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Fortsetzung Bewegungsförderung aktuell – Glas halb voll oder halb leer?

In Deutschland bekennen sich die meisten (Haus)ärzte explizit zur Lebensstil- und Bewegungsberatung (3, 9), wie auch jüngst vom 122. Deutscher Ärztetag nachdrücklich bekräftigt (1). Die routinemäßige Ausübung dieser Tätigkeit im Praxisalltag wird allerdings durch zahlreiche Barrieren erschwert. Anders als in Schweden, wo die Ärzte ihre Patienten z. B. an Coaches verweisen können, die sich mit den lokalen Angeboten bestens auskennen, und die Patienten über Monate hinweg betreuen können, fehlt in Deutschland so eine koordinierende, unterstützende Instanz. Dies wird immer wieder sowohl seitens der Patienten (10) als auch der Ärzte (3) als Hindernis in der ärztlichen Beratung gesehen. Auch der 122. Deutsche Ärztetag fordert „eine kassenübergreifende Übersicht der regionalen Präventionsangebote“, an die Ärzte ihre Patienten weitervermitteln können (1).

Seit März 2019 bilden nun Partner aus zehn Mitgliedstaaten, darunter der Arbeitsbereich Präventiv- und Sportmedizin der Goethe-Universität, ein Konsortium, mit dem Ziel, die Leitideen des FaR – angepasst an die lokalen, regionalen und nationalen Begebenheiten – in das eigene Land oder Region zu transferieren und weiterzuentwickeln (EUPAP) (4). Das auf 36 Monate angelegte Projekt umfasst drei Phasen: Machbarkeitsstudie, Schulungsmaßnahmen und lokale Umsetzung und adressiert eine Vielzahl an Akteuren in der Politik, im Gesundheitswesen auch in der täglichen Praxis.

Welche Rolle kann das Präventionsgesetz spielen?

Die explizite Aufnahme von ärztlichen Präventionsempfehlungen in das Präventionsgesetz hat verhaltenen Optimismus ausgelöst. Der im Juni 2019 erschienene Erste Präventionsbericht liefert allerdings noch keine aussagekräftigen Daten zur Nutzung und ersten Erfahrungen. Abzuwarten ist, ob die Ärzteschaft ihre Forderung nach einer Honorierung dieser Tätigkeit und der Aufnahme von Organisationen der ärztlichen Selbstverwaltung in die Nationale Präventionskonferenz erreichen, und damit bessere Voraussetzungen für routinemäßige Lebensstil- und Bewegungsberatung schaffen kann. Der Bedarf ist ohne Zweifel da.

■ Füzéki E, Banzer W

Eszter Füzéki wird durch das EU Project Grants HP-PJ-2018. Topic PJ-04-2018 und durch das vom Bundgesundheitsministerium geförderte „BEwegte Aktive TAfel Netzwerk BEATA“ gefördert. Der Inhalt dieser Veröffentlichung gibt nur die Ansichten der Autoren wieder und liegt in ihrer alleinigen Verantwortung. Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass er die Ansichten der Europäischen Kommission und / oder der Exekutivagentur für Verbraucher, Gesundheit, Landwirtschaft und Ernährung (CHAFEA) oder einer anderen Einrichtung der Europäischen Union widerspiegelt. Die Europäische Kommission und die Agentur akzeptieren keine Verantwortung für die Verwendung der darin enthaltenen Informationen.

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Quellen:

  1. Bundesärztekammer. Beschlussprotokoll 122. Deutscher Ärztetag. Hg. v. Bundesärztekammer; 2019. https://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/pdf-Ordner/122.DAET/122DAETBeschlussprotokoll.pdf [21st October 2019].

  2. Bundesministerium für Gesundheit (o.J.). Bewegung und Bewegungsförderung – Förderschwerpunkt. Bundesministerium für Gesundheit. https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/begriffe-von-a-z/b/bewegung-und-bewegungsfoerderung.html [21st October 2019].

  3. Curbach J, Apfelbacher C, Knoll A, Herrmann S, Szagun B, Loss J. Physicians’ perspectives on implementing the prevention scheme “Physical Activity on Prescription”: Results of a survey in Bavaria. Z Evid Fortbild Qual Gesundhwes. 2018; 131-132: 66-72. doi:10.1016/j.zefq.2018.02.001

  4. EUPAP. EUPAP - An European Physical Activity on Prescription. www.eupap.org [21st October 2019]

  5. Finger JD, Mensink GBM, Lange C, Manz K. Health-enhancing physical activity during leisure time among adults in Germany. Journal of Health Monitoring. 2017; 2: 35-42. doi:10.17886/RKI-GBE-2017-040

  6. Kallings L. Physical activity on prescription : Studies on physical activity level, adherence and cardiovascular risk factors; 2008. http://openarchive.ki.se/xmlui/bitstream/10616/39972/1/thesis.pdf [21st October 2019].

  7. Onerup A, Arvidsson D, Blomqvist Å, Daxberg EL, Jivegård L, Jonsdottir IH, Lundqvist S, Mellén A, Persson J, Sjögren P, Svanberg T, Borjesson. Physical activity on prescription in accordance with the Swedish model increases physical activity: a systematic review. Br J Sports Med. 2019; 53: 383-388. doi:10.1136/bjsports-2018-099598

  8. Piercy KL, Troiano RP, Ballard RM, Carlson SA, Fulton JE, Galuska DA, George SM, Olson RD. The Physical Activity Guidelines for Americans. JAMA. 2018; 320: 2020-2028. doi:10.1001/jama.2018.14854

  9. Regus S, Bockelbrink A, Braun V, Heintze C. Präventive Beratung: Selbsteinschätzungen Brandenburger Hausärzte. In: Gesundheitswesen (Bundesverband der Arzte des Offentlichen Gesundheitsdienstes (Germany)). 2013; 75: 515–520. doi:10.1055/s-0032-1321784

  10. Wangler J, Jansky M. Die Bedeutung des hausärztlichen Settings für die Bewegungs- und Gesundheitsförderung im höheren Lebensalter – Ergebnisse einer Befragung. In: Präv Gesundheitsf. 2019; 69: 401. doi:10.1007/s11553-019-00726-3