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Die Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin behandelt die klinische Praxis und deren angrenzende Felder im Sinne translationaler Forschung, die den Einfluss von körperlicher Aktivität, Bewegung, Training und Sport sowie Bewegungsmangel von gesunden Personen und Patienten aller Altersgruppen erforscht. Dies umfasst die Auswirkungen von Prävention, Diagnose, Therapie, Rehabilitation und körperlichem Training sowie das gesamte Feld der Sportmedizin und sportwissenschaftliche, physiologische und biomechanische Forschung.

Die Zeitschrift ist die führende und meistgelesene deutsche Zeitschrift für die gesamte Sportmedizin. Sie richtet sich an alle Ärzte, Physiologen und sportmedizinisch/sportwissenschaftlich interessierte Wissenschaftler aller Disziplinen sowie an Physiotherapeuten, Trainer, Praktiker und Sportler. Die Zeitschrift ermöglicht allen Wissenschaftlern online Open Access zu allen wissenschaftlichen Inhalten und viele Kommunikationsmöglichkeiten.

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Sportmedizin
EDITORIAL

Doping im Leistungssport in Westdeutschland

Doping in Competitive Sports in West-Germany

Die Hochschullehrer der deutschen Sportmedizin und der Wissenschaftsrat der DGSP nehmen die kürzlich veröffentlichten Ergebnisse der vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) in Auftrag gegebenen Studie zur „Geschichte des Dopings in der Bundesrepublik  Deutschland“  und  das  vom  12. - 14.  September 2011  in  Freiburg  abgehaltene  Symposium  „Sportmedizin  und Do ping in Europa“ zum Anlass für die folgende Stellungnahme.
Angesichts des Verbotes der Anwendung anaboler Steroide im Sport durch die IAAF (Internationaler Leichtathletikverband, 1970), den DLV (Deutscher Leichtathletikverband, 1971) und das IOC (Internationales Olympisches Komitee, 1974) und der aktuellen Gesetzeslage halten wir für nicht zu rechtfertigen:
a.)   Das  Festhalten  am  Einsatz  anaboler  Steroide  unter ärztlicher Kontrolle über die Verbotszeitpunkte hinaus bis in die 1980er Jahre auch von herausragenden Exponenten der Sportmedizin – anfänglich unter der Absicht der Leistungssteigerung und anschließend unter den Begriffen „Substitution“ und „Therapie“.
b.)   Die  Durchführung  von  Studien  über  Wirkungen  und Nebenwirkungen  von  anabolen  Steroiden  an  aktiven  Wettkampfsportlern und die Verharmlosung der Nebenwirkungen als gering und vorübergehend, auch wenn hierzu bereits anders zu deutende wissenschaftliche Erkenntnisse vorlagen.
Es  ist  bekannt,  dass  Dopingmethoden  zur  Zeit  der  politischen  Blockkonfrontation  von  der  Politik  teilweise  gefordert und  auch  finanziell  unterstützt  wurden.  Dieser  Umstand  kann das  genannte  Verhalten  aus  unserer  Sicht  allerdings  keines -falls rechtfertigen.
Der Deutsche Sportärztebund (DSÄB, später Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention, DGSP) hat sich 1977 und 1988 klar gegen eine Rechtfertigung jeglicher Abgabe von anabolandrogenen  Steroiden  oder  anderen  leistungssteigernden  Medikamenten mit Begriffen wie „Substitution“ oder „Therapie“ gestellt und diese Position seither immer nachdrücklich vertreten.
Wir  vertreten  die  selbstverständliche  Position,  dass  ein nachgewiesener  Verstoß  gegen  die  Anti-Dopingbestimmungen (WADA-Code)  von  Ärzten,  medizinischem  Hilfspersonal,  Trainern  und  Funktionären  nicht  mit  einer  weiteren  Tätigkeit  im Leistungs- und Spitzensport und, wenn es sich um Ärzte handelt, auch nicht mit einer Mitgliedschaft in der DGSP vereinbar ist.
Wir weisen darauf hin, dass deutsche Sportmediziner in verschiedenen  wissenschaftlichen  Arbeitsgruppen  einen  wichtigen Beitrag  zur  Dopingprävention,  zur  weiteren  Entwicklung  von Dopingnachweisverfahren,  zur  Verbesserung  der  Kenntnis  der Nebenwirkungen  von  Dopingsubstanzen  und  zur  Erfassung  der Verbreitung des Dopings im Leistungs- und Freizeitsport leisten. Wir  machen  darauf  aufmerksam,  dass  die  ärztliche  Betreuung  von  Leistungssportlern  nur  ein  Teil  der  Aufgaben  der Sportmedizin  ist.  Die  Entwicklung  und  Evaluation  von  Trainingsprogrammen  zur  Prävention,  Therapie  und  Rehabilitation bei  Herzkreislauferkrankungen,  Krankheiten  des  Stoffwechsels,  des  Bewegungsapparates  und  der  Lunge  sowie  bei  Tumorerkrankungen  haben  traditionell  ebenso  große  Bedeutung  in unserem Fach.
Wir  vertreten  die  Meinung,  dass  die  Leistungsphysiologie und  die  Betreuung  von  Leistungssportlern  zur  Kernkompetenz des  Faches  Sportmedizin  gehören  und  dass  im  Leistungssport auch  Trainingskonzepte  entwickelt  werden,  welche  in  Bewegungsprogramme  zur  Prävention,  Therapie  und  Rehabilitation verschiedenster Krankheiten einfließen.
Wir sind der Ansicht, dass die qualifizierte medizinische Betreuung  im  Wettkampfsport  zu  den  Aufgaben  der  universitären Sportmedizin zählt. Dabei müssen die Fortentwicklung und Umsetzung  eines  evidenzbasierten  Gesundheitsmanagements  und die  frühzeitige  Dopingprävention  im  Vordergrund  stehen.  Die Entwicklung  einer  Einbindung  der  medizinischen  Betreuung von  Hochleistungssportlern  in  Non-Profit-Organisationen  wie den  öffentlich-rechtlichen  Hochschulen  ohne  eine  direkte  persönliche und/oder finanzielle Abhängigkeit vom Leistungssport bietet hierbei eine wichtige Grundlage gegen die Mitwirkung von Ärzten beim Doping.
Um  Interessenskonflikte  im  sportmedizinischen  Umfeld zukünftig  besser  kontrollieren  und  nach  Möglichkeit  gänzlich vermeiden  zu  können,  wird  der  Wissenschaftsrat  der  DGSP  als eine der ersten Sportinstitutionen weltweit die Erarbeitung einer „Conflict of Interest Policy“ in Angriff nehmen. Dies schließt ausdrücklich  sportärztliche  Tätigkeiten  im  Leistungssport  ein,  bei denen ein Konflikt zwischen Tätigkeiten im Anti-Doping-Bereich einerseits und der Betreuung von Leistungssportlern andererseits entstehen kann.

Diese  ausgearbeitete  Stellungnahme  von  den  Mitgliedern  des Wissenschaftsrats  der  DGSP  unter  Beteiligung  von  weiteren Hochschullehrern der deutschsprachigen Sportmedizin wird von den hier namentlich genannten Hochschullehrern für Sportmedizin vollständig unterstützt. Nach  einer  ausführlichen  Diskussion  der  Ergebnisse  der  Symposien  wurden  Grundzüge  einer  Erklärung  bei  der  Sitzung  des Wissenschaftskollegiums  der  DGSP  in  Frankfurt  am  8.10.2011 ausgiebig diskutiert. Einmütig wurde von den anwesenden Kollegen die weitere Ausarbeitung einer Stellungnahme unter Hinzuziehung juristischen Rates von H. Striegel, Stuttgart, unterstützt. Unter  Sichtung  umfangreichen  weiteren  Materials  erfolgte  die Ausarbeitung  eines  weiteren  Entwurfs  im  Wissenschaftsrat,  der dann  den  Mitgliedern  des  Wissenschaftskollegiums  über  den E-Mail-Verteiler  zugänglich  gemacht  wurde.  Die  eingegangenen zahlreichen  Stellungnahmen  wurden  dann  –  soweit  wie  möglich  –  berücksichtigt,  wobei  dabei  die  Abstimmung  über  Änderungen  im  Wissenschaftsrat  erfolgte.  Eine  Version  wurde  dann am  24.10.2011  über  doodle  zur  Zustimmung,  zur  Kommentierung oder zur Ablehnung freigeschaltet. Eine weitere geringfügig überarbeitete  Version  wurde  am  26.10.2011  freigeschaltet.  Die Deadline  wurde  auf  den  27.10.11  festgelegt  aufgrund  der  Aktualität  und  dem  Redaktionsschluss  der  Zeitschrift.  Es  gab  keine Ablehnung. Alle Nachzügler wurden bis zum 31.10.2011 in die gedruckte  Liste  aufgenommen,  spätere  Zustimmungen  werden  im pdf berücksichtigt. Es  wird  ausdrücklich  darauf  hingewiesen,  dass  die  Nichtnennung  eines  Hochschullehrers  keinesfalls  als  Ablehnung  dieses Textes  interpretiert  werden  darf.  Es  wurden  nur  Mitglieder  des Wissenschaftskollegiums der DGSP um Zustimmung gefragt, das sind  alle  hauptamtlich  im  Fachgebiet  Sportmedizin  tätigen  habilitierten  Hochschullehrer.  Unter  Umständen  hatten  nicht  alle Hochschullehrer Zeit und Gelegenheit, sich mit dem Text auseinander zu setzen, auch sind technische Schwierigkeiten trotz aller Sorgfalt nicht auszuschließen.

(Die Mitglieder des federführenden Wissenschaftsrates sind bei
den Autoren mit * markiert).
Das Präsidium der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und
Prävention unterstützt diese Erklärung.

Prof. Dr. Winfried Banzer, Frankfurt
Prof. Dr. Peter Bärtsch*, Heidelberg
Prof. Dr. Ralph Beneke, Marburg
Prof. Dr. Aloys Berg, Waldkirch
PD Dr. Gereon Berschin, Marburg
Prof. Dr. Wilhelm Bloch*, Köln
Prof. Dr. Dieter Böning, Berlin
Prof. Dr. Klaus Michael Braumann, Hamburg
Prof. Dr. Christof Burgstahler, Tübingen
Prof. Dr. Hans-Hermann Dickhuth, Freiburg
PD Dr. Birgit Friedmann-Bette, Heidelberg
Prof. Dr. Dr. Christine Graf, Köln
Prof. Dr. Hans-Christian Heitkamp, Tübingen
Prof. Dr. Dr. Thomas Hilberg, Wuppertal
Prof. Dr. Gerd Hoffmann, Frankfurt
Prof. Dr. Dr. Wildor Hollmann, Köln
Prof. Dr. Andreas B. Imhoff, München
Prof. Dr. Philip Kasten, Dresden
PD Dr. Ulrike Korsten-Reck, Freiburg
Prof. Dr. Yuefei Liu, Ulm
Prof. Dr. Dr. Matthias Lochmann, Erlangen
Prof. Dr. Frank Mayer*, Potsdam
Prof. Dr. Tim Meyer, Saarbrücken
Prof. Dr. Frank-Christoph Mooren*, Gießen
Prof. Dr. Dr. Josef Niebauer, Salzburg
Prof. Dr. Andreas Nieß*, Tübingen
Prof. Dr. Petra Platen, Bochum
Prof. Dr. med. Hans-Georg Predel, Köln
Prof. Dr. Rüdiger Reer, Hamburg
Prof. Dr. Kai Röcker*, Freiburg
Prof. Dr. Walter Schmidt*, Bayreuth
Prof. Dr. Arno Schmidt-Trucksäss, Basel
Prof. Dr. Yorck Olaf Schumacher, Freiburg
Prof. Dr. Dr. Perikles Simon, Mainz
Prof. Dr. Jürgen Steinacker*, Ulm
Prof. Dr. Dr. Klaus Steinbrück, Stuttgart
Prof. Dr. Dr. Heiko Striegel, Stuttgart
Prof. Dr. Uwe Tegtbur, Hannover
Prof. Dr. Klaus Völker, Münster
Prof. Dr. Karl Weber, Köln
Prof. Dr. Burkhard Weisser, Kiel
PD Dr. Bernd Wolfarth, München
PD Dr. Jürgen Scharhag, Heidelberg
Prof. Dr. Elke Zimmermann, Bielefeld
 
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