Kann die Pain Reprocessing Therapy Rückenschmerzen lindern?
Chronische Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten muskuloskelettalen Beschwerdebildern. Leider bleibt die Langzeitprognose trotz vielfältiger konservativer und operativer Ansätze oft unbefriedigend. Vor diesem Hintergrund wächst das Interesse an Therapieverfahren, die neben strukturellen Faktoren auch zentrale Schmerzverarbeitungsprozesse adressieren. Ein vielversprechender Ansatz ist die noch relativ neue sog. Schmerz-Neuverarbeitungstherapie (Pain Reprocessing Therapy/PRT), die individuelle Ansätze zur Durchbrechung des Angst-Schmerz-Kreislaufs bietet. Eine aktuelle randomisierte klinische Studie US-amerikanischer Forscher liefert nun bemerkenswerte Fünf-Jahres-Daten zur Wirksamkeit der Methode (1).
Die Pain Reprocessing Therapy kombiniert mehrere bestehende evidenzbasierte Methoden. Sie geht von der Annahme aus, dass chronischer Schmerz vom Gehirn auch ohne traumatische Gewebeverletzungen erzeugt wird, und hat zum Ziel, chronische Schmerzen mittels Reframing für Betroffene neu zu besetzen.
Dazu nahm das Studienteam 151 Erwachsene in die Studie auf, die an chronischen Rückenschmerzen mit einer medianen Intensität von mindestens 4 (auf einer 0-bis-10-Skala) litten. Die Teilnehmer wurden randomisiert einer von drei Gruppen zugeteilt:
PRT-Gruppe: eine telemedizinische ärztliche Sitzung und acht therapeutische Sitzungen, in denen die Patienten lernten, Schmerzen als überwiegend noziplastische Prozesse neu zu bewerten, Angst- und Vermeidungsverhalten zu reduzieren und Emotionsverarbeitung zu fördern
Placebogruppe: Offene Injektion mit Kochsalzlösung, kombiniert mit Aufklärung über Placeboeffekte
Usual-Care-Gruppe: Fortführung der bisherigen Versorgung
Die Resultate nach fünf Jahren sind ermutigend: In der PRT-Gruppe sanken die Schmerzen auf einen Wert von median 1,9 Punkten, in der Placebogruppe auf 3,2 und in der Usual-Care-Gruppe auf 2,6 Punkte. Einschränkungen der Alltagsfunktionalität waren in der PRT-Gruppe mit 12,5 Punkten signifikant geringer als in der Placebogruppe mit 20,1 und der Usual-Care-Gruppe mit 17,2 Punkten. Hinsichtlich Schmerzen waren die Ergebnisse am beeindruckendsten: 55 Prozent der Patienten aus der PRT-Gruppe berichteten über eine anhaltende vollständige oder annähernd komplette Schmerzfreiheit (Schmerzscore 0 bis 1), verglichen mit 26 Prozent in der Placebo- und 36 Prozent in der Usual-Care-Gruppe. Ein derart starkes Outcome wird in herkömmlichen konservativen Behandlungsstrategien selten erreicht.
Darüber hinaus zeigte die Pain Reprocessing Therapy deutliche Effekte auf psychosoziale Parameter. Die Angst vor Bewegung nahm signifikant ab und die Attribution des Schmerzes veränderte sich: Strukturelle Erklärungsmodelle traten zurück, während die Annahme von zentralen „Mind-Brain“-Mechanismen zunahm. Auch depressive Symptome und Ärgerwerte gingen zurück.
Fazit: Die vorliegende Studie liefert erstmals robuste Evidenz dafür, dass eine gezielte kognitive und emotionale Umdeutung von Rückenschmerzen nicht nur akute, sondern auch langfristige Verbesserungen ermöglicht. Die Pain Reprocessing Therapy könnte demnach eine wertvolle therapeutische Ergänzung sein, insbesondere bei chronischen Rückenschmerzen mit deutlicher psychosozialer Belastung und maladaptiven Schmerzüberzeugungen.
■ Kura L
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Quellen:
Ashar YK, Low EL, Knight K, Schubiner H, Gordon A, et al. Pain Reprocessing Therapy vs Placebo and Usual Care for Patients With Chronic Back Pain: 5-Year Follow-Up of a Randomized Clinical Trial. JAMA Psychiatry. 2025: e251844. doi:10.1001/jamapsychiatry.2025.1844