Gefäßsteifigkeit nach der Menopause – kann Training helfen?

Gefäßsteifigkeit nach der Menopause – kann Training helfen?
© Светлана Мищенко / Adobe Stock (KI nachbearbeitet)

In der Peri- und Postmenopause beschleunigt sich durch den Abfall der Östrogenspiegel die Gefäßalterung deutlich. Die endotheliale Funktion leidet, oxidativer Stress sowie inflammatorische Prozesse werden gefördert. Das begünstigt die Zunahme der arteriellen Gefäßsteifigkeit. Diese ist ein unabhängiger Prädiktor für kardiovaskuläre Ereignisse. Jede Zunahme der Pulswellengeschwindigkeit um 1 m/s geht mit einem Anstieg der Gesamtmortalität um 43 Prozent und der kardiovaskulären Mortalität um 54 Prozent einher (2). Vor diesem Hintergrund bekommen nicht-pharmakologische Strategien eine hohe Bedeutung.

Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse untersuchte den Einfluss von Bewegungstraining auf die systemische arterielle Pulswellengeschwindigkeit (Pulse Wave Velocity, PWV) bei postmenopausalen Frauen (2). Eingeschlossen wurden neun randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 496 Frauen. Analysiert wurden 27 Effektstärken unterschiedlicher PWV-Parameter. Methodisch hervorzuheben ist die Anwendung eines dreistufigen Random-Effects-Modells, um abhängige Effektstärken innerhalb einzelner Studien adäquat zu berücksichtigen.

Im Gesamteffekt zeigte sich für Bewegungstraining im Vergleich zur Kontrollgruppe lediglich eine grenzwertig signifikante Reduktion der systemischen PWV mit einer Effektstärke von g = −1,07 (KI = −2,15–0,00, p = 0,05), wobei der wahre Effekt statistisch nicht eindeutig gesichert ist. Zudem wichen die Ergebnisse der einzelnen Studien deutlich voneinander ab, was die Aussagekraft des zusammengefassten Gesamtergebnisses einschränkt. Auch ein signifikanter Publikationsbias wurde berichtet.

Eine Sensitivitätsanalyse relativierte den Effekt. Nach Ausschluss einer Studie mit besonders großem Effekt reduzierte sich die Effektstärke auf g = −0,62, blieb jedoch statistisch signifikant (p = 0,019) (2). Insgesamt spricht dies für einen potenziellen Nutzen, der jedoch mit methodischer Vorsicht interpretiert werden muss.

Differenzierter zeigte sich das Bild in den Subgruppenanalysen. Besonders deutlich profitierte die zentrale Gefäßsteifigkeit. Vor allem die carotis-femorale Pulswellengeschwindigkeit, als Goldstandard der zentralen Arteriensteifigkeit, nahm unter Training klar ab. Auch die zentralen Gefäßabschnitte insgesamt reagierten positiv, während periphere Messparameter wie die brachial ankle PWV weitgehend unverändert blieben. Klinisch ist diese Differenz bedeutsam, da die Steifigkeit der zentralen Arterien eng mit der linksventrikulären Nachlast und der kardiovaskulären Prognose verknüpft ist. Verbesserungen in diesem Gefäßsegment haben daher eine besondere Relevanz.

Als einflussreiche Faktoren erwiesen sich Alter, Trainingsform und Trainingshäufigkeit. Jüngere postmenopausale Frauen, insbesondere unter 65 Jahren, zeigten eine spürbare Abnahme der arteriellen Steifigkeit. Bei älteren Teilnehmerinnen blieb dieser Effekt hingegen aus, was möglicherweise auf fortgeschrittene strukturelle Gefäßveränderungen zurückzuführen ist. Bei der Trainingsgestaltung zeigten Programme mit mindestens drei Einheiten pro Woche messbare Effekte. Nur aerobes Training führte zu einer Reduktion der arteriellen Steifigkeit; mit Krafttraining wurde kein vergleichbarer Effekt erzielt.

Auch die Hormonersatztherapie (HRT) beeinflusst die Gefäßsteifigkeit. Randomisierte Studien zeigen, dass eine Östrogentherapie bei postmenopausalen Frauen die arterielle Compliance verbessern und die zentrale Pulswellengeschwindigkeit um etwa 0,5 bis 1,0 m/s senken kann (3). Die Effekte scheinen insbesondere bei frühem Therapiebeginn nach der Menopause ausgeprägt zu sein. Die heutzutage bevorzugte Therapie mit transdermal angewendetem bioidentischen Östradiol kombiniert mit mikronisiertem Progesteron weist laut großen Registeranalysen eine Verringerung kardiovaskulärer Risiken auf im Vergleich zu Frauen, die keine HRT nutzten (1). Die in der Meta-Analyse von Li et al. beschriebenen Trainingseffekte auf die zentrale PWV lagen in einer ähnlichen oder teilweise größeren Größenordnung (2). Leider ist jedoch in der Arbeit nicht angegeben, ob und in welchem Umfang die eingeschlossenen Frauen ergänzend eine Hormonersatztherapie erhielten.

Grundsätzlich lässt sich ableiten, dass insbesondere moderat intensives aerobes Training mit einer Frequenz von mindestens drei Einheiten pro Woche bei postmenopausalen Frauen unter 65 Jahren ein vielversprechender Ansatz zur Verbesserung der zentralen arteriellen Steifigkeit darstellt.

■ Hutterer C

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Quellen:

  1. Johansson T, Karlsson T, Bliuc et al. Contemporary menopausal hormone therapy and risk of cardiovascular disease: Swedish nationwide register based emulated target trial. BMJ. 2024; 387: e078784. doi:10.1136/bmj-2023-078784

  2. Li YH, Xu N, Ren FF, et al. Effects of exercise training on systemic arterial pulse wave velocity in postmenopausal women: an updated systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. BMC Sports Sci Med Rehabil. 2025; 17: 329. doi:10.1186/s13102-025-01382-1

  3. Rajkumar C, Kingwell BA, Cameron JD et al. Hormone replacement therapy increases arterial compliance in postmenopausal women. J Am Coll Cardiol. 1997; 30: 350-6. doi:10.1016/S0735-1097(97)00191-5