Kompartmentsyndrom: Schnelle Behandlung wichtig

Kompartmentsyndrom: Schnelle Behandlung wichtig
Operativ versorgtes Kompartmentsyndrom © creative commons

Das Kompartmentsyndrom (KS), definiert als Anstieg des Gewebedruckes in osteofaszialen oder faszialen Kompartimenten, stellt im akuten Fall eine Notsituation dar und muss sofort chirurgisch behandelt werden, um langfristige Schäden der Nerven oder Gefäße durch die verminderte Durchblutung zu verhindern. Am verbreitetsten ist das KS nach Traumata wie Frakturen des Unterschenkels. Mit einer Häufigkeit von 7 bis 17 Prozent ist es bei diesen Verletzungen nach der posttraumatischen Thrombose die zweithäufigste Komplikation. Von Bedeutung ist das KS vor allem deswegen, weil funktionelle Defizite der Extremitäten nach adäquater und erfolgreicher Behandlung von Knochenbrüchen zu einem erheblichen Teil auf einem übersehenen oder unbehandelten KS beruhen.

Das funktionelle Kompartmentsyndrom

Die Symptomatik kann jedoch auch bei muskulärer Überlastung auftreten, z. B. nach einem Marathon. Dann spricht man von einem funktionellen KS, das in einer akuten oder chronischen Form auftreten kann. Ersteres tritt während oder unmittelbar nach der Belastung auf und kann zu ausgedehnten Muskelnekrosen führen. Letzteres entsteht durch Schwellung der Muskulatur aufgrund der sportlichen Betätigung und ist wesentlich häufiger.

Die häufigsten Kennzeichen sind

• Lokalisation im Tibialis anterior und im tiefen Flexoren-Kompartment

• Zunahme der Beschwerden unter Belastung

• Druckerhöhung im Muskel mit Durchblutungsstörung

• Verhärtung, Wadenschmerz, verminderte Empfindung im Vorfuß, evtl. Schwellung

• Abbruch der sportlichen Aktivität

• beim chronischen funktionellen KS: Beschwerdefreiheit im Alltag

Diagnostik und Therapie

Die Diagnostik umfasst die Anamnese und klinische Untersuchung, bildgebende Verfahren und die Kompartmentdruckmessung (Goldstandard). Bei einem akuten (funktionellen) KS ist eine Operation bei entsprechend hohem Druck unumgänglich. Beim chronischen funktionellen KS kann auch eine konservative Therapie zum Erfolg führen. Leider sind die Befunde nicht immer eindeutig, so dass auch unterhalb der Grenzwerte eine Operation sinnvoll sein kann. Differenzialdiagnostisch können eine Stressfraktur, Knochenhautreizung, Tendinitis tibialis posterior, popliteale Gefäßeinschnürung, Ischialgie und ein Morton-Neurom von Bedeutung sein.

Bei der operativen Behandlung wird die Faszie eröffnet, wodurch der Druck im betroffenen Kompartment schnell nachlässt. Eine Untersuchung an Sportlern zeigte, dass 84,6 Prozent innerhalb von durchschnittlich 10,6 Wochen nach der Fasziotomie wieder das Leistungsniveau vor der Operation erreichten. Damit scheint diese Methode effektiv zu sein, um Athleten die Rückkehr in den Sport zu ermöglichen. Die konservative Behandlung erfolgt durch Reduktion der sportlichen Aktivität, Physiotherapie, Kryotherapie, Ultraschall und eine medikamentöse Therapie mit Antiphlogistika und Diuretika.

■ Hutterer C

Quellen:

  1. Irion V, Magnussen RA, Miller TL, Kaeding CC. Return to activity following fasciotomy for chronic exertional compartment syndrome. Eur J Orthop Surg Traumatol. 2014; 7: 1223–8. doi:10.1007/s00590-014-1433-0