Differenzialdiagnose Sportherz vs. Kardiomyopathien

Differenzialdiagnose Sportherz vs. Kardiomyopathien
© Kzenon / Adobe Stock

Langjährige sportliche Ausdauerbelastung führt zu physiologischen kardialen Adaptionen mit messbaren Veränderungen morphologischer, funktioneller und struktureller Parameter. Dieses mehr oder weniger stark ausgeprägte sogenannte „Sportherz“ von pathologischen Herzerkrankungen zu unterscheiden, stellt eine der zentralen diagnostischen Herausforderungen der Sportkardiologie dar. Denn auch primäre Myokarderkrankungen können mit ähnlichen Befunden einhergehen, erfordern aber eine grundlegend andere Therapie, um das Risiko für potenziell letale kardiale Ereignisse zu minimieren. Andersherum ist ein Sportherz kein Grund für längere Trainingsabstinenz, weshalb falsch-positive Kardiomyopathie-Diagnosen vor allem im Leistungssport unnötige Einschränkungen bedeuten würden. Eine narrative Übersichtsarbeit britischer Forscher hat deshalb die aktuelle Literatur zur entsprechenden Differenzialdiagnostik gesichtet und möchte für mehr Trennschärfe in der sportkardiologischen Diagnostik sensibilisieren (1).

Typisch für ein Sportherz sind z. B. symmetrisch vergrößerte Herzkammern und leicht erhöhte Wanddicken. Darüber hinaus  zeigen sich häufig elektrische Veränderungen im EKG, darunter Sinusbradykardien, erst- und zweitgradige AV-Blocks, isolierte Spannungsmuster für linke oder rechte Ventrikelhypertrophie, QRS-Spannungen, inkomplette Rechtsschenkelblocks, frühe Repolarisationsmuster oder eine T-Wellen-Inversion (TWI) von ≥1 mm Tiefe.

Einige dieser Befunde können im Grenzbereich mit pathologischen Anzeichen für hypertrophe (HCM), dilatative (DCM) oder arrhythmogene Kardiomyopathie (ACM) überlappen. Sie müssen deshalb – stets unter Zugrundelegung der klinischen Situation und einer gründlichen Familienanamnese im Rahmen multimodaler Differenzialdiagnostik – gründlich differenzialdiagnostisch betrachtet werden. Dabei sind u. a. auch der demografische und der biologische Kontext essenziell. Denn auch Geschlecht, Ethnizität, ausgeübte Sportart, Intensität und Körpergröße des Athleten entscheiden mit darüber, ob ein kardiales Symptombild als Folge normaler Adaptationsprozesse oder aber als Warnsignal für Kardiomyopathien zu werten ist. So korrelieren u. a. Körperoberfläche und Geschlecht eines Sportlers direkt mit dem Ausmaß kardialer Anpassungen, da größere Individuen – vor allem Männer – physiologisch zu größeren Herzvolumina neigen; mehrere vagale EKG-Phänomene wiederum haben je nach Ethnizität und Geschlecht unterschiedliche Aussagekraft. Alle diese Zusammenhänge gilt es bei bildgebenden Befunden strikt zu berücksichtigen, um normale Variabilität nicht zu pathologisieren.

Die Studienautoren plädieren für ein strukturiertes diagnostisches Vorgehen, bei dem unter Einbeziehung aller oben genannten Determinanten neben dem üblichen (Langzeit-)EKG auch weitere bildgebende Verfahren wie transthorakale Echokardiographie (TTE) oder Kardio-MRT zum Einsatz kommen. Diese in kritischer Gesamtschau zu interpretieren und daraus passende Behandlungsstrategien sowie ggf. nötige Trainingsanpassungen abzuleiten, ist für eine verantwortungsvolle ärztliche Herangehensweise grundlegend.

■ Kura L

Ähnliche Beiträge zum Thema finden Sie weiter unten!

Quellen:

  1. Petrone A, Minopoli TC, Papadakis M et al. Differential diagnosis between ‘athlete’s heart’ and cardiomyopathies. Brit J Cardiol. 2025; 32: 91-9. doi:10.5837/bjc.2025.030