Höheres Frakturrisiko durch Medikamenten-Mix?

Höheres Frakturrisiko durch Medikamenten-Mix?
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Dass sich manche pharmazeutischen Wirkstoffgruppen frakturbegünstigend auswirken können, ist bekannt. So bezeichnet man u. a. verschiedene Opioide, Protonenpumpenhemmer, Sedativa oder Serotonin-Wiederaufnahmehemmer als sogenannte FAD (fracture-associated drugs). Viele davon sind Standard-Therapeutika und werden nicht selten in Kombination miteinander eingenommen. Hierin liegt ein schwer einzuschätzendes Risiko, denn je nach Wirkmechanismus kann es z. B. auf verschiedenen Wegen zu einer Schwächung der Knochenstruktur, einer Erhöhung der Fallneigung oder beidem gleichzeitig kommen. Eine US-amerikanische Studie hat sich deshalb jetzt des Themas »Medikamenten-Mix und Frakturrisiken« angenommen (1). Die Mediziner berichten von mindestens 21 Medikamentengruppen, die das Risiko für Knochenbrüche erhöhen. Für ihre Studie werteten sie die Daten von über 2,6 Millionen Patienten (Durchschnittsalter: 77,2 Jahre) in nationalen Gesundheitsdatenbanken aus – ein Äquivalent von mehr als 2,6 Millionen Personenjahren (PY). Rund 25 Prozent der Patienten bekamen mindestens ein FAD verordnet, 12 Prozent zwei und 9 Prozent drei oder mehr. Der Fokus lag auf Hüft­frakturen.

Exponentieller Anstieg des Frakturrisikos

Eigentlich wäre es logisch, dass frakturbegünstigende Auswirkungen mit steigender Anzahl eingenommener FAD linear zunehmen. Leider zeichnen die Ergebnisse der Studie jedoch ein weit alarmierenderes Bild: Ein einzelnes FAD verdoppelt erwartungsgemäß das Risiko, während zwei FAD es annähernd verdreifachen. Drei oder mehr FAD bedeuten dann bereits ein vier­einhalbmal so hohes Risiko. Bei Männern liegt die grundsätzliche Frakturrate zwar etwas niedriger, jedoch ist ihre Risikosteigerungsrate noch höher als bei Frauen. In der Einzelverschreibung fielen für Frauen besonders Opioide mit einem Risikoquotienten (HR) von 3,26 sowie Parkinson-Therapeutika mit einer HR von 3,26 auf. Bei Männern schlagen Opioide allein mit einer HR von 3,83 und Parkin­son-Therapeutika mit einer HR von 4,23 zu Buche.

Die fatalsten Kombinationen

Als Mix mit den größten Risiko-Steigerungsraten fielen nach bevölkerungs­relevanter Glättung der Ergebnisse aus­gerechnet sehr häufig verordnete Medikamente auf.

Für Frauen kann demnach die gleichzeitige Einnahme folgender Präparate riskant sein (in absteigender Reihenfolge):
• Opioide + Sedativa
• SSRI + Benzodiazepine
• Opioide + Schleifendiuretika
• Opioide + Protonenpumpenhemmer (PPI)
• Opioide + Serotonin-Wiederaufnahme­hemmer (SSRI)
• Schleifendiuretika + Nitrat
• SSRI + Schleifendiuretika

Für Männer geht die größte Gefahr von folgenden Kombinationen aus (in absteigender Reihenfolge):
• Opioide + Schleifendiuretika
• Opioide + SSRI
• Opioide + PPI
• Schleifendiuretika + Thiazide
• SSRI + PPI
• Schleifendiuretika + SSRI
• SSRI + Antipsychotika 2. Generation
• Schleifendiuretika + Nitrat
• Schleifendiuretika + PPI

Fazit: Polymedikation sollte, besonders bei älteren Patientinnen und Patienten, auch im Hinblick auf das Risiko von Fragilitätsbrüchen mit größtem Augenmaß erfolgen – gerade wenn Medikamente im Spiel sind, die z. B. durch Lebensstil-Anpassungen vermeidbar wären.

■ Kura L

Quellen:

  1. Emeny RT, Chang C, Skinner J, O’Malley J, Smith J, Chakraborti G, Rosen CJ, Morden N. Association of Receiving Multiple, Concurrent Fracture-Associated Drugs With Hip Fracture Risk. JAMA Netw Open. 2019; 2: e1915348. doi:10.1001/jamanetworkopen.2019.15348