Belastungsassoziierte Anaphylaxien: aktueller Forschungsstand

Belastungsassoziierte Anaphylaxien: aktueller Forschungsstand
KI-generiert

Anaphylaxien infolge körperlicher Belastung (exercise-induced anaphylaxis/EIA) sind zwar glücklicherweise selten, können jedoch lebensbedrohlich verlaufen. Die Symptome reichen von leichter Urtikaria und Angioödemen bis hin zu schwerem anaphylaktischem Schock mit potenziell tödlichem Kreislaufstillstand. Am häufigsten und gleichzeitig am besten untersucht sind nahrungsmittelabhängige belastungsinduzierte Anaphylaxien (food-dependent exercise-induced anaphylaxis/FDEIA), bei denen erst die Kombination aus einem bestimmten Nahrungsmittel und physischer Anstrengung die systemische allergische Reaktion auslöst. In einer narrativen Übersichtsarbeit haben polnische Forscher nun den aktuellen Wissensstand zur Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie von FDEIAs zusammengefasst (1).

Demnach ist der bekannteste Trigger für nahrungsmittel- und belastungsabhängige Anaphylaxien nach wie vor das in Weizen vorkommende Protein ω-5-Gliadin. Weniger häufig sind Allergien auf Schalentiere, Soja, Erdnüsse und andere Nüsse, Obst (z. B. Bananen) sowie einzelne weitere Pflanzenproteine. Mittlerweile ist zudem klar, dass Cofaktoren wie nichtsteroidale Antirheumatika, Alkohol, Infektionen und hormonelle Einflüsse die Reaktionsschwelle signifikant senken können, weshalb bei einer FDEIA immer eine vollständige Anamnese nötig ist. Zu den oben genannten vertrauten FDEIA-Manifestationen wurden neu seltene Begleitpathologien beschrieben, z. B. Rhabdomyolyse.

Diagnostisch sind nach wie vor Hauttests (Prick-Test) und die Bestimmung spezifischer IgE-Antikörper Standard. Provokationstests mit Nahrungsaufnahme und anschließender Belastung sind wegen des Anaphylaxierisikos spezialisierten Zentren vorbehalten. Komponentenbasierte Diagnostik ermöglicht die gezielte Identifikation von Einzelallergenen innerhalb eines Lebensmittels, ist jedoch noch nicht breit im Markt verfügbar. Bei Weizenallergie (wheat-dependent exercise-induced anaphylaxis/WDEIA) erweitern neue Gliadin-Testextrakte für den Prick-Test und molekulare Multiplex-Verfahren die Diagnostik. Allerdings ist die Sensitivität und Spezifität von manchen Multiplex-Tests noch nicht hoch genug, um zuverlässige Aussagen über das Allergierisiko zu machen.

Therapeutisch stehen weiterhin die Vermeidung individueller Trigger und Cofaktoren sowie das Mitführen eines Adrenalin-Autoinjektors im Vordergrund. Neue Ansätze reichen von der Zucht hypoallergener Weizensorten bis zur präventiven Gabe von Biologika oder Immunmodulatoren. Hier haben der monoklonale Antikörper Omalizumab und Bruton-Tyrosinkinase-Inhibitoren vereinzelt Erfolge erzielt, doch insgesamt ist die Evidenz dafür noch begrenzt.

Fazit: Gerade in der Sportmedizin sollte bei belastungsabhängigen allergischen Symptomen auch an eine EIA bzw. FDEIA gedacht und gezielt nach Nahrungsmitteln und möglichen Cofaktoren gefragt werden.

■ Kura L

Quellen:

  1. Borkowska J, Skowrońska-Borsuk J, Narożniak M, et al. Exercise-induced anaphylaxis; Current insights from the literature. International Journal of Innovative Technologies in Social Science. 2025; 5. doi:10.31435/ijitss.3(47).2025.3703