Gewichtsweste bei Adipositas verbessert Körperzusammensetzung
Eine randomisierte Studie aus Schweden hat untersucht, ob eine zusätzliche Gewichtsbelastung durch eine Gewichtsweste die Körperzusammensetzung bei adipösen Erwachsenen verbessern kann – ohne Veränderungen der Ernährung oder zusätzlichen Sport (1). Die Ergebnisse sind überraschend: Bereits nach fünf Wochen reduzierten sich bei den Probanden der Hochlastgruppe Körperfett und Taillenumfang signifikant, gleichzeitig nahm die fettfreie Masse zu. Auffällig war dabei vor allem, dass diese Effekte unabhängig von körperlicher Aktivität auftraten und obwohl die sedentäre Zeit in der Hochlastgruppe sogar zunahm.
In der Studie trugen insgesamt 59 Personen mit Adipositas Grad 1 (BMI 30–35 kg/m²) für täglich acht Stunden über fünf Wochen entweder eine leichte (ein Prozent des Körpergewichts) oder eine schwere (elf Prozent des Körpergewichts) Gewichtsweste. Sie wurden angewiesen, während des Tragens möglichst häufig zu stehen. Ernährung und Lebensstil blieben ansonsten unverändert. Gemessen wurden Körpergewicht, Körperzusammensetzung mittels DXA, Taillenumfang, Energieverbrauch, Energieaufnahme sowie das Aktivitätsniveau über Beschleunigungssensoren.
Die Teilnehmer der Hochlastgruppe verloren im Mittel 2,6 Prozent ihrer Fettmasse und gewannen 1,4 Prozent an fettfreier Masse hinzu. Das Körpergewicht änderte sich nicht. Besonders der Taillenumfang sank im Vergleich zur Kontrollgruppe signifikant (−2,4 cm), was als Marker für viszerales Fett und metabolische Gesundheit gilt. Die Fettverluste traten dabei fast ausschließlich in den gewichtbelasteten Regionen wie Beinen und Rumpf auf, nicht jedoch an den Armen. Auch die Zunahme der fettfreien Masse konzentrierte sich auf den Rumpfbereich. Dies lässt auf lokale mechanische Effekte der Zusatzbelastung schließen. Hinweise auf einen systemischen Anstieg des Energieverbrauchs oder eine reduzierte Energieaufnahme fanden sich hingegen nicht.
Interessanterweise nahm die sedentäre Zeit in der Hochlastgruppe sogar zu, möglicherweise aufgrund muskulärer Beschwerden durch die Belastung. Dennoch konnten die günstigen Effekte auf die Körperzusammensetzung nachgewiesen werden, was vermuten lässt, dass die Gewichtsbelastung selbst – unabhängig von Bewegung – eine metabolisch aktive Wirkung entfalten kann.
Die Autoren diskutieren als möglichen Mechanismus eine lokale Erhöhung des Energieverbrauchs durch muskuläre Aktivität oder gar knochenvermittelte Signale (Stichwort: Gravitostat-Hypothese), die auf die Fettmasse wirken. Die Tatsache, dass diese Effekte nur in belasteten Regionen auftraten, unterstützt die Hypothese einer lokal regulierten Fettmasse-Adaption durch mechanische Reize.
Die Studie zeigt erstmals in einem kontrollierten Setting, dass schon eine moderate mechanische Zusatzbelastung über wenige Wochen zu einer gesünderen Körperzusammensetzung führen kann – unabhängig von Bewegung oder Ernährung. Gerade für Menschen mit Bewegungseinschränkungen oder zur Ergänzung pharmakologischer Therapien wie GLP-1-Analoga könnte die Gewichtsbelastung ein neuer Therapiebaustein werden, um insbesondere den Abbau von Muskelmasse zu vermeiden.
■ Hutterer C
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Quellen:
Bellman J, Westerterp K, Wouters L et al. Increased weight load improves body composition by reducing fat mass and waist circumference, and by increasing lean mass in participants with obesity: a single centre randomised controlled trial. BMC Med. 2025; 23: 317. doi:10.1186/s12916-025-04143-6