Fußballfieber: Wie stark verändern sich Herzfrequenz und Stresslevel?

Fußballfieber: Wie stark verändern sich Herzfrequenz und Stresslevel?
Symbolbild (KI-generiert)

Wissenschaftler der Universität Bielefeld ermittelten erstmals im Rahmen einer Feldstudie Zahlen und Fakten darüber, wie sich Fußballfieber auf das kardiovaskuläre System der Fans auswirkt (1). Hierzu sammelte das Team um Studienautor Prof. Dr. Christian Deutscher, Professor für Sportökonomie der Abteilung Sportwissenschaft der Universität Bielefeld, die Kardiodaten von 194 Arminia-Bielefeld-Fans während eines Zeitraums von zwölf Wochen rund um das DFB-Pokal-Finale am 24. Mai 2025 zwischen dem Drittligisten Arminia Bielefeld und dem Favoriten VfB Stuttgart.

Für die Auswertung wurden sowohl die Herzfrequenz (beats per minute, bpm) berücksichtigt als auch das Stresslevel, welches aus Puls, Herzfrequenzvariabilität und persönlichen Faktoren berechnet und in einer Skala von 0 (kein Stress) bis 100 (maximaler Stress) erfasst wurde. Die Datenerhebung erfolgte mit Hilfe von Smartwatches, welche die Arminia-Fans vom 14. Mai bis 31. Juli 2025 durchgehend am Arm trugen.

Eine Subkohorte aus 17 Frauen und 20 Männern zwischen 18 und 63 Jahren (Durchschnitt: 38,7 Jahre) nahm zudem an einer Umfrage über ihre Lebensgewohnheiten und den Spieltag selbst teil. 18 Personen aus dieser Gruppe waren Vereinsmitglieder, 14 Dauerkarteninhaber, 12 beides. 36 der 37 Befragten sahen das Finale, davon 20 im Berliner Olympiastadion, fünf bei Public Viewings und elf im Fernsehen.

Die Ergebnisse: An normalen Tagen betrug das durchschnittliche Stresslevel 31,3, am Finaltag jedoch 44,2, was einem Anstieg von 41 Prozent entspricht. Dabei zeigten die Probanden während des Untersuchungszeitraums immer samstags ein – verglichen mit den restlichen Wochentagen – im Schnitt erhöhtes Stresslevel. Am Finalspieltag stieg dies jedoch weit über das Übliche hinaus an und erreichte um den Anpfiff herum einen Höhepunkt. Während des gesamten Spiels blieben die Stresslevel verglichen mit normalen Samstagen um 43 Prozent erhöht.

Innerhalb der Subkohorte wiesen Stadionbesucher die höchste Herzfrequenz auf (Durchschnitt: 94,2 bpm), gefolgt von den Fernsehzuschauern mit durchschnittlich 79,4 bpm und den Fans im Public Viewing (73,8 bpm). Der insgesamt höchste Wert wurde bei den Fans im Stadion nach dem ersten Arminia-Bielefeld-Tor gemessen, mit durchschnittlich 108 bpm.

Für Fans mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen relevant: Der Konsum von Alkohol erhöhte die Herzfrequenz um durchschnittlich 5,3 Prozent, in emotionalen Momenten wie nach Toren stieg dieser Effekt sogar auf 11,7 Prozent. 50 Prozent (16 Personen) aus der Subkohorte gaben an, Alkohol getrunken zu haben. Unter den Teilnehmern im Stadion in Berlin waren es sogar 65 Prozent (13 Personen).

Studienautor Prof. Dr. Christian Deutscher betont, dass das Fußballfieber trotz der damit verbundenen Effekte gesundheitlich mehr Nutzen als Schaden bringt: „Auch wenn man mit dem Begriff Stress etwas Negatives verbindet, ist er im Kontext unserer Studie positiv, vor allem für die Psyche. Es stiftet Gemeinschaft, erzeugt positive Emotionen und kann das subjektive Wohlbefinden stärken, doch für Menschen mit Herz-Kreislauf-Risiken kann die extreme Anspannung auch problematisch sein“. Gerade bei emotional stark involvierten Fans, so Prof. Deutscher, könne akuter Stress ein Auslöser für kardiale Ereignisse sein. Das spräche dann für stressreduzierende Maßnahmen, Vorsorge für den Ernstfall und gegebenenfalls eine Alkoholkarenz, nicht aber gegen den Fußballgenuss an sich.

■ Plaum P

Quellen:

  1. Adam T, Bauer J, Deutscher C, et al. Measuring football fever through wearable technology. Sci Rep. 2026 Feb 5; 16: 3866. doi:10.1038/s41598-026-36182-1