Kardiorespiratorische Kinetik: Bedeutung von Alter, körperlicher Aktivität und Ergometrie-Typ

Zusammenfassung eines wissenschaftlichen Beitrags (Originalarbeit) aus der Deutschen Zeitschrift für Sportmedizin (DZSM) mit Link zum englischsprachigen Originalartikel und Downloadmöglichkeit als PDF.

Kardiorespiratorische Kinetik: Bedeutung von Alter, körperlicher Aktivität und Ergometrie-Typ
Symbolbild © rh2010 / Adobe Stock

Zielsetzung

Die maximale kardiorespiratorische Leistungsfähigkeit, gemessen als maximale Sauerstoffaufnahme (V̇O₂max), nimmt mit zunehmendem Alter ab. Submaximale Parameter wie die Dynamik der Anpassung des kardiorespiratorischen Systems (Kinetik) gelten hingegen als weniger altersabhängig und können durch regelmäßige körperliche Aktivität weitgehend erhalten bleiben. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass diese Kinetikparameter durch die im Alltag bevorzugte Fortbewegungsart beeinflusst werden. Ziel der vorliegenden Studie war es daher, kardiorespiratorische Kinetikparameter zwischen jüngeren und älteren Erwachsenen mit vergleichbarem Aktivitätsniveau unter Verwendung von Laufband- und Fahrradergometrie zu vergleichen.

Methoden

Insgesamt nahmen 35 gesunde Personen an der Studie teil, darunter 16 jüngere (28 ± 6 Jahre) und 19 ältere Erwachsene (65 ± 6 Jahre). Alle Teilnehmenden absolvierten standardisierte Belastungstests sowohl auf einem Fahrrad- als auch auf einem Laufbandergometer. Die Versuchsprotokolle bestanden aus zufällig variierenden moderaten Belastungsstufen, um dynamische Anpassungsprozesse zu provozieren. Die Analyse der kardiorespiratorischen Kinetik erfolgte mittels Zeitreihenanalysen. Dabei wurden insbesondere Maxima bei unterschiedlichen Zeitverzögerungen (Lags) betrachtet, wobei höhere Maxima bei geringeren Verzögerungen schnellere Anpassungsreaktionen widerspiegeln.

Ergebnisse

Die Herzfrequenz-Kinetik unterschied sich nicht signifikant zwischen jüngeren und älteren Erwachsenen bei vergleichbarem Aktivitätsniveau (p = 0,763), was auf eine altersunabhängige Regulation schließen lässt. Im Gegensatz dazu zeigten sich Unterschiede in der Sauerstoffaufnahme-Kinetik (V̇O₂). Ältere Teilnehmende wiesen beim Laufband für mehrere Zeitverzögerungen schnellere V̇O₂-Kinetiken auf als jüngere (p < 0,05), während beim Fahrradergometer keine signifikanten Unterschiede beobachtet wurden. Innerhalb der älteren Gruppe war die V̇O₂-Kinetik auf dem Laufband schneller als beim Radfahren (p < 0,05). Bei den jüngeren Erwachsenen zeigte sich hingegen ein umgekehrtes Muster mit schnelleren Kinetiken beim Fahrradergometer im Vergleich zum Laufband (p < 0,05).

Schlussfolgerung

Die Ergebnisse legen nahe, dass die Art der Belastungsform einen wesentlichen Einfluss auf die Beurteilung kardiorespiratorischer Kinetik hat und altersabhängige Unterschiede differenziert betrachtet werden müssen. Für die klinische Diagnostik und Trainingssteuerung sollte daher die Wahl des Ergometers berücksichtigt werden. Weitere Studien, insbesondere mit funktionell eingeschränkten oder klinischen Populationen, sind erforderlich, um die Übertragbarkeit der Ergebnisse zu prüfen.

■ Koschate-Storm J, Faber F, Drescher U, Zieschang T, Hoffmann U