Kaffee bei Vorhofflimmern?

Kaffee bei Vorhofflimmern?
KI-generiert

Die Rolle von koffeinhaltigem Kaffee auf kardiovaskuläre Parameter wird seit Jahren kontrovers diskutiert. Während Beobachtungsdaten teils protektive Effekte nahelegen, fehlten bislang randomisierte Studien zur Prüfung kausaler Zusammenhänge. Speziell Patienten mit Vorhofflimmern oder -flattern wird sicherheitshalber zumeist vom Konsum koffeinhaltiger Getränke abgeraten, was vor allem Kaffeefans in ihrem Genuss stark einschränkt. Nun adressiert die sogenannte DECAF-Studie diese Lücke und untersucht prospektiv den Einfluss von Kaffeekonsum vs. –abstinenz auf das Rezidiv von Vorhofflimmern (atrial fibrillation/AF) nach elektrischer Kardioversion (1).

In die multizentrische randomisierte Studie wurden 200 Patienten eingeschlossen (71 Prozent Männer, 29 Prozent Frauen; Alter median 69 Jahre), die sich wegen persistierendem Vorhofflimmern oder -flattern einer Kardioversion unterzogen hatten. Jeweils 100 Probanden wurden entweder zur möglichst weitgehenden Abstinenz von koffeinhaltigem Kaffee oder zum Genuss von mindestens einer Tasse täglich angehalten, unabhängig davon, wie viel Kaffee sie vorher gewohnheitsmäßig getrunken hatten.

Der primäre Endpunkt war das dokumentierte Wiederauftreten von AF oder Vorhofflattern innerhalb von sechs Monaten. Insgesamt trat in diesem Zeitraum bei 111 von 200 Personen (56 Prozent) ein Rezidiv auf. Bemerkenswert daran: In der Kaffeegruppe war die Rezidivrate numerisch niedriger als in der Abstinenzgruppe (47 vs. 64 Prozent). Entsprechend zeigte sich ein um 39 Prozent verringertes Rezidivrisiko unter Kaffee­konsum (HR 0,61; 95%-KI: 0,42–0,89; p=0,01). Auch in Sensitivitätsanalysen und in Subgruppenanalysen nach Alter, Geschlecht, BMI und kardiovaskulären Vorerkrankungen blieb dieser Effekt konsistent.

Für sekundäre Endpunkte ergab sich ebenfalls kein Hinweis auf eine schädliche Wirkung. Weder klinische Ereignisse noch hospitalisationspflichtige AF-Episoden waren bei den Kaffeetrinkern häufiger; vielmehr traten AF-bedingte Hospitalisierungen numerisch seltener auf (15 vs. 10 Fälle).

Als grundlegende Treiber dieser Schutzfunktion diskutieren die Autoren unter anderem antioxidative und antiinflammatorisch wirksame Verbindungen in Kaffee, die das kardiovaskuläre System, die Diurese sowie metabolische Outcomes positiv modulieren. Pathophysiologisch kommen mehrere potenziell protektive Mechanismen des Koffeins in Betracht, etwa über die Blockade von A1- und A2a-Adenosinrezeptoren und katecholaminerge Effekte. Interessant: Obwohl die Kaffeetrinker insgesamt mehr Zucker zu sich nahmen – teils im Kaffee selbst, teils in Form von Softdrinks –, lag ihre täglich absolvierte Schrittzahl um knapp 1000 über dem Bewegungspensum der Abstinenzgruppe. Diese höhere körperliche Aktivität mag eine weitere Erklärung für die niedrigere Inzidenz von Adipositas, Typ-2-Diabetes und AF-Episoden unter Kaffeetrinkern sein.

Gleichzeitig betonen die Autoren, dass die Ergebnisse nicht auf hochdosierte Koffeinzufuhr oder synthetische Quellen übertragbar sind, bei denen potenziell bioaktive Inhaltsstoffe des Naturprodukts Kaffee fehlen.

Fazit: In der vorliegenden Studie war koffeinhaltiger Kaffee nach Kardioversion nicht mit einem erhöhten Rezidivrisiko von Vorhofflimmern oder -flattern assoziiert. Im Gegenteil, das beliebte Heißgetränk reduzierte bei moderatem Genuss von ca. einer Tasse täglich das Risiko sogar. Die Daten widersprechen damit der traditionellen Empfehlung zu genereller Koffeinrestriktion und sprechen für eine differenzierte, evidenzbasierte Beratung von AF-Patienten.

■ Kura L

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Quellen:

  1. Wong CX, Cheung CC, Montenegro G, et al. Caffeinated Coffee Consumption or Abstinence to Reduce Atrial Fibrillation: The DECAF Randomized Clinical Trial. JAMA. 2026; 335: 317-325. doi:10.1001/jama.2025.21056