Atemmuskeltraining zur Performance-Steigerung?

Atemmuskeltraining zur Performance-Steigerung?
© Peakstock / Adobe Stock

Sportliche Leistung hängt unter anderem von einer optimalen Atmung ab. Da liegt die Annahme nahe, dass im speziellen Training der beteiligten Atemmuskulatur noch weiteres leistungssteigerndes Potenzial schlummert. Indische Forscher haben nun im Rahmen einer narrativen Übersichtsarbeit untersucht, inwieweit gezieltes Atemmuskeltraining (Respiratory Muscle Training/RMT) die Performance von Athleten verbessern kann (2). In ihre Analyse flossen Daten aus zehn Studien ein, die sich mit den Auswirkungen verschiedener RMT-Interventionen auf Lungenfunktion, Atemmuskelkraft und sportliche Leistungsmaße wie VO2max und Zeit bis zur Erschöpfung befassten. Die ausgewerteten Studien hatten entweder ein gemischtes Trainingsprotokoll (RMT) oder jeweils nur inspiratorische (IMT) bzw. exspiratorische (EMT) Übungsregimes über Zeiträume von vier bis zwölf Wochen angewendet. Trainiert wurde progressiv, zumeist mit speziellen Threshold- oder Strömungswiderstands-Geräten zur Stärkung von Zwerchfell und akzessorischen Atemmuskeln. Teilweise kamen noch funktionelle oder sportartspezifische Atemübungen hinzu.

Mit Bezug auf frühere Forschungen (1) gingen die Autoren von der Annahme aus, dass Atemmuskeltraining die sportliche Leistung und Ausdauer durch die Aktivierung des sogenannten Metabolreflexmechanismus verbessert. Dieser physiologische Prozess sorgt z. B. dafür, dass während intensiver physischer Aktivität durch Vasodilatation in aktiven Muskelgruppen bei gleichzeitiger Vasokonstriktion in weniger aktiven Bereichen mehr Blut zu den arbeitenden Muskeln geleitet wird, um diese gezielt mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen.

Bei hochtrainierten Ausdauerathleten verbraucht die Atemmuskulatur (Zwerchfell, Brustkorb- und Bauchmuskeln) während Übungen mit VO2max 15 bis 20 Prozent des Gesamtsauerstoffs und -blutflusses, bei untrainierten Personen hingegen nur 8 bis 10 Prozent. Der Grund hierfür liegt u. a. darin, dass bei Untrainierten gar nicht erst ein so hohes Anstrengungslevel erreicht wird, um die Atemmuskulatur entsprechend zu aktivieren. Gezieltes Atemmuskeltraining kann dem entgegenwirken, indem es die Belastbarkeit der Atemmuskulatur insgesamt verbessert und so die negativen systemischen Folgen der trainingsinduzierten Ermüdung abschwächt.

Die in dem Review untersuchten Studien bestätigten über weite Strecken den positiven Einfluss von RMT auf folgende Parameter:

Verbesserung der Atemmuskulatur: Zuwachs an Kraft und Ausdauer der Atemmuskeln (insbesondere von Zwerchfell und interkostalen Muskeln), Erhöhung der maximalen inspiratorischen Druckkraft (PImax)

Steigerung der Lungenfunktion: verbesserte pulmonale Funktionsparameter (forcierte Vitalkapazität/FVC, forciertes exspiratorisches Volumen in der ersten Sekunde/FEV1, peak expiratory flow/PEF), optimierte Sauerstoffaufnahme

Steigerung der sportlichen Leistungsfähigkeit: bessere Ausdauerleistung durch längere Zeit bis zur Erschöpfung/TTE und höhere VO2max, bessere Sprintwiederholungsfähigkeit/RSA

Spätere Ermüdung: reduzierte Inspirationsmuskelermüdung bei intensiven Belastungen, geringere subjektiv empfundene Dyspnoe

Verbesserte posturale Kontrolle: Stärkung der Rumpfmuskulatur, Optimierung propriozeptiver Fähigkeiten

Gute Integrierbarkeit in bestehende Trainingspläne: Flexible Gestaltung des RMT zur nahtlosen Einpassung in laufende Trainingsregimes, Kombination mit anderen Trainingsformen wie z. B. Kraft- und Ausdauertraining

Gezieltes Training der Atemmuskulatur verbessert also nicht nur die Lungenfunktion, sondern kann auch die Ausdauer, Sprintleistung, Körperhaltung und Belastungstoleranz fördern. Besonders in Ausdauer- und Teamsportarten wie Rudern oder Fußball zeigt sich RMT als wirksames Zusatzinstrument zur Leistungssteigerung. Insgesamt profitieren allerdings vor allem weniger Leistungsfähige, während bei Hochtrainierten die Muskulatur durch die Atemarbeit selbst ausreichend trainiert ist. Ein weiteres Training bringt da nur im Einzelfall etwas.

■ Kura L

Ähnliche Beiträge zum Thema finden Sie weiter unten!

Quellen:

  1. Kowalski T, Granda D, Klusiewicz A. Practical Application of Respiratory Muscle Training in Endurance Sports. Strength and Conditioning Journal. 2024; 46: 686-695. doi:10.1519/SSC.0000000000000842

  2. Subramanian T, Goyal M. Respiratory Muscle Strength Training for Athletes: A Narrative Review. J Clin Diagn Res. 2025; 19: YE01-YE04. doi:10.7860/JCDR/2025/76089.20433