O-Beine durchs Fußballspielen

O-Beine durchs Fußballspielen
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Zu Beginn die Fakten: Im Mittel liegt die Differenz des interkondylären Abstands bei Fußballspielern versus Kontrollpersonen bei 1,5cm. Das bedeutet, salopp gesagt, dass die Knie 1,5cm weiter auseinander stehen. Ginge es nur um das Aussehen, könnte man das getrost ignorieren – ein erfolgreicher Fußballer braucht um Bewunderung nicht zu bangen und kann ja auch noch mit Frisur und Tattoos nachhelfen. Doch es geht auch um die Spätfolgen. Eine O-Beinstellung erhöht das Risiko, an einer Kniegelenksarthrose zu erkranken um das 1,3fache. Wird das Risiko nach erlittenen Knieverletzungen bei O-Beinigen betrachtet, steigt es sogar um das 2,9fache. Die Evidenz spricht dafür, dass O-Beine (Genu varum) das Fortschreiten einer Kniegelenksarthrose beschleunigt. Bei der großen Zahl der leistungsmäßig fußballspielenden Jungen und Männern, ist die Zahl der Betroffenen durchaus beträchtlich.

Für den Review wurden drei Studien ausgewählt, die als Maß für Genu varum den interkondylären Abstand zwischen den inneren Obergelenkknorren (Epicondylis medialis femoris), und als Maß für X-Beine der intermalleoläre Abstand erfasst haben. Die Studien unterschieden sich allerdings deutlich hinsichtlich der Kontrollgruppen. Die erste Studie verglich jugendliche Leistungsfußballer mit Gleichaltrigen, die nicht sportlich aktiv waren. Die zweite Studie verglich jugendliche Leistungsfußballer mit jugendlichen Sportlern auf ähnlichem Leistungsniveau, die kein Fußball spielten. Die dritte Studie verglich Jugendliche, die mehr als sechs Stunden Fußball pro Woche spielten mit Gleichaltrigen, die weniger als sechs Stunden pro Woche auf dem Fußballplatz trainierten.

Als mögliche Entstehungsursachen für die O-Beine bei Fußballern werden mehrere Mechanismen diskutiert. Die Richtungswechsel im Lauf führen zu einer erhöhten mechanischen Beanspruchung, die sich auch von anderen Sportarten wie Basketball oder Handball unterscheidet. Zudem könnte die dynamische Kniegelenksstabilisierung mit zunehmender Erschöpfung über die Zeit zu Fehlbelastungen und auch Verletzungen führen. Auch die Stollenschuhe, die die Außenrotation in der Standphase des Beins einschränken, erhöhen die varische Belastung des Kniegelenks und könnten so einen Beitrag leisten. Auch weitere muskuläre Faktoren werden diskutiert (Einfluss der Adduktoren). Überlastungen durch Mirkotraumata oder durch chronische Belastungen der oben genannten Systeme, können zu einem asymmetrischen Wachstum der Wachstumsfugen in der Nähe des Kniegelenks führen.

Fazit: Intensiv ausgeübtes Fußballspiel im Kinder- und Jugendalter erhöht das Risiko zur Ausbildung von O-Beinen. Eine Übertragung auf Freizeitfußballer scheint nicht sinnvoll. Weitere Forschung ist notwendig, um die Pathomechanismen besser zu verstehen und Trainingsmaßnahmen zu entwickeln, die der Entwicklung eines Genu varum vorbeugen können.

■ Hutterer C

Quellen:

  1. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 401-8; doi:10.3238/arztebl.2018.0408