Einfluss körperlicher Aktivität auf die Expression von Hitzeschockprotein 70 (HSP70) in alternden Populationen
Zusammenfassung eines wissenschaftlichen Beitrags (Review) aus der Deutschen Zeitschrift für Sportmedizin (DZSM) mit Link zum englischsprachigen Originalartikel und Downloadmöglichkeit als PDF.
Zielsetzung
Heat Shock Protein 70 (HSP70) ist ein hochkonserviertes molekulares Chaperon, das eine zentrale Rolle in der Proteostase, der Regulation inflammatorischer Prozesse sowie in der Antwort auf oxidativen Stress spielt. Mit zunehmendem Alter ist eine reduzierte Induzierbarkeit von HSP70 beschrieben, was die zelluläre Stressresistenz beeinträchtigen kann. Körperliche Aktivität gilt als zentrale nicht-pharmakologische Intervention zur Abschwächung altersassoziierter funktioneller Einbußen; die spezifischen Effekte von Training auf HSP70-Signalwege bei älteren Menschen sind jedoch bislang nicht ausreichend charakterisiert. Ziel dieser Übersichtsarbeit war es, die Evidenz zu den Auswirkungen von körperlicher Aktivität auf HSP70 sowie assoziierte inflammatorische und oxidative Signalwege im Alter systematisch zusammenzufassen.
Methoden
Die systematische Literaturrecherche erfolgte gemäß PRISMA-2020-Standard in den Datenbanken PubMed, Scopus, ScienceDirect und SPORTDiscus und umfasste den Zeitraum von 2012 bis Mai 2025. Eingeschlossen wurden peer-reviewte Humanstudien mit Teilnehmern ≥60 Jahren, strukturierten Trainingsinterventionen sowie mindestens einem HSP70-bezogenen Outcome. Insgesamt erfüllten 13 Studien die Einschlusskriterien, darunter 11 randomisierte kontrollierte Studien sowie 2 quasi-experimentelle Designs. Die Trainingsinterventionen umfassten überwiegend Krafttraining, Ganzkörpervibrationstraining sowie kombinierte Ausdauer- und Kraftprogramme mit einer Dauer von 8 bis 24 Wochen; einzelne Studien untersuchten akute Belastungsprotokolle.
Ergebnisse
In der Mehrzahl der Studien führte körperliches Training zu einer Erhöhung intrazellulärer HSP70-Spiegel oder einer verstärkten Hitzeschockantwort in Immunzellen und Muskelgewebe. Gleichzeitig zeigte sich in mehreren Arbeiten eine Reduktion erhöht zirkulierender extrazellulärer HSP70-Konzentrationen, insbesondere solcher Formen, die als Toll-like-Rezeptor-Liganden wirken können. Diese Veränderungen waren häufig mit einer Downregulation des TLR/MyD88/NF-κB-Signalwegs sowie mit einer Verschiebung hin zu einem antiinflammatorischen und antioxidativen Profil assoziiert. Besonders ausgeprägt waren diese Effekte bei älteren Personen mit metabolischem Syndrom, Typ-2-Diabetes oder postoperativer Immobilisation. Allerdings berichteten einzelne Studien keine signifikanten Effekte, was auf eine hohe Heterogenität in Bezug auf Trainingsmodalität, Gewebeantwort und Gesundheitsstatus hinweist.
Schlussfolgerung
Die vorliegende Evidenz legt nahe, dass körperliches Training – insbesondere Kraft- und kombinierte Trainingsformen – HSP70-vermittelte Stress- und Entzündungswege bei älteren Erwachsenen günstig modulieren kann. Aufgrund kleiner Stichproben, heterogener Interventionen und variabler Outcome-Parameter ist die Evidenzlage jedoch als niedrig bis moderat einzustufen. Zukünftige kontrollierte Studien mit standardisierten Protokollen sind erforderlich, um die Rolle von HSP70 als potenziellen Biomarker trainingsinduzierter Adaptationen im Alter weiter zu klären.
■ Jafari Harandi A #, Tartibian B #, Eslami R , Tayebi SM, Hajizadeh Maleki B, Anvarimanshadi A, Safikhani E, Sabour D, Rafizadeh N, #shared corresponding authorship