Jumper’s knee: Progressive Sehnenbelastung bei Patellaspitzensyndrom besser als exzentrisches Training

Jumper’s knee: Progressive Sehnenbelastung bei Patellaspitzensyndrom besser als exzentrisches Training
© Peakstock / Adobe Stock

Mit einer Rate von annähernd 45 Prozent ist das Patellaspitzensyndrom unter Leistungsathleten in Sprungsportarten wie Basketball oder Volleyball extrem häufig. Während man früher davon ausging, dass es sich dabei um eine – rein entzündliche – Tendinitis handelt, geht man heute aus histopathologischer Sicht eher von einer degenerativen Erkrankung der Sehne aus und bezeichnet das Syndrom als Tendinopathie. Wegen der großen Schmerzhaftigkeit zwingen Patellatendinopathien Sportler nicht nur zu langen Trainings- und Wettkampfpausen, sondern schränken 58 Prozent der Betroffenen auch bei vielen anderen kniebelastenden Alltagsbewegungen ein. Eine möglichst schnelle und motivierende Rehabilitation ist deshalb anzustreben.

Im Rahmen einer physiotherapeutischen Behandlung des Patellaspitzensyndroms wird standardmäßig exzentrisches Training (Eccentric Exercise Therapy, EET) angewendet, das jedoch sehr schmerzhaft ist und deshalb von manchen Patienten nicht ausreichend konsequent durchgeführt wird. Auch sind eigentlich positive Outcomes insgesamt diskusionswürdig, wenn die Athleten in ihrer Sportart normal weitertrainierten, etwa in der Wettkampfsaison. Niederländische Forscher haben sich nun im Rahmen der sogenannten JUMPER-Studie auf die Suche nach einer Alternative begeben und sind bei einer progressiv sehenenbelastenden Bewegungstherapie (Progressive Tendon-Loading Exercises, PTLE) fündig geworden (1).

Relevant: Funktion, Schmerz, Sportfähigkeit

In die einfach verblindete randomisierte Studie wurden 76 Patienten (58 männlich, 18 weiblich) im Durchschnittsalter von 24 Jahren aufgenommen, deren klinisch und per Ultraschall diagnostizierte Kniebeschwerden seit durchschnittlich zwei Jahren bestanden. 42 Prozent von ihnen litten unter beidseitigen Schmerzen, bei 82 Prozent hatten vorherige Behandlungen nicht das erhoffte Maß an Schmerzfreiheit und Funktionsverbesserung erbracht. Ausschlusskriterien waren frühere Knieoperationen ohne vollständige Rehabilitation, Kortikoid-Injektionstherapien innerhalb des vergangenen Jahres, akute oder vergangene Bandverletzungen im Knie, eine Familiengeschichte mit Hypercholsterinämie oder entzündlichen Gelenkerkrankungen, Einnahme von Medikamenten mit mutmaßlichem Einfluss auf Sehnen und Bänder sowie intensive Trainingstherapien jeglicher Art in der jüngsten Vergangenheit. Außerdem durften die Teilnehmenden nicht gleichzeitig an anderen Rehabilitationsprogrammen teilnehmen und mussten natürlich in der Lage sein, die angewiesenen Übungen auszuführen.

Die Probandinnen und Probanden wurden per Zufallsprinzip zu gleichen Teilen in die EET- und die PTLE-Gruppe eingeteilt. Als primäres Messwerkzeug kam der sogenannte VISA-P-Fragebogen (Victorian Institute of Sports Assessment for Patellar tendons) zur Anwendung, in dem die Patienten Angaben zu Funktion, Schmerz und Sportfähigkeit machten. Maximal konnten 100 Punkte erreicht werden (was völlige Beschwerdefreiheit bedeutet); als klinisch signifikant wurde ein Unterschied von mindestens 13 Punkten zwischen Ursprungszustand und Befund nach Ablauf von 24 Wochen festgelegt. Sekundärer Outcome waren die Aspekte Rückkehr zum Sport, subjektive Zufriedenheit und Programm-Adhärenz.

Das zweistufige EET bestand aus einbeinigen Kniebeugen auf einer geneigten Fläche bis über die Schmerzgrenze (in Phase 2 mit Gewichtsrucksack) plus sportartspezifischen Übungen. In der PTLE-Gruppe wurde vierstufig im Rahmen des tolerierbaren Schmerzgeschehens gearbeitet: Zu isometrischen, isotonischen und sportartspezifischen Einheiten kamen in der letzten Phase plyometrische Übungen zur Wiederaufladung der Energiespeicher sowie Lauftechnik. Allgemeine Kraft- und Dehn-Einheiten zur Stabilisierung umgebender Strukturen ergänzten das Set. Eine Rückkehr ins normale Training war frühestens nach vier Wochen erlaubt.

PTLE schneidet bei Patellaspitzensyndrom signifikant besser ab

Nach 24 Wochen stand fest: Die Probanden aus der PTLE-Gruppe hatten sich auf der VISA-P-Skala um durchschnittlich 28 (56 auf 84 Punkte) verbessert. Die EET-Gruppe verzeichnete eine Verbesserung um 18 Punkte (von 57 auf 75). 87 Prozent der Patienten aus der PTLE-Gruppe und 77 Prozent aus der EET-Gruppe hatten damit das Signifikanzziel erreicht. Aus der PTLE-Gruppe konnten bis Studienende außerdem 43 Prozent komplett in ihren Sport zurückkehren; in der EET-Gruppe waren es nur 27 Prozent. Die Schmerzintensität wurde durch das PTLE-Training auf einen Wert von 2 gesenkt, während die EET-Gruppe den Wert 4 berichtete. Nicht signifikant waren die Raten bezüglich subjektiver Patientenzufriedenheit und Programm-Adhärenz. Die Studienautoren empfehlen auf Grund der Ergebnisse für ambitionierte Athleten mit Patellatendinopathie ein Umschwenken auf PTLE- statt EET-Programme.

■ Kura L

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Quellen:

  1. Breda SJ, Oei EHG, Zwerver J, Visser E, Waarsing E, Krestin GB, de Vos RJ. Effectiveness of progressive tendon-loading exercise therapy in patients with patellar tendinopathy: a randomised clinical trial. Br J Sports Med. 2020; 55: 501-509. doi: 10.1136/bjsports-2020-103403