Exzentrisches Training bei Achillessehnen-Tendinopathie: wirksamer als andere Therapien?

Exzentrisches Training bei Achillessehnen-Tendinopathie: wirksamer als andere Therapien?
© baranq / Adobe Stock

Pathologien der Achillessehne sind in der Sportmedizin häufig. Sowohl Rupturen als auch entzündliche Prozesse können sehr schmerzhaft sein und lange Ausfallzeiten mit sich bringen. Bei überlastungsbedingten Achillessehnen-Tendinopathien gehört exzentrisches Training schon lange ins konservative Standard-Therapieregime. Ob es anderen nichtinvasiven Verfahren tatsächlich überlegen sind, war aber bislang allerdings nicht eindeutig geklärt. Im Rahmen einer systematischen Übersichtsarbeit mit Metaanalyse haben chinesische Forscher nun die Effekte exzentrischen Trainings auf Schmerz, Funktion und strukturelle Veränderungen der Sehne untersucht (1).

Als Grundlage dienten die Daten von insgesamt 994 Patienten mit Achillessehnen-Tendinopathie (48 Prozent Männer) aus 21 randomisiert-kontrollierten Studien. Verglichen wurde je nach Studie ein exzentrisches Trainingsregime mit nicht-exzentrischem, z. B. konzentrischem oder isometrischem Training sowie mit konservativen Verfahren, darunter Stoßwellentherapie, Nachtschienen, Aircast-Orthesen, Akupunktur, Kryotherapie, manuelle Therapie oder PRP-Injektionen. Auch Abwarten und Scheinbehandlungen waren unter den Kontrollinterventionen. Erfasst wurden Schmerzen, Funktion und sonografische Befunde jeweils vor und nach der Maßnahme.

Das Ergebnis: Über alle Kontrollverfahren hinweg zeigte sich im Vergleich lediglich eine geringe, statistisch nicht signifikante Tendenz exzentrischen Trainings zur Schmerzreduktion. Interessant wurde es erst in den Subgruppen, wo exzentrisches Training gegenüber physikalischen Therapieverfahren signifikant bessere analgetische Effekte hatte. Anderen aktiven Trainingsformen war es dagegen nicht überlegen. Dies spricht dafür, dass möglicherweise weniger die Art der Muskelkontraktion als vielmehr eine pauschal ausreichende mechanische Belastung der Sehne für den gestörten Ausgleich zwischen Gewebeabbau und -reparatur entscheidend ist. Dass jegliche Bewegungsreize die Expression proinflammatorischer Faktoren im Sehnengewebe reduzieren, ist ja schon lange bekannt. Funktionelle Verbesserungen fielen unter exzentrischem Training sogar geringer aus als in den Kontrollgruppen.

Auch sonografisch fanden sich Veränderungen: Unter exzentrischem Training nahm die anteroposteriore Sehnendicke zu und die durch pro-angiogene Faktoren angestoßene pathologische Neovaskularisation im normalerweise nicht vaskularisierten Sehnengewebe ab. Die Autoren diskutieren dies als möglichen Hinweis auf günstige adaptive Remodelingprozesse durch die wiederholte gezielte Belastung. Gerade größere Sehnendicken sind jedoch nicht als grundsätzlich günstig zu interpretieren: Zwar kann dies auf eine potenziell bessere funktionelle Reserve und Verletzungsresistenz der betroffenen Sehne hindeuten, aber auch auf Entzündungen oder degenerative Veränderungen.

Die Metaanalyse bestätigt, dass  exzentrisches Training bei Achillessehnen-Tendinopathien eine sichere, gut verfügbare und auch in Eigenregie einfach durchführbare Erstlinien-Option innerhalb belastungsbasierter Therapieprogramme ist, ggf. kombiniert mit anderen Behandlungsformen. Es wirkt bei der Schmerzlinderung besser als physikalischen Therapieverfahren und bietet spezifische Vorteile bei der strukturellen Umgestaltung der Sehne. Dennoch stellt diese Therapieform keinen eigenständigen Goldstandard dar. Zukünftige Forschung sollte sich, so die Autoren, auf die Standardisierung von Protokollen und die Stratifizierung nach Subtypen konzentrieren, um die klinischen Ergebnisse zu optimieren.

■ Kura L

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Quellen:

  1. Yuan F, Ren K, Zhao Z, et alL. The efficacy of eccentric exercise in the treatment of Achilles tendinopathy: a systematic review and meta-analysis. BMC Musculoskelet Disord. 2026; 27: 481. doi:10.1186/s12891-026-09861-3