Gluteale Tendinopathie: Physiotherapie wirksamer als Kortikosteroide

Gluteale Tendinopathie: Physiotherapie wirksamer als Kortikosteroide
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Wenn die Hüfte schmerzt und druckempfindlich ist, beeinträchtigt das nicht nur jede Bewegung, sondern manchmal sogar das auf der Seite liegende Schlafen. Bis zu jede vierte Frau in der zweiten Lebenshälfte ist von glutealen Tendinopathien betroffen, die Gesamtprävalenz liegt bei 10 bis 25 Prozent. Zumeist entsteht die auch Trochanter-major-Schmerzsyndrom bzw. Trochanter-Bursitis genannte Erkrankung durch einseitige Belastungen der oberen Hüft- und Beinmuskulatur. Die daraus folgende Minderung der Lebensqualität ist je nach Ausprägung mit schwerer Osteoarthritis vergleichbar. Bisher besteht die standardmäßige Behandlung aus Kortikosteroid-Injektionen in den betroffenen Bereich – vorrangig wegen der schnell zu erwartenden Schmerzlinderung, auf die Patienten verständlicherweise hoffen.

Eine Studie der neuseeländischen University of Queensland ist der Frage nachgegangen, ob eine spezielle physiotherapeutische Intervention mit Entlastungsübungen den Kortikoid-Injektionen überlegen ist – oder ob sogar reines Abwarten („wait and see“) ausreicht (1). Denn in vielen Fällen ist die mittelfristige Wirkung der Steroide nicht befriedigend; das langfristige Resultat muss sogar den Vergleich mit rein abwartendem Verhalten fürchten.

Sehnen gezielt entlasten vs. Kortikosteroide vs. Abwarten

Die 204 Teilnehmenden der Studie, darunter 167 Frauen, waren durchschnittlich knapp 55 Jahre alt. Aufgenommen wurden nur Personen, bei denen eine gluteale Tendinopathie von mittlerer bis schwerer Intensität seit mehr als drei Monaten andauerte und zwar per Klinik und MRT diagnostiziert, jedoch noch nicht behandelt worden war. Per Zufallsprinzip teilte man sie in drei Gruppen ein, welche über einen Zeitraum von 52 Wochen beobachtet wurden.

Die erste Gruppe erhielt eine eingehende Bewegungsschulung plus zweimal wöchentliche angeleitete Physiotherapie-Sitzungen über einen Zeitraum von 14 Wochen (zuhause sollte weiter geübt werden). Alle Übungen zielten bewusst auf eine Entlastung der schmerzenden Strukturen ab. In der zweiten Gruppe wurde unter Ultraschallbeobachtung einmalig Triamcinolon oder Betamethason plus ein Lokalanästhetikum an den schmerzhaften Muskelansatz appliziert. Der dritten Gruppe („wait and see“) wurde erklärt, dass ihre Beschwerden von allein abklingen würden, es sei nur etwas Geduld nötig. (Weiter im Text auf der nächsten Seite)

Klares Votum für die Physiotherapie

In der physikalisch-medizinischen Zwischenuntersuchung und -befragung nach acht Wochen berichteten über 77 Prozent der Physiotherapie-Gruppe über deutlichen Schmerzrückgang sowie eine Verbesserung der Lebensqualität. Die Injektionsgruppe schnitt diesbezüglich mit 58 Prozent schlechter ab, gefolgt von nur 29 Prozent der Wait-and-see-Gruppe.

Wirklich interessant waren die Ergebnisse jedoch am Ende des Studienzeitraums nach 52 Wochen. Während die Bewegungsgruppe noch immer mit signifikanten 78 Prozent Schmerzverbesserung aufwarten konnte, betrug der Unterschied zwischen den beiden anderen Gruppen nur noch 58 Prozent (Injektion) zu knapp 52 Prozent.

Fazit: In der Studie brachten gezielte, angeleitete Entlastungs- und Kräftigungsübungen bei glutealen Tendinopathien speziell auf lange Sicht signifikant bessere Ergebnisse als eine einmalige Kortikoid-Injektion. Jene zeigte im Jahresvergleich tatsächlich kaum größere Effekte als reines Abwarten ohne Intervention. Weitere Studien mit größeren Fallzahlen sind wünschenswert.

■ Kura L

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Quellen:

  1. Mellor R, Bennell K, Grimaldi A, Nicolson P, Kasza J, Hodges P et al. Education plus exercise versus corticosteroid injection use versus a wait and see approach on global outcome and pain from gluteal tendinopathy: prospective, single blinded, randomised clinical trial. BMJ 2018; 361: k1662. doi:10.1136/bmj.k1662