Karpaltunnelsyndrom: Nächtliche Handgelenksschiene ohne langfristigen Nutzen

Karpaltunnelsyndrom: Nächtliche Handgelenksschiene ohne langfristigen Nutzen
© Maryna / Adobe Stock

Die deutsche S3-Leitlinie sieht beim Karpaltunnelsyndrom (KTS) als Erstlinientherapie die nächtliche Ruhigstellung des Handgelenks für sechs Wochen vor. Als anatomische Begründung ziehen Experten die Annahme heran, dass jede Flexion und Extension des Handgelenks den Druck im Karpaltunnel erhöht und eine Schiene in Neutralstellung die Kompression des dort verlaufenden N. medianus reduziert. Weil die Evidenz für diese Behandlung jedoch schwach ist und rigide Schienung viele Alltagsfunktionen einschränkt, hat eine schwedische randomisiert-kontrollierte Parallelgruppenstudie untersucht, ob sie abwartendem Verhalten tatsächlich überlegen ist (1).

An der Studie nahmen 142 Personen im Alter zwischen 25 und 65 Jahren mit seit mindestens einem Monat bestehendem primärem idiopathischem KTS teil (90 Frauen, 52 Männer; medianes Alter rund 46 Jahre). 70 von ihnen trugen über einen Zeitraum von sechs Wochen nachts eine starre Handgelenks-Orthese, die das Gelenk in Neutralstellung fixierte. Die 72 Patienten aus der Placebogruppe trugen nachts stattdessen einen weichen Neopren-Verband, der dem Gelenk volle Beweglichkeit erlaubte.

Nach Möglichkeit sollten Schiene bzw. Bandage auch tagsüber getragen werden. Bei weiterhin bestehenden Beschwerden konnte die Behandlung um vier Wochen verlängert werden. Persistierten die Symptome darüber hinaus, kam eine operative Karpaltunneldekompression infrage. Primäre Endpunkte waren die Veränderung des von 1 bis 5 reichenden KTS-Symptom-Scores nach 12 Wochen und die Entscheidung für einen operativen Karpaltunnel-Release nach einem Jahr. Sekundäre Endpunkte waren die Symptomveränderung zur Behandlungs-„Halbzeit“ nach 6 Wochen, die Patientenzufriedenheit sowie Veränderungen bei einem Set weiterer relevanter Scores und Indizes in den Wochen 12 respektive 52.

Spannenderweise war die Besserung der Beschwerden in beiden Gruppen ähnlich und der Unterschied laut KTS-Score nicht signifikant: mit Schiene um 0,36 Punkte, mit Bandage um 0,28 Punkte. Lediglich nach sechs Wochen zeigte sich ein kleiner Vorteil zugunsten der rigiden Schiene, der jedoch nach zwölf Wochen wieder verschwunden war. Auch nach einem Jahr unterschieden sich die Gruppen hinsichtlich der Symptomatik nicht wesentlich; die Ergebnisse für QuickDASH, Lebensqualität, Patientenzufriedenheit, palmare Schmerzen und Griffkraft waren annähernd gleich. Auch die Häufigkeit einer späteren Operation unterschied sich nicht signifikant: Innerhalb eines Jahres erhielten 57 Prozent der Teilnehmenden aus der Schienengruppe und 51 Prozent aus der Kontrollgruppe ein operatives Karpaltunnel-Release.

Fazit: Die Ergebnisse stellen den längerfristigen Nutzen der rigiden Handgelenksruhigstellung gegenüber einer bewegungserhaltenden weichen Bandage bei idiopathischem Karpaltunnelsyndrom infrage. Die Ergebnisse relativieren damit den Stellenwert der Schienenbehandlung als konservative Standardmaßnahme.

■ Kura L

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Quellen:

  1. Atroshi I, Nordenskjöld J, Möllestam K. Wrist Splinting versus a Placebo Soft Bandage for Carpal Tunnel Syndrome. NEJM Evid. 2026; 5. doi: 10.1056/EVIDoa2500261.