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Fortsetzung Schwimmer & Werfer: Schulterprobleme bei Überkopf-Sportarten

Die Werferschulter – same same, but different

Auch in anderen Überkopfsportarten bekommen die Athleten Probleme, beispielsweise Werfer, egal ob in der Leichtathletik, in Ballsportarten wie Handball oder beim Tennis. Prof. Dr. Sven Reuter, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie Physiotherapeut, betreut als Mannschaftsarzt das deutsche Leichtathletik-Mehrkampfteam: »Für die Beurteilung der Problematik beim Werfer ist die Eingangsanalyse entscheidend, denn das Problem kann verschiedene Ursachen haben.

Wir müssen genau wissen, welche Bewegung oder Position schmerzhaft ist und in welcher Phase der Wurfbewegung die Beschwerden auftreten. Dann können wir anhand eines 5-Punkte-Checks (3) die Ursache eingrenzen.« Die fünf Punkte, die schrittweise betrachtet werden, sind Scapula, Bizepssehne, Rotatorenmanschette, Gelenkkapsel und Gelenkstabilität. »Einem Sportler mit Scapuladyskinesie wird ein Scapula-fokussiertes Trainingsprogramm helfen. Bei der Bizepssehne und der Rotatorenmanschette liegt meist ein koordinatives Problem zugrunde und das Zusammenspiel der Rotatorenmanschette sollte optimiert werden. Auch die Gelenkstabilität hängt damit zusammen. Ist die Gelenkkapsel der Auslöser, müssen die knöchernen Strukturen sowie die Biomechanik genauer beleuchtet werden«, erklärt Prof. Reuter.

Gute Prognose bei Schulterproblemen

Grundsätzlich ist die Werferschulter eine Verletzung, die man gut in den Griff bekommt, wenn in der Anamnese die genaue Ursache eruiert wurde und ein für diesen Patienten spezifisches, progressives Trainingsprogramm zusammengestellt wurde. Sowohl die entsprechenden Übungen als auch die Intensität der Belastung muss individuell angepasst werden. Dabei wird bewusst darauf verzichtet, den betroffenen Sportler dauerhaft pausieren zu lassen, vor allem dann, wenn die Beschwerden nicht hochakut sind, sondern bereits seit Längerem bestehen. Zu groß ist die Gefahr, dass die Probleme bei der Rückkehr ins intensive Training durch die mit einer Ruhigstellung verbundene Dekonditionierung der Schulterstrukturen sofort wieder auftreten. »Wir versuchen, den Athleten möglichst ohne Formverlust optimal weitertrainieren zu lassen und die Trainingsbelastung so wenig wie möglich zu beeinflussen. Wir prüfen dazu genau in enger Zusammenarbeit mit dem Trainerteam, welche Bewegungen machbar sind und wo vorübergehend modifiziert werden muss. Bei der klassischen Sportlerschulter muss ein Sportler eigentlich nicht aussetzen«, erläutert Prof. Reuter. Insgesamt ist es heutzutage eine Strategie, die Athleten möglichst konstant auf hohem Niveau trainieren zu lassen, damit Belastungsspitzen, zum Beispiel durch Wettkämpfe oder spezielle Trainingsformen, effektiver kompensiert werden können. (Weiter im Text auf der nächsten Seite)

Prof. Dr. Sven Reuter, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie Physiotherapeut, Mannschaftsarzt des deutschen Leichtathletik- Mehrkampfteams
Prof. Dr. Sven Reuter, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie Physiotherapeut, Mannschaftsarzt des deutschen Leichtathletik- Mehrkampfteams © Reuter