Einfluss afferenzstimulierender Einlagen bei chronischen unspezifischen Rückenschmerzen: Eine randomisierte kontrollierte Studie
Zusammenfassung eines wissenschaftlichen Beitrags (Originalarbeit) aus der Deutschen Zeitschrift für Sportmedizin (DZSM) mit Link zum englischsprachigen Originalartikel und Downloadmöglichkeit als PDF.
Hintergrund
Chronische unspezifische Rückenschmerzen (non-specific low back pain, NSLBP) betreffen bis zu 80 % der Erwachsenen weltweit und gehen mit erheblichen funktionellen Einschränkungen, verminderter Lebensqualität sowie hohen sozioökonomischen Kosten einher. Ein möglicher therapeutischer Ansatz besteht in der Nutzung afferent stimulierender Einlagen, die mechanosensorische Rezeptoren der Fußsohle aktivieren und dadurch muskuläre Tonusregulation sowie reflexbasierte posturale Anpassungen beeinflussen können.
Methoden
In einer einfach verblindeten, randomisierten kontrollierten Studie im MEDICUM Rhein-Ahr-Eifel (Deutschland; Januar 2023 bis April 2025; DORSO-RELAX-Studie, DRKS00038213) wurden 80 Erwachsene mit chronischem NSLBP (>12 Wochen) entweder afferent stimulierenden Einlagen (SM-Gruppe) oder statisch unterstützenden Einlagen (ST-Gruppe) zugeteilt (jeweils n = 40). Untersucht wurden die Muskelaktivität der autochthonen Rückenmuskulatur auf Höhe L5 mittels sEMG, die Schmerzintensität (Numeric Rating Scale, NRS) sowie die gesundheitsbezogene Lebensqualität (SF-36; Physical und Mental Component Score, PCS/MCS) zu drei Messzeitpunkten (T1–T3). Die statistische Auswertung erfolgte mittels Mann–Whitney-U-Test sowie zweifaktorieller gemischter ANOVA (Zeit × Gruppe), ergänzt durch Effektstärkenberechnungen.
Ergebnisse
76 Teilnehmende schlossen die Studie ab (SM: n = 37; ST: n = 39). In der SM-Gruppe zeigten sich signifikante Reduktionen der paraspinalen Muskelaktivität (sEMG; p < 0,01; r = 0,32) sowie signifikante Verbesserungen des mentalen Gesundheitszustands (MCS; p < 0,01; r = 0,29). Zusätzlich zeigte sich in der frühen Interventionsphase (T1–T2) eine signifikante Schmerzreduktion (NRS; p < 0,05; r = 0,21). Die gemischte ANOVA bestätigte signifikante Zeit × Gruppen-Interaktionen für sEMG und MCS (p < 0,01; η²p = 0,07) sowie Haupteffekte der Zeit für NRS und PCS (p < 0,001). Unerwünschte Ereignisse traten nicht auf.
Schlussfolgerung
Afferent stimulierende Einlagen reduzieren die paraspinale Muskelaktivität und können sowohl das mentale Wohlbefinden als auch kurzfristig die Schmerzintensität bei chronischem NSLBP verbessern. Die Ergebnisse unterstützen das Potenzial dieser nicht-invasiven Intervention als ergänzenden Therapieansatz in der Behandlung chronischer Rückenschmerzen.
■ Lange R, Bloch W