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Fortsetzung Fitness meets Science – von der Zanderei bis zur Fitnesswissenschaft

Die Ubiquität des Unseriösen

Ein Problem hat die Fitnessbranche allerdings bis heute: Die Ubiquität des Unseriösen! Leider gibt es in der Fitnessbranche kaum Regelungen oder staatliche Vorgaben, die festlegen, wer überhaupt Fitness anbieten darf. Im Prinzip darf ein jeder ein Fitnessstudio eröffnen oder als Trainer arbeiten, ohne auch nur irgendeinen Nachweis für seine Qualifikation zu erbringen. Lediglich im Bereich des Präventionsgesetzes §20 gibt es Vorgaben, die zu erfüllen sind, wenn man als Trainer seine Kurse vor den Kostenträgern als abrechnungsfähig darstellen will. Daher scheint es an der Zeit, hier aus politischer Sicht einzugreifen und gewisse Regeln und Vorgaben zu entwerfen. Der sogenannte 2. Gesundheitsmarkt kann und darf nicht unkontrolliert bleiben, wenn es letztlich um die Gesunderhaltung der Bevölkerung geht. An dieser Stelle sei gesagt, dass sich erste Treffen mit der Bundesregierung als durchaus vielversprechend gezeigt haben.

Eine weitere Schwachstelle der Fitnessbranche ist die bis vor kurzem noch stark mangelhafte Evidenzbasierung etlicher Trainingsmethoden. Die Behauptungen, diese oder jene Trainingsmethode zöge entsprechende Adaptationen (Muskelaufbau, Fettreduktion, etc.) nach sich, beruhten häufig auf eigenen Erfahrungen oder „Hörensagen“. Die Sportwissenschaft hat dieses Problem allerdings erkannt und seit einigen Jahren gibt es mehr und mehr Studien, die sich zum Ziel gemacht haben, die Effektivität unterschiedlicher Trainingsmethoden zu untersuchen.

Aus diesem Grund wurde im Jahr 2018 der erste Fitnesswissenschaftskongress ins Leben gerufen, zu dem führende Sportmediziner und Sportwissenschaftler eingeladen wurden. Nach diesem sehr erfolgreichen Austausch von „Fitnesswissen“, wird am 28.-29.02.2020 der zweite Fitnesswissenschaftskongress in Düsseldorf stattfinden, dessen Abstracts in dieser Ausgabe der Deutschen Zeitschrift für Sportmedizin veröffentlicht werden.

Der Begriff Fitnesswissenschaft ist als solcher in Deutschland noch nicht weiter beschrieben. Eine erste Definition des Begriffes lautet wie folgt: „Die Fitnesswissenschaft ist eine interdisziplinäre Wissenschaft, die sich als Subkategorie der Sportwissenschaft versteht. Sie umfasst die allgemeinen Bereiche Fitness, Bewegung, Ernährung, Athletik und Gesundheit. Die Fitnesswissenschaft besteht aus verschiedenen Teildisziplinen der Sportwissenschaft. Dazu zählen die Bewegungswissenschaft, die Sporttherapie und die Trainingswissenschaft.“ (Weiter im Text auf der nächsten Seite)

Prof. Dr. Stephan Geisler
Prof. Dr. Stephan Geisler, Kongresspräsident 2. Fitnesswissenschaftskongress, Düsseldorf © Geisler