Suture Tape Augmentation bei ACL-Rekonstruktion von Vorteil?

Suture Tape Augmentation bei ACL-Rekonstruktion von Vorteil?
© st.kolesnikov / Adobe Stock

Bei der operativen Versorgung von Rupturen des vorderen Kreuzbands (Anterior Cruciate Ligament/ACL) sollen die anteroposteriore und rotatorische Stabilität des Kniegelenks wiederhergestellt und eine sichere Rückkehr in Sport und Alltag ermöglicht werden. Manche Operateure setzen zusätzlich auf die sog. Suture Tape Augmentation (SA) als internes Verstärkungskonzept, um das Transplantat, insbesondere bei Transplantaten mit kleinem Durchmesser, während der frühen Heilungsphase biomechanisch zu entlasten. Logischerweise gehen damit jedoch aufwendigere Techniken, zusätzliche Kosten sowie längere Operationszeiten einher. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob der Mehraufwand durch einen klinisch relevanten Zusatznutzen gerechtfertigt ist. Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse hat untersucht, ob die kombinierte Strategie klinisch messbare Vorteile gegenüber konventionellen Rekonstruktions- oder Reparaturverfahren ohne SA bietet (1).

Insgesamt schloss das chinesische Forscherteam die Daten von 1421 Patienten (833 Männer, 588 Frauen) aus 17 Studien mit Follow-up-Zeiten von mindestens zwei Jahren in die Analyse ein. Alle Probanden hatten sich einer operativen ACL-Rekonstruktion unterzogen, teilweise mit zusätzlicher SA; in den Kontrollgruppen war keine SA erfolgt.

In der Auswertung schien zunächst nichts gegen die kombinierte Operation zu sprechen, denn bei allen SA-Gruppen verbesserten sich mehrere patientenberichtete Outcomes (IKDC-Score, KOOS, VR-12/physische Komponente, Marx Activity Scale und Schmerzintensität) signifikant. Entscheidend ist jedoch der direkte Vergleich mit konventionellen Rekonstruktionsverfahren ohne Augmentation. Hier ergab sich für die meisten funktionellen Scores (darunter Lysholm, IKDC, VR-12, Marx Activity Scale und Tegner Activity Score) kein signifikanter Vorteil durch SA. Auch die Return-to-Sport-Rate (RtS-Rate) war vergleichbar. Ein signifikanter Vorteil der SA fand sich lediglich im SANE-Score sowie in einer geringfügig niedrigeren Schmerzintensität. Unerwartet präsentierte sich die Datenlage bei der instrumentellen Stabilitätsmessung mittels KT-1000: Hier schnitten die rein konventionell ohne SA behandelten Patienten hinsichtlich anterioposteriorer Laxität sogar signifikant besser ab. Komplikationen oder nachteilige Effekte der Kombi-OP tauchten nicht auf.

Fazit: Zusätzliche Suture Tape Augmentation führt bei ACL-Rekonstruktionen oder -reparaturen zwar nicht zu schlechteren Ergebnissen, doch ein konsistenter funktioneller Mehrwert gegenüber etablierten Standardverfahren blieb in der vorliegenden Studie aus. Weder das Aktivitätsniveau noch die Schmerzintensität oder die RtS-Rate profitierten signifikant, und in Bezug auf die objektiv gemessene Gelenkstabilität ist die konventionelle Technik sogar leicht überlegen. Da ein klarer klinischer Zusatznutzen fehlt, während der technische sowie finanzielle Aufwand mit SA definitiv höher ist, möchten die Studienautoren derzeit keine generelle Empfehlung für deren routinemäßige Anwendung aussprechen.

■ Kura L

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Quellen:

  1. Tang P, Cao Y, Zhu Y, et al. Suture tape augmentation in the management of anterior cruciate ligament ruptures: a systematic review and meta-analysis. J Orthop Traumatol. 2025; 26: 32. doi:10.1186/s10195-025-00845-y