Strategien zur Erkennung kardialer Schädigungen nach COVID-19

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Strategien zur Erkennung kardialer Schädigungen nach COVID-19
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COVID-19 macht auch vor (Spitzen-) Sportlerinnen und Sportlern nicht Halt. Wenngleich bei Menschen unter 40 Jahren und guter körperlicher Konstitution die Wahrscheinlichkeit für schwere Krankheitsverläufe gering ist und viele Infizierte keine oder kaum Symptome haben, zeigen immer mehr Daten, dass während einer akuten COVID-19-Infektion oder nach deren Abklingen kardiale Probleme wie myokardiale Inflammation entstehen oder zurückbleiben können. Um Sporttreibende möglichst gut vor solchen Komplikationen und deren Folgen (Arrhythmien, Plötzlicher Herztod und andere) zu schützen und ihnen eine sichere Rückkehr ins Training zu gewährleisten, fasst ein aktueller Review das derzeit empfohlene Vorgehen zusammen (3).

Bei jüngeren Menschen und Sportlern besteht vermehrt die Gefahr subklinisch verlaufender Schädigungen des Myokards. Daten zur Prävalenz sind bei dieser Gruppe jedoch noch nicht verfügbar. Aus diesem Grund werden die hier vorgestellten Screening-Parameter in Zukunft wahrscheinlich den jeweils aktuellen Daten angepasst werden müssen.

Vorgehen bei Verdacht auf kardiale Schädigungen durch COVID-19

Besonders im Fokus der Mediziner stehen diejenigen, bei denen die Infektion asymptomatisch oder mit sehr milden Symptomen verlief, denn diese spüren keinen Grund, dem Training fernzubleiben: Ein zu früher Beginn der körperlichen Belastung kann während der akuten Phase einer Herzmuskelentzündung den Krankheitsverlauf verlängern und schwere Arrhythmien auslösen. Die Autoren betonen jedoch auch, dass deutlich verstärkte Screening-Maßnahmen, beispielsweise durch bildgebende Verfahren, zur Entdeckung auch klinisch nicht relevanter Befunde führen werden, was in Verunsicherung oder falschen Schlussfolgerungen resultiert. Daher weisen sie darauf hin, dass Modifikationen, wie sie beispielsweise durch Sportherzadaptation entstehen, von pathologischen Effekten abgegrenzt werden müssen. Detaillierte Informationen darüber, wie man Sportherzanpassungen von pathologischen Veränderungen unterscheiden kann, finden sich in der Originalveröffentlichung (siehe Quellenangaben).

Folgende Untersuchungen dienen dem Screening von Athletinnen und Athleten bei Verdacht auf kardiale Komplikationen nach einer COVID-19-Infektion:

■ EKG: Das klassische EKG eignet sich, um Veränderungen anzuzeigen, die mit einem plötzlichen Herztod in Verbindung stehen. Die typischen Abnormalitäten, die bei Myokarditis oder Myoperikarditis auftreten, werden nicht zuverlässig erkannt. Es eignet sich als sinnvolle Ergänzung, besitzt aber als alleinige Untersuchung zu geringe Aussagekraft.

■ Troponin-Messung: Der Troponin-Wert (cTn) gibt Hinweise auf Schädigungen des Myokards. Noch besser ist die Bestimmung des high-sensitivity-cTN (hs-cTn). Die Troponin-Bestimmung kann in der Risikoeinschätzung helfen, wenn sie nach ein bis zwei Tagen Sportpause durchgeführt wird.

■ Transthorakale Echokardiografie (TTE): Die TTE ist das wichtigste bildgebende Verfahren nach einer COVID-19-Erkrankung. Es wird empfohlen, wenn während der akuten Krankheitsphase Symptome auftraten.

Bei Personen mit voraussichtlich sehr geringem Risiko ist der Return-to-Play auch ohne tiefergehende (und kostspielige) Untersuchungen unter Umständen vertretbar.

Auch in Deutschland sind Empfehlungen entwickelt worden, um die Gesundheit Sporttreibender möglichst gut zu schützen. Die Deutsche Eishockey-Liga beispielsweise hat zusammen mit Ärzten der Handball- und Basketball-Bundesliga ein Return-to-Play-Schema entwickelt (1). Die Handlungsempfehlungen richten sich nach Symptomatik und Schwere des Verlaufs. Besonders wichtig ist hier die wahrscheinliche Ausfalldauer: Sie reicht von 17 bis 21 Tagen bei Symptomfreiheit bis zu einem halben Jahr nach schwereren Verläufen.

Schon im Mai 2020 wurde in der DZSM ein umfassendes Positionspapier »Return to Sport während der aktuellen Coronavirus- Pandemie (SARS-CoV-2/COVID-19)« mit detaillierten Anweisungen veröffentlicht (2).

CoSmo-S – Eine multizentrische Kohortenstudie für Sportlerinnen und Sportler nach durchgemachter SARS-CoV-2-Infektion

Aktuell wird an der Sektion Sportmedizin der Universität Ulm eine Studie an Post-COVID-Patienten durchgeführt, die eine Präzisierung der Empfehlungen zum sportlichen Wiedereinstieg nach durchgemachter SARS-CoV-2-Infektion zum Ziel hat. Wer betroffen ist und an der Studie teilnehmen möchte, kann sich anmelden unter: https://www.uniklinik-ulm.de/innere-medizin-ii/sonstige/sektion-sport-und-rehabilitationsmedizin/sportmedizinische-untersuchungsstelle-high-performance-center/cosmo-s-studie-2020-2021.html

■ Hutterer C

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Quellen:

  1. Deutsche Eishockey-Liga. DEL lässt konsentierte Version eines Algorithmus nach COVID-19-Erkrankung erstellen. Veröffentlicht: 25. Nov. 2020 [zuletzt aufgerufen: 26.01.2021]

  2. Nieß AM, Bloch W, Friedmann-Bette B, Grim C, Halle M, Hirschmüller A, Kopp C, Meyer T, Niebauer J, Reinsberger C,Röcker K, Scharhag J, Scherr J, Schneider C, Steinacker JM, Urhausen A, Wolfarth B, Mayer F. Position stand: return to sport in the current Coronavirus pandemic (SARS-CoV-2/COVID-19). Dtsch Z Sportmed. 2020; 71: E1-E4. doi:10.5960/dzsm.2020.437

  3. Phelan D, Kim JH, Elliott MD, et al. Screening of Potential Cardiac Involvement in Competitive Athletes Recovering From COVID-19: An Expert Consensus Statement. JACC Cardiovasc Imaging. 2020; 13: 2635-2652. doi:10.1016/j.jcmg.2020.10.005