Belastungshypertonie: Welche Diagnosemethode? 

Belastungshypertonie: Welche Diagnosemethode? 
© Andrii / Adobe Stock

Manche ansonsten normotonen Sportler entwickeln bei körperlicher Anstrengung unter Testbedingungen Bluthochdruck. Die Diagnostik dieser belastungsassoziierten Hypertonie (Exaggerated blood pressure response/EBPR) ist Thema der drei Leitlinien AHA, ESC und ACSM. Eine aktuelle deutsche Studie hat nun neben der Prävalenz von Belastungshypertonie unter Sportlern auch die einzelnen Leitlinien unter die Lupe genommen (1). Sie unterscheiden sich sowohl in den jeweils definierten Spitzenwerten als auch in der Unterteilung der RR-Schwellenwerte nach Geschlechtern:

Leitlinie
EBPR-Schwellenwert systolischer Blutdruck
(mmHg)
EBPR-Schwellenwert diastolischer Blutdruck
(mmHg)
AHA (Mann)
210
90
AHA (Frau)
190
90
ESC (Mann)
220
85
ESC (Frau)
200
80
ACSM (Mann + Frau)
225
90
Tab. 1: EBPR-Schwellenwerte für den Blutdruck in den einzelnen Leitlinien

Das Forscherteam untersuchte in einer anonymisierten retrospektiven Analyse die Daten von 1137 aktiven, durchschnittlich 21 Jahre alten Leistungsathleten (davon 34,7 Prozent Frauen) ohne arterielle Hypertonie-Vorbelastung, die sich in der sportmedizinischen Abteilung des Universitätsklinikums Heidelberg zum Screening vor einem Wettkampf vorgestellt hatten. Die Belastungstests fanden gemäß der jeweils geltenden Richtlinie statt, an deren Ende jeweils ein EKG und Blutdruckmessungen durchgeführt wurden. Die Tests wurden abgebrochen, wenn Probanden ihre Maximalkapazität erreicht hatten oder die vorgeschriebenen Schwellenwerte überschritten wurden.

Die Prävalenz von Belastungshypertonie war nach der europäischen ESC-Leitlinie mit 19,6 Prozent am höchsten. Wurden die amerikanischen AHA-Richtwerte zur Diagnostik herangezogen, galten 15 Prozent der Probanden als belastungshyperton. Die ACSM-Leitlinie diagnostizierte mit 6,8 Prozent die wenigsten der untersuchten Athleten als EBPR-Patienten. Höheres Alter, Nikotinabusus und Adipositas wurden allgemein als Verstärker identifiziert, wobei diese Faktoren in allen Gruppen nur gering vertreten waren.

Eine linksventrikuläre Hypertrophie (LVH) wurde bei 20,5 Prozent der Sportler schon vor dem Belastungstest diagnostiziert und war in der Gruppe der Belastungshypertoniker etwa doppelt so häufig wie unter den normotonischen Probanden. Ein Zusammenhang zwischen Belastungshypertonie und LVH konnte mit den Richtwerten der AHA- und ACSM-Vorgaben gezeigt werden, nicht jedoch mit denen der ESC. Eine weitere Unterteilung in ausschließlich erwachsene Probanden bestätigte diesen Zusammenhang ausschließlich unter Anwendung der AHA-Richtwerte und mit der BP/MET-Slope-Methode.

In der sportlichen Praxis wie auch in der Literatur werden bisweilen weit höhere Belastungsdrücke konstatiert als in den drei hier besprochenen Richtlinien. Folgerichtig stellt sich die Frage, ob diese für den Leistungssport überhaupt aussagekräftig sind. Dennoch könnte eine diagnostizierte Belastungshypertonie, besonders wenn sie mit einem verlängerten und verlangsamten Blutdruckabfall nach dem Belastungstest einhergeht, auf eine verdeckte arterielle Hypertonie hinweisen und für ein potenziell erhöhtes kardiovaskuläres Risiko sensibilisieren.

■ Kura L

Quellen:

  1. Keller K, Hartung K, Del Castillo Carillo L, Treiber J, Stock F, Schröder C, Hugenschmidt F, Friedmann-Bette B. Exercise Hypertension in Athletes. J Clin Med. 2022; 11: 4870. doi:10.3390/jcm11164870