Studien ist, dass relativ unspezifisch Patienten eingeschlossen wurden und nicht exakt herausgearbeitet wurde, welcher Patient von welcher Operation profitiert. In der Studie von Beard et al erhielten z. B. nur 58% der Patienten aus der Gruppe, die nur eine diagnostische Arthroskopie erhalten sollen, tatsächlich diese Behandlung nach 6 Monaten, 48% ließen sich nicht operieren oder erhielten eine RM Refixation oder SAD. Dies unterstreicht, dass für eine erfolgreiche Intervention die korrekte Diagnose und exakte Indikationsstellung entscheidend ist!

Die zitierten Studien sind zur Entwicklung unseres Wissens und zur optimalen Behandlung unserer Patienten wichtig und dürfen nicht geringgeschätzt werden. Wir müssen unsere Behandlungsmethoden kontinuierlich kritisch überprüfen und weiterentwickeln. Auch deshalb hatte meine Arbeitsgruppe eine ähnliche Schulterstudie aufgelegt, welche von der Forschungsförderung der Deutschen Vereinigung für Schulter und Ellenbogenchirurgie unterstützt wurde.

In dieser Studie versuchen wir, die Kriterien und das Patientenkollektiv möglichst genau zur analysieren und zu fokussieren. Dies führte allerdings dazu, dass es sich in der Praxis schwierig gestaltet, Patienten für diesen prospektiv randomisierten Ansatz zu gewinnen: obwohl die Studie schon seit drei Jahren Patienten einschließt, sind die Zielgruppengrößen bisher noch nicht erreicht. Dies unterstreicht, dass gute und aussagefähige Studien in der täglichen Praxis schwierig durchzuführen sind.