Effekte von Ganzkörper-Elektromyostimulation auf die Entwicklung von Schnellkraft und Ausdauergrößen bei Sportlern und Athleten
Hintergrund
Aufgrund seiner Zeiteffizienz, Gelenkfreundlichkeit und individualisierten Anwendungsmöglichkeit könnte die Ganzkörper-Elektromyostimulation (WB-EMS) Technologie für Sportler und Athleten unterschiedlicher Disziplinen und Leistungsklassen eine attraktive Trainingsmethode sein. Obwohl inzwischen eine moderate Anzahl von Interventionsstudien vielfach positive Auswirkungen der WB-EMS auf ausgewählte Leistungsgrößen berichteten, ist die Studienlage insgesamt sehr unübersichtlich. Dies liegt nicht zuletzt an verschiedenen Formaten der WB-EMS Applikation sowie deren Vergleich mit Kontrollgruppen variierenden Aktivitätsniveaus. Ziel der vorliegenden systematischen Übersichtsarbeit und Metaanalyse war es, die Effekte der WB-EMS auf die maximale Schnellkraft- und Ausdauerleistungsfähigkeit bei Sportlern zu erfassen.
Methoden
Fünf elektronische Datenbanken (Medline, CINAHL, CENTRAL, Web of Science, SportDiscus) wurden bis zum 03.06.2025 gemäß dem PRISMA-Schema durchsucht. Eine (Random-Effect-Model) Analyse, mit inversem Heterogenitätsmodell (IVhet) berechnete Effektgrößen (SMD) und 95 %-Konfidenzintervalle (95 %-KI). Subgruppenanalysen konzentrieren sich auf Szenarien des Vergleichs verschiedener WB-EMS Methodenvarianten mit unterschiedlichen Kontrollgruppen.
Ergebnisse
Die Suche identifizierte 13 eligible Studien mit 14 WB-EMS- und 13 Kontrollgruppen. Zusammenfassend konnten positive Effekte auf die maximale Schnellkraft der Hüfte/unteren Extremitäten beobachtet werden (13 Studien, SMD: 0,48, 95 %-KI: 0,04 bis 0,91). Subgruppenanalysen ergaben positive Effekte von überlagertem („superimposed“) WB-EMS gegenüber dem zugrunde liegenden, volitionalen Training (10 Studien, SMD: 0,46, 95 %-KI: 0,03 bis 0,89). Die Heterogenität zwischen den Studienergebnissen lag in beiden Analysen allerdings relativ hoch (I2 = 58% und I2 = 62%). Die lediglich drei Interventionsstudien mit insgesamt vier Vergleichen, die auf die Ausdauerleistung (hier: VO2peak) fokussierten, zeigten inkonsistente und im Mittel nicht signifikante Effekte (SMD: 0,32, 95 %-KI: -0,19 bis 0,84). Zusammenfassend lag die methodische Qualität der eingeschlossenen Studien auf niedrigem-moderatem Niveau.
Schlussfolgerungen
Insgesamt zeigt WB-EMS signifikant positive Effekte auf die Schnellkraft, etwas überraschend auch dann, wenn überlagertes WB-EMS mit der zugrundeliegenden willkürlichen, meist mit hoher Reizintensität durchgeführten Übung verglichen wird. Die wenigen Untersuchungen, die Größen der Ausdauerleistungsfähigkeit adressieren, zeigen sehr unterschiedliche, schwer interpretierbare Ergebnisse. Daten einer Einzelstudie mit Läufern deuten jedoch an, dass auch zeiteffektive WB-EMS-Protokolle das Potenzial aufweisen, zumindest die VO2peak signifikant positiv zu beeinflussen.
■ Püschel M, Kohl M, von Stengel S, Shojaa M, Filipovic A, Kemmler W