Sport in der Schwangerschaft fördert kindliche Gehirnentwicklung
Werdende Mütter, die während einer unkomplizierten Schwangerschaft regelmäßig Sport treiben, tun damit nicht nur ihrer eigenen Gesundheit etwas Gutes. Hinweise darauf, dass körperliche Aktivität der Schwangeren auch die frühkindliche Gehirnentwicklung fördert, liefert nun eine große japanische Kohortenstudie (1).
Analysiert wurden die Daten von 38 219 Mutter-Kind-Paaren (medianes Alter der Mütter 31,1 Jahre; Geschlecht der Babys ca. jeweils zur Hälfte männlich und weiblich) aus der nationalen Japan Environment and Children’s Study (JECS). Das Bewegungsverhalten der Mütter wurde mittels International Physical Activity Questionnaire (IPAQ) erfasst – einmal rückblickend für die Zeit vor der Schwangerschaft und einmal zwischen der 16. und der 27. Woche. Aus Gehen sowie moderater und intensiver Aktivität berechnete das Studienteam individuelle MET-Minuten pro Woche und teilte die Frauen in entsprechende Gruppen mit keiner, niedriger sowie moderater bis hoher Aktivität ein.
Die neurologische Entwicklung der Kinder nach der Geburt wurde alle sechs Monate mit dem Ages and Stages Questionnaire (ASQ) beurteilt. Erhoben wurden Kommunikation, Grob- und Feinmotorik, Problemlösung sowie soziale Entwicklung. Die stärksten Assoziationen zeigten sich im frühen Kindesalter. Eine höhere körperliche Aktivität vor der Schwangerschaft führte bei den Babys im Alter von sechs Monaten zu besseren Ergebnissen in allen fünf ASQ-Domänen. Bewegte sich die Mutter zwischen der 16. und 27. Woche moderat bis viel, profitierten vor allem Grob- und Feinmotorik (Feinmotorik besonders signifikant) sowie die Problemlösefähigkeiten der Kinder.
Im Alter von drei Jahren schwächten sich die Zusammenhänge mit präkonzeptioneller Aktivität der Mutter ab: Lediglich eine Assoziation mit der kindlichen Problemlösefähigkeit blieb bestehen. Für Aktivität in der Mitte der Schwangerschaft fanden sich zu diesem Zeitpunkt keine signifikanten Vorteile mehr. Das passt zu der Annahme, dass pränatale Einflüsse vor allem frühe motorische Entwicklungsschritte prägen könnten, während später Umweltfaktoren stärker ins Gewicht fallen.
Als mögliche Mechanismen für die Analyseergebnisse diskutieren die Autoren u. a. bewegungsbedingt günstigere entzündliche, vaskuläre und sensorische Bedingungen im fetalen Umfeld. Gleichzeitig weisen die Autoren aber auch auf einige methodische Limitationen hin, wie einen gewissen Selektionsbias zugunsten engagierter, gesundheitsbewusster Frauen, die Ungenauigkeit der Selbstangaben zum Bewegungsverhalten und die Tatsache, dass Schwangere mit Komplikationen oder drohender Frühgeburt ihre Aktivität auf ärztlichen Rat reduziert haben könnten, was die Bestimmung der Kausalität erschwert.
Insgesamt jedoch stützt die Studie die bestehende Empfehlung, bei unkomplizierter Schwangerschaft keinen Sportverzicht auszusprechen, sondern passende Bewegungsarten als potenziell positiven Faktor für Mutter und Kind mitzudenken.
■ Kura L
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Quellen:
Kumasaka I, Suzuki T, Kanamori K, et al. Japan Environment and Children’s Study Group. Physical Activity Before and During Pregnancy and Neurodevelopment in Early Childhood. JAMA Netw Open. 2026; 9: e260345. doi:10.1001/jamanetworkopen.2026.0345