Krafttraining bei KHK verbessert auch die Ausdauerleistungsfähigkeit
Krafttraining gilt in der kardialen Rehabilitation seit Langem als sinnvolle Ergänzung zum Ausdauertraining, wird aber nur selten als alleinige Trainingsform empfohlen. Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse liefert nun Hinweise darauf, dass isoliertes Krafttraining bei Menschen mit koronarer Herzkrankheit auch für sich genommen einen relevanten Nutzen für die Ausdauerleistungsfähigkeit haben kann (1).
Für die Analyse werteten die Studienautoren Daten aus 18 randomisierten kontrollierten Studien aus, in denen Teilnehmende mit koronarer Herzkrankheit ausschließlich ein Krafttraining absolvierten. Verglichen wurde dieses primär mit üblicher Versorgung oder keiner strukturierten Bewegung, sekundär auch mit Ausdauertraining oder einer Kombination aus Kraft- und Ausdauertraining.
Im Vergleich zu üblicher Versorgung oder fehlendem strukturiertem Training verbesserte ein alleiniges Krafttraining die kardiorespiratorische Fitness deutlich. Die maximale Sauerstoffaufnahme, gemessen als VO2max, stieg in fünf eingeschlossenen Studien im Mittel um 3,29 Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht und Minute (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,86 bis 4,72) (1). Auch die funktionelle Leistungsfähigkeit profitierte. In sechs Studien legten die Teilnehmenden im 6-Minuten-Gehtest im Schnitt 79,06 Meter weiter zurück als die Vergleichsgruppen (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,74 bis 156,38).
Kein klarer Unterschied zeigte sich dagegen, wenn Krafttraining allein mit Ausdauertraining oder mit einer Kombination aus beiden Trainingsformen verglichen wurde. Für die VO2max fanden sich hier keine eindeutigen Gruppenunterschiede. Auch zu Body-Mass-Index, Lebensqualität und Sicherheit lässt sich aufgrund heterogener und unvollständiger Datenlage bislang wenig Gesichertes sagen.
Die Autoren weisen zudem darauf hin, dass belastbare Daten zu Muskelkraft und Muskelmasse kaum vorliegen. Nur eine explorative Studie lieferte objektive Kraftwerte, verwertbare Angaben zur Muskelmasse fehlten vollständig. Diese Endpunkte wurden daher nur beschreibend und nicht quantitativ ausgewertet.
Insgesamt bewerten die Studienautoren die Evidenz als niedrig bis sehr niedrig. Dennoch deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Krafttraining bei koronarer Herzkrankheit nicht nur Kraft und Muskulatur stärkt, sondern auch einen eigenständigen Beitrag zur kardiorespiratorischen Fitness leisten kann. Als Ersatz für etablierte Ausdauer- oder Kombinationsprogramme in der kardialen Rehabilitation reicht die aktuelle Datenlage jedoch nicht aus. Für die Praxis gilt daher, dass Krafttraining dort eine wertvolle Alternative sein kann, wo Ausdauertraining aus orthopädischen, kardialen oder anderen Gründen nicht oder nur eingeschränkt möglich ist.
■ Hutterer C
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Quellen:
Gu J, Zhang Z, Chang M, et al. Effects of resistance training alone on exercise capacity and health-related outcomes in patients with coronary artery disease: a systematic review and meta-analysis. BMC Sports Sci Med Rehabil. 2026. doi:10.1186/s13102-026-02015-x