Clunealnerven-Einklemmung als Ursache von LWS-Schmerzen

Clunealnerven-Einklemmung als Ursache von LWS-Schmerzen
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Schmerzen im unteren Rücken (Lower Back Pain/LBP) sind eine ebenso häufige wie unspezifische Diagnose. Der Leidensdruck kann enorm sein und nicht selten sind Betroffene lange außer Gefecht gesetzt, was unter anderem mit erheblichen Kosten für das Gesundheitssystem einhergeht. Neben degenerativen Veränderungen, muskulären Dysbalancen und Dysfunktionen des Iliosakralgelenks (ISG) sind zunehmend auch periphere Nervenkompressionssyndrome als Auslöser für LBP in der Diskussion. Für den Lendenwirbelbereich kommt hierfür etwa eine Einklemmung von oberen Clunealnerven (Superior Cluneal Nerve Entrapment, SCN-E) infrage. Türkische Forscher haben nun im Rahmen einer prospektiven Studie untersucht, wie relevant diese Pathologie als Differenzialdiagnose ist (1).

Die oberen Clunealnerven sind essenziell für die neuronale Versorgung der Gesäß- und Lendenregion. Sie entspringen aus den lateralen Ästen der hinteren Spinalnervenwurzeln T11 bis L5 und verlaufen über den hinteren Darmbeinkamm, wobei vor allem der mediale Ast (mSCN) durch einen osteofibrösen Tunnel zwischen Beckenkamm und thorakolumbaler Faszie läuft – eine sehr enge Passage, die die Region für Kompression prädestiniert. Liegt eine solche vor, äußert sich dies klinisch in dumpfen, schlecht lokalisierbaren und in Gesäß oder Oberschenkel ausstrahlenden Rückenschmerzen ohne klassische Begleitzeichen wie Sensibilitätsausfälle oder Muskelschwäche, die z. B. an Radikulopathien, Bandscheibenpathologien oder Spinalstenosen denken ließen. Kennzeichnend ist außerdem ein per gezielter Palpation reproduzierbarer Druckschmerz über dem hinteren Beckenkamm, der dann per Lokalanästhesie ausschaltbar ist.

Für ihre Studie rekrutierte das Forschungsteam 200 Patienten (69 Prozent davon Frauen, Durchschnittsalter 48,6 ± 14,1 Jahre, BMI zwischen 18 und 47 kg/m²), die seit durchschnittlich 3,8 ± 4,4 Jahren unter Schmerzen im Lendenwirbelbereich litten. 7 Prozent von ihnen waren in der Vorgeschichte an der Wirbelsäule operiert worden, 22,5 Prozent berichteten über ein entsprechendes vorangegangenes Trauma. Die 31 Patienten, bei denen der o. g. Palpationstest positiv verlaufen war, erhielten im Anschluss eine ultraschallgestützte diagnostische Lidocain-Injektion. Als positiv galt eine Schmerzreduktion um mindestens 70 Prozent innerhalb einer Stunde postinterventionell.

Bei 24 Patienten war die Injektion erfolgreich, was in der Gesamtkohorte einer SCN-E-Prävalenz von 12 Prozent entspricht. Ein Viertel der Betroffenen hatte ein vorausgegangenes Trauma, jedoch keine vorangegangene Wirbelsäulenoperation. Auffallend war der hohe Anteil (75 Prozent) weiblicher SCN-E-Patienten. Hüftschmerzen traten mit 92 Prozent bei SCN-E signifikant häufiger auf als bei anderen Formen mechanisch bedingter Rückenschmerzen mit 73 Prozent. Häufige Begleitbefunde waren eine lokale Druckdolenz an LWS, Piriformis oder Iliosakralgelenk. Unter den klinischen Tests erwies sich der Hüft-Knie-Flexionstest als besonders hilfreich. Nach Ausschluss weiterer Differenzialdiagnosen kann bei Anwesenheit der oben beschriebenen „klinischen Triade“ mit hoher Sicherheit davon ausgegangen werden, dass ein SCN-E vorliegt.

Fazit: Die Studie verdeutlicht, dass chronische therapieresistente LWS-Schmerzen bei jedem achten Patienten von einer Einklemmung von oberen Clunealnerven herrühren könnten. Mittels gezielter Palpations- und Hüft-Knie-Flexionstest kann ein SCN-E mit hoher Sicherheit befundet und ggf. durch eine ultraschallgestützte Nervenblockade bestätigt werden. Die Sensibilisierung für dieses Beschwerdebild in der täglichen Praxis kann dazu beitragen, unnötige operative oder ineffektive konservative Maßnahmen zu vermeiden und Patienten gezielter zu behandeln.

■ Kura L

Quellen:

  1. Kiral BS, Misirlioglu TO, Terlemez R, Palamar D, Kiral D et al. The frequency of superior cluneal nerve entrapment diagnosed with ultrasound-guided nerve block in patients with low back pain: A prospective, cross-sectional study. Pain Pract. 2024 Nov; 24: 989-996. doi: 10.1111/papr.13391