Rapide Gewichtsreduktion im Sport – kritisch beleuchtet

Rapide Gewichtsreduktion im Sport – kritisch beleuchtet
Symbolfoto (KI-generiert)

In gewichtssensitiven Sportarten, wie z.B. beim Kampfsport, versuchen Athleten oft, vor Wettkämpfen noch schnell an Körpermasse zu verlieren, um sich in einer niedrigeren Gewichtsklasse einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Hierfür wird häufig der Begriff „Rapid Weight Loss“ (RWL) bzw. „Rapide Gewichtsreduktion“ verwendet. Ein internationales Positionspapier kritisiert diese Namensgebung nun als allzu willkürlich, schlägt eine grundlegende Neubewertung des Phänomens vor und will für die Negativfolgen eines zu schnellen oder starken Gewichtsverlusts (Weight Loss/WL) auf Leistung und Gesundheit sensibilisieren (1).

Als RWL gilt bislang zumeist ein Abbau von 5 Prozent des Ausgangsgewichts innerhalb von sieben Tagen. Diese Festlegung sei jedoch laut den Autoren willkürlich und entbehre einer physiologischen Rechtfertigung. Das Hauptargument: Starre Cut-off-Werte würden zu klinisch absurden Abgrenzungen gegenüber sogenanntem graduellem WL führen. Körpermasseverluste von 4,9 Prozent innerhalb von sieben (oder aber 5 Prozent innerhalb von acht Tagen) würden so formal nicht als rapide Gewichtsreduktion gelten, obwohl die physiologische und psychische Belastung nahezu identisch mit der eines Athleten ist, der ganze 5 Prozent verliert. Zudem vernachlässige die aktuelle Definition die WL-Rate: Ein Sportler könne über sechs Tage hinweg nur moderat Gewicht verlieren und am letzten Tag nochmals weitere 3,8 Prozent, z. B. durch extreme Dehydration, während eine andere Person konstant täglich 0,7 Prozent Körpermasse abbaut. Beide fallen unter die aktuelle 5-Prozent-Regel, doch die gesundheitlichen Risiken würden sich massiv unterscheiden.

So kann ein moderater, jedoch durch extrem niedrige Kalorienaufnahme sehr schneller WL das kardiovaskuläre System oder die Niere belasten, verschiedene Leistungsparameter erheblich beeinträchtigen oder zu Symptomen eines relativen sportbedingten Energiedefizits (RED-S) führen. Unproblematischer sind längere Phasen moderat reduzierter Kalorienaufnahme, die auf dasselbe Endgewicht abzielen. Doch der Zeitfaktor ist nicht alles: Auch ein sehr hoher kumulativer Gewichtsverlust bei langsamer Rate kann ggf. kritisch sein – selbst wenn er innerhalb einer längeren Zeitspanne stattfindet. Athleten, die sich zu naiv an der bisher geltenden Terminologie orientieren, könnten so z. B. kleine, aber extrem rapide Gewichtsverluste als harmlos einstufen, obwohl auch dabei je nach verwendeter Abnehmmethode durchaus ein Risiko von Hypohydratation, Leistungseinbußen und erhöhter Verletzungsgefahr bestehe.

Deshalb schlagen die Autoren eine klare Differenzierung in die Dimensionen Rate (langsam/moderat/schnell) und Magnitude (niedrig/moderat/hoch) vor. Daneben sehen sie eine Orientierung der täglichen WL-Rate an der individuellen Trainingsintensitätsverteilung als essenziell an. Nur so können Athleten und sportliche Betreuer realistisch einschätzen, wie viel Gewichtsverlust innerhalb welcher Zeit gesundheitlich vertretbar ist. Bis dieser Paradigmenwechsel mit wissenschaftlichem Konsens vollzogen ist, so die Forscher, solle man am besten den neutralen Begriff „Gewichtsverlust“ verwenden.

■ Kura L

Quellen:

  1. Zhong Y, Tang W, Weldon A, Gough LA, Gee TI, et al. Reevaluating the definition of rapid weight loss in sports: a call for change. J Int Soc Sports Nutr. 2025; 22: 2550312. doi:10.1080/15502783.2025.2550312