E-Bikes und der Einfluss auf das Gesundheitsverhalten von Risikogruppen

E-Bikes und der Einfluss auf das Gesundheitsverhalten von Risikogruppen
© luciano / Adobe Stock

Die Hürden, Wege im Alltag oder zur Arbeit mit dem Fahrrad zurückzulegen, sind für viele Menschen noch immer groß. Besonders bei Übergewichtigen und Älteren, aber auch bei “normalen” Sportmuffeln, wird Radfahren mit negativen Merkmalen wie Anstrengung, Schwitzen und langsamen Vorankommen assoziiert. Doch mit E-Bikes (oder Pedelecs) nutzen zunehmend mehr Menschen das Rad als Fortbewegunsmittel und Alternative zum Auto oder dem öffentlichen Nahverkehr. Doch bringt E-Bike-fahren auch etwas für die Gesundheit?

Mit Elektromotor gegen den Blutzucker

Eine Reihe von Untersuchungen hat in der jüngeren Vergangenheit gezeigt, dass E-Bike-fahren die kardiorespiratorische Fitness verbessert (2). Die Aktivität beim Fahren mit elektrischer Unterstützung wird vorwiegend als moderat eingestuft. Eine Studie untersuchte bei 20 übergewichtigen Diabetikern, wie sich E-Bike-fahren über fünf Monate auswirkt und wie gut es von den Teilnehmern angenommen wird (3). „Seit Jahren versuchen wir immer wieder, Menschen mit Diabetes Typ 2 zu begeistern, sich mehr zu bewegen und ihre Fitness zu verbessern. Häufig ist uns das nicht gelungen“, sagt Dr. med. Jens Kröger, Vorstandsvorsitzender von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe und niedergelassener Diabetologe aus Hamburg-Bergedorf.

Im Durchschnitt legten die zuvor körperlich Inaktiven 21 km pro Woche mit dem E-Bike zurück. Die Herzfrequenz betrug dabei etwa 75 Prozent der Maximalbelastung (im Vergleich: 64 Prozent beim Gehen). Am Ende der fünf Monate hatte sich die Ausdauerleistung um fast elf Prozent verbessert. Als den positivsten Effekt fanden die Studienautoren, dass sich 14 der Teilnehmer anschließend ein E-Bike kauften. „Die elektronische Unterstützung kann besonders für solche Betroffene eine gute Motivation sein, mit dem Radfahren anzufangen. Auch Ältere, die sich die Kraft nicht mehr zutrauen, finden damit leichter wieder den Einstieg“, sagt Kröger.

Die WHO-Empfehlungen im Blick

Zwar verbringen E-Bike-Fahrer im Vergleich zu Radfahrern weniger Zeit auf dem Rad in geringerer Intensität und mit weniger metabolischen Äquivalenten (METs) (1), doch die meiste Zeit wird im Bereich der moderaten bis hohen Intensität verbracht. Alle Studien kommen zu dem Ergebnis, dass E-Bike-fahren dazu beitragen kann, die WHO-Empfehlungen zur körperlichen Aktivität von 150 Minuten pro Woche in moderater Aktivität zu erreichen und die Fitness zu verbessern. Besonders für Menschen mit erhöhten Krankheitsrisiken oder chronisch Kranke ist das Radfahren mit elektrischer Unterstützung ein optimaler Ausdauersport: Sie werden körperlich aktiv, ohne sich zu überlasten, verbrennen Kalorien, stärken das Herz-Kreislauf-System und die Lunge und etablieren alternative Bewegungsformen in den Alltag.

■ Hutterer C

Quellen:

  1. Berntsen S, Malnes L, Langåker A, Bere E. Physical activity when riding an electric assisted bicycle. Int J Behav Nutr Phys Act. 2017; 14: 55. doi:10.1186/s12966-017-0513-z

  2. Bourne JE, Sauchelli S, Perry R, Page A, Leary S, England C, Cooper AR. Health benefits of electrically-assisted cycling: a systematic review. Int J Behav Nutr Phys Act. 2018; 15: 116. doi:10.1186/s12966-018-0751-8

  3. Cooper AR, Tibbitts B, England C, Procter D, Searle A, Sebire SJ, Ranger E, Page AS. Potential of electric bicycles to improve the health of people with Type 2 diabetes: a feasibility study. Diabet Med. 2018. doi:10.1111/dme.13664