Male Athlete Triad bei Leistungsathleten

Male Athlete Triad bei Leistungsathleten
© Azee Jacobs/peopleimages.com / Adobe Stock

Während die sogenannte Female Athlete Triad (FAT) vergleichsweise gut untersucht ist, ist die Forschung zu ihrem maskulinen Pendant – der Male Athlete Triad (MAT) – noch lückenhaft. Obwohl beide Triaden eine Folge niedriger Energieverfügbarkeit (Low Energy Availability/LEA) und relativen Energiedefizits im Sport (RED-S) sind und ähnliche gesundheitliche Risiken beinhalten, unterscheiden sie sich doch in ihren spezifischen Komponenten. Da das Syndrom auch für männliche Leistungsathleten nicht zu unterschätzen ist, hat sich eine US-amerikanische Literaturanalyse mit den aktuellen Erkenntnissen zum Thema befasst (1). Sie fragt unter anderem nach Schwellenwerten bezüglich der notwendigen Kalorienaufnahme und erklärt die Auswirkungen von MAT auf Knochengesundheit und hormonelle Balance.

Von niedriger Energieverfügbarkeit (LEA) spricht man, wenn die Differenz aus über die Nahrung aufgenommener und trainingsbedingt verbrauchter Energie negativ ist und die Energie deshalb für andere Körperfunktionen nicht zur Verfügung steht. Sie kann empfindliche Folgen haben, z. B. auf Immunfunktion, Knochengesundheit, Stoffwechselparameter, Muskelkraft und -ausdauer, kardiorespiratorische Leistungsfähigkeit sowie endokrine, gastrointestinale, hämatologische und metabolische Parameter. Besonders gut belegt ist der negative Einfluss von LEA auf die psychische Verfassung und die reproduktive Gesundheit.

2014 führte das Internationale Olympische Komitee (IOC) zusätzlich das Konzept des relativen Energiedefizits im Sport (RED-S) ein, das als unmittelbare Folge einer anhaltenden, nicht behandelten LEA entsteht und bei dem sich deren potenzielle Symptome manifestieren.

Die Female Athlete Triad (FAT) wurde erstmals 1997 als Syndrom aus Essstörungen, Amenorrhoe und Osteoporose beschrieben, das vorrangig Mädchen und Frauen aus gewichtsbetonten Sportarten betrifft. Seit der jüngsten Konsenserklärung des American College of Sports Medicine im Jahr 2017 umfasst der Terminus FAT offiziell drei voneinander abhängige Faktoren: LEA, Menstruationsfunktion und Knochengesundheit.

Erst seit 2021 definiert ein Konsensuspapier die Male Athlete Triad (MAT) in vergleichbarer Weise wie die FAT, und zwar als Syndrom aus LEA sowie beeinträchtigter Knochengesundheit und Unterdrückung der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse, unter der etwa die Fortpflanzungsfähigkeit leiden kann. Wie bei der Female Athlete Triad haben v. a. männliche Athleten aus Disziplinen ein erhöhtes Risiko, bei denen ein niedriges Körpergewicht oder eine besondere Körperzusammensetzung angestrebt wird (z. B. Turnen, Ballett, Schwimmen, Triathlon, Kampfsport, Bodybuilding). Zusätzliches Risikopotenzial besteht für Kraft- und Ausdauersportler, z. B. Radfahrer, Läufer oder Gewichtheber.

Aus einer LEA kann sich leicht eine MAT entwickeln, wenn Sportler aufgrund einer Essstörung absichtlich (z. B. um eine bestimmte Körperästhetik oder ein niedriges Gewicht zu erreichen) oder unabsichtlich (z. B. aus Unkenntnis oder Zeitmangel) nicht genügend Energie aufnehmen, um ihre physischen Anforderungen unter erhöhter Belastung zu decken. Deshalb sind von LEA betroffene Athleten einem höheren Risiko ausgesetzt, auch MAT-Symptome zu entwickeln. Um dies von vorneherein zu vermeiden, muss die Energiezufuhr angemessen auf das individuelle Trainingspensum angepasst werden.

Eine präzise Schwelle für LEA bei männlichen Sportlern wurde bisher nicht definiert. Nach aktueller Literatur sind Bereiche von 45 kcal pro kg fettfreie Masse (FFM) und Tag optimal, um Gewicht und gesunde physiologische Funktionen aufrechtzuerhalten. Bereits zwischen 30 und 45 kcal/kg FFM/Tag kann die physiologische Funktion leiden und alles unter 30 kcal/kg FFM/Tag fällt in den Bereich einer LEA. Nur wenige Studien stützen geringere tägliche Kalorienaufnahmen als unproblematisch.

Screeningprotokolle sollten auf der gewohnten Nahrungsaufnahme, dem trainingsbedingten Energieverbrauch und der aktuellen fettfreien Körpermasse beruhen. Die Körperzusammensetzung kann per DXA oder bioelektrischer Impedanzanalyse bestimmt werden. Nimmt ein Athlet weniger als die empfohlene tägliche Energiemenge auf, sollte zunächst die Kalorienaufnahme gesteigert, der Energieverbrauch durch reduzierte Trainingsintensität und -dauer gesenkt und auch ein Augenmerk auf die psychische Verfassung des Betroffenen gelegt werden.

Fazit: Die Male Athlete Triad ist ein Syndrom, das nicht nur die Gesundheit, sondern auch die Leistung männlicher Leistungsathleten gefährdet und die Notwendigkeit einer angemessenen Energiezufuhr unterstreicht. Fachleute aus dem Bereich Sporternährung sollten deshalb eng mit Athleten und Trainerstab zusammenarbeiten, um LEA und RED-S als Vorstufen einer MAT von vorneherein zu verhindern.

■ Kura L

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Quellen:

  1. Lee BL. Low Energy Availability (LEA) in Male Athletes: A Review of the Literature. The Sport Journal 29. 2024