Feinstaubbelastung beim Bouldern und Sportklettern

Feinstaubbelastung beim Bouldern und Sportklettern
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Es ist keine neues, aber vielerorts noch nicht gelöstes Problem. Durch die Benutzung von Magnesiapulver („Chalk“) für ein besseres Griffgefühl treten in Kletter- und Boulderhallen hohe Konzentrationen an Feinstaub auf. Während der größten Frequentierung der Hallen am Abend wurden Teilchenkonzentrationen (PM10) zwischen 1000 bis 2000 µg/m3, in Boulderhallen von 3500 und 4200 µg/m3 gemessen (1). Diese Konzentrationen entsprechen denen von Betrieben staubbelasteter Industriezweige. Zwar kann ein Kletterer eigenverantwortlich entscheiden, sich dieser Umgebung auszusetzen oder nicht, doch sollte dieser Sport, der viele gesundheitsfördernde Aspekte hat, nicht wegen Feinstaub in der Kletterhalle beendet werden müssen.

Gesundheitlich Auswirkungen von Chalk

Eine toxikologische Bewertung von Magnesiumkarbonat (Mg5(CO3)4(OH)2·4-5H2O) gibt es nicht. Eine niederländische Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass das Ausgesetztsein gegenüber Magnesit, einer im Bergbau verwendeten Substanz, die Magnesiumkarbonat in ihren Eigenschaften ähnlich ist, mit dem Auftreten von Atemwegserkrankungen (Bronchitis, pulmonales Emphysem, Pneumokoniose), Nasen- und Augenentzündungen und Kopfschmerz einhergeht (2). Die Datenlage ist allerdings sehr dünn, so dass sich keine Grenzwerte festsetzen lassen.

Ebenso wird beschrieben, dass in Kletterhallen Atemwegreizungen auftreten können und sich bei empfindlichen Personen eine Asthmaerkrankung verschlimmern kann. Die auftretenden Effekte kommen höchstwahrscheinlich vor allem durch (mechanische) Irritationen der Atemwege zustande. Eine Pilotstudie mit 109 Kletterern ergab geringfügige Verschlechterungen der Lungenfunktion nach dem Klettern in Kletterhallen. Die Daten sind aufgrund einiger Limitierungen der Studie jedoch mit Vorsicht zu betrachten.

Möglichkeiten der Feinstaubreduktion

Stephan Weinbruch und Kollegen von der Technischen Universität Darmstadt fanden durch Messungen in einer Kletterhalle an verschiedenen Tagen mit vergleichbarer Klettererzahl, aber vorgegeben Arten von Chalk-Nutzung (offenes Pulver, gepresste Blöcke, gesiebtes Pulver, Liquid Chalk, Chalk Balls und Chalkverbot) heraus, dass nur das Chalkverbot bzw. die Nutzung von Liquid Chalk die Feinstaubbelastung (PM10) deutlich verringert. Ebenso entscheidend sind gute Lüftungsanlagen in den Hallen, da auf diese Weise die Staubbelastung zügig und stark gesenkt werden kann (3).

Fazit

Einzig das komplette Verbot von Chalk in Kletterhallen oder die ausschließliche Nutzung von Liquid Chalk reduziert die Staubbelastung in Kletter- und Boulderhallen deutlich. Derzeit gibt es keine medizinisch begründeten Richtwerte. (Empfindliche) Kletterer sollten soweit möglich die Kletterhalle antizyklisch besuchen (z.B. vormittags). Säuglinge oder nicht kletternde Kinder sollten sich nicht in Kletter- und Boulderhallen aufhalten.

■ Hutterer C

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Quellen:

  1. Weinbruch S, Dirsch T, Ebert M, Hofmann H, Kandler K. Dust exposure in indoor climbing halls. J Environ Monit. 2008; 10: 648-654. doi: 10.1039/b719344k

  2. Weinbruch S, Dirsch T, Kandler K, Ebert M, Heimburger G, Hohenwarter F. Reducing dust exposure in indoor climbing gyms. J Environ Monit. 2012 Aug;14: 2114-2120. doi: 10.1039/c2em30289f

  3. Moshammer H, Shahraki S, Mondel T, Gebhart P. Lung function and dust in climbing halls: two pilot studies. Rev Environ Health. 2016 Dec 1; 31: 401-407. doi: 10.1515/reveh-2016-0024