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Fortsetzung Faszien: Das neue Organ und Multitalent

Modellierbar und trainierbar

Das fasziale Bindegewebe wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Sie können – je nach Zustand – zu einer Verbesserung oder Verschlechterung der Gewebestrukturen und Elastizität führen. Hier spielen Genetik, Ernährung, Stress, hormonelle Situation (v.a. bei Frauen) und Biomechanik ebenfalls eine Rolle. Die Fibroblasten, die für die Synthese des Kollagens verantwortlich sind, reagieren vor allem auf biomechanische Beanspruchung. Allerdings wirkt Überforderung ebenso schädigend für das kollagene Bindegewebe wie Unterforderung. Aus diesem Grund haben Wissenschaftler wie Prof. Dr. Michael Kjaer (University of Copenhagen) und Prof. Dr. Adamantios Arampatzis (Humboldt-Universität Berlin) untersucht, welche Art der Belastung, Dosierung und Häufigkeit eines Trainings für Faszien optimal ist. Auf Basis dieser wissenschaftlichen Erkenntnisse hat Dr. Schleip zusammen mit Kollegen ein spezielles Faszientraining entwickelt (s. Buchempfehlung).

Übungen aus der Mottenkiste

Faszien brauchen relativ hochdosierte Belastungen – dafür aber mit relativ wenigen Wiederholungen. Für die Achillessehne beispielsweise sind (je nach Vortraining) vermutlich schon fünf bis 50 Hopsersprünge pro Woche ausreichend. Entscheidend ist, dass mehrfach und kurzfristig das zwei- bis vierfache des Körpergewichts abgefangen werden muss. Durch die Stoßbelastung werden Fibroblasten aktiviert und die Kollagenbildung und -strukturierung angeregt. Des Weiteren sind dynamische Dehnungen sinnvoll, wie sie unsere Großeltern schon machten und wie sie in den letzten Jahrzehnten aus den Sportgruppen und Fitnessstudios verschwunden waren. Gut sind endgradige Bewegungen mit kleinen Widerständen oder Gewichten. Zusätzlich sind alle Trainingsformen sinnvoll, bei denen geschmeidige Bewegungsabläufe betont werden, wie z.B. Yoga, QiGong, Tai Chi und andere östliche Kampfkünste.

Therapien bei Schmerzen auf Grund der Faszien

• Osteopathie

Osteopathische Myofaszialtherapie: Diese Therapie ist eine weit verbreitete ganzheitliche Therapie, bei der durch spezielle Griffe und Massagen Spannungen gelöst und die Selbstheilungskräfte aktiviert werden.

Viszeral-Therapie: Die Viszeral-Therapie legt den Schwerpunkt auf die Faszien der Organe. Besonders bei unklaren Schmerzzuständen.

• Fascial Release

Mit Hilfe einer Faszienrolle aus Hartschaumstoff werden die schmerzhaften Regionen massiert und „durchgewalkt“, so dass sich Verfilzungen in den Faszien lösen.

• Bowen-Methode

Mit präzisen, sanften und effektiven Griffen behandelt und aktiviert ein Therapeut das Muskel- und Bindegewebe.

• Rolfing

Rolfing ist eine besondere Form der Bindegewebsmassage, mit der fasziale Verfilzungen und Verhärtungen gelöst werden können, um die Strukturen des Körpers in eine gesunde Ordnung zu bringen. Muskuläre Triggerpunkte werden nicht speziell behandelt.

• Faszien-Distorsionsmodell FDM

FDM geht davon aus, dass Sportverletzungen häufig durch eine von sechs Verdrehungen der Faszien verursacht werden. Werden diese korrigiert, verschwinden die Schmerzen sofort.

• LNB Schmerztherapie nach Liebscher und Bracht

Schmerzpunkte werden mit spe­zieller Druckbehandlung gereizt und Muskelspannungen gelöst. Aktive und passive Dehnreize bewirken eine Veränderung des schmerzerzeugenden Systems.

■ Hutterer C

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