Zusammenhang zwischen Blutgruppe und physiologischer Höhenanpassung entdeckt

Zusammenhang zwischen Blutgruppe und physiologischer Höhenanpassung entdeckt
© Ahmad As Shiddiqi / Adobe Stock (KI generiert)

Mit Höhentraining erreicht man über die „Neuprogrammierung“ des Erythrozyten-Stoffwechsels eine physiologische Anpassung an hypoxische Zustände, wie sie auch unter extremer körperlicher Belastung entstehen. Diese Höhenanpassung des Körpers wird von Trainern in mehreren Sportarten gezielt genutzt, um Athleten auf bevorstehende Wettkämpfe vorzubereiten. Warum manche Sportler mehr davon profitieren als andere, ist Bestandteil vergangener und laufender Forschung. Hinweisen, dass dabei gegebenenfalls auch die Blutgruppe eine Rolle spielen könnte, ist jetzt ein internationales Studienteam nachgegangen. (1)

Einer der treibenden Faktoren, der zur Leistungssteigerung durch Training unter hypoxischen Bedingungen beiträgt, scheint die damit einhergehende vermehrte Menge von sauerstofftransportierender 2,3-Biphosphoglycerinsäure (BPG) in den roten Blutkörperchen zu sein. Diese tragen zur Ammoniumhomöostase bei, was wiederum über die gesteigerte Alkalisierung den intrazellulären pH-Wert beeinflusst – und dies könnte in letzter Konsequenz die BPG-Spiegel steigern.

Um diese These zu belegen, rekrutierte das Studienteam deshalb im Rahmen des Projekts „Expedition 5300“ zunächst sechs rhesus-positive Probanden, deren Blut in verschiedenen Höhenlagen Perus per Längsschnittprobe untersucht wurde: an Tag 1 im Tiefland auf ca. 250 Metern Höhe sowie an Tag 14 und 20 auf verschiedenen Höhen, wobei 5100 Meter das Maximum waren. Weitere Analysen wurden an Tag 2, 9, 16, 22 und 44 nach der Rückkehr ins französische Tiefland (ebenfalls ca. 250 m) entnommen. Zum Vergleich mit den gefundenen Ergebnissen maßen die Autoren die BPG-Spiegel von insgesamt 13 091 Blutspendern verschiedenster Blutgruppen.

Die gesammelten Daten flossen in eine genomweite Assoziationsstudie ein. Dabei wurden auf Chromosom 1 in den Membranproteinen (SNPs) der Erythrozyten genetische Polymorphismen in der Region, die für den Rhesusfaktor das Blutgruppen-Polypeptid RHCE codiert, als entscheidende Determinanten des BPG-Spiegels identifiziert. Da diese ausschließlich in den Membranen rhesus-positiver Erythrozyten vorkommen, lässt sich hieraus ein Zusammenhang zwischen der Blutgruppe und optimaler Höhenanpassung ableiten. Athleten mit rhesus-positiven Blutgruppen könnten demnach stärker vom Training unter hypoxischen Bedingungen profitieren als rhesus-negative Personen, weil nur ihre Erythrozyten über bestimmte Membranproteine verfügen, die signifikant an der Bildung von BNP beteiligt sind.

■ Kura L

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Quellen:

  1. D'Alessandro A, Earley EJ, Nemkov T, Stephenson D, Dzieciatkowska M, Hansen KC, Minetti G, Champigneulle B, Stauffer E, Pichon A, Furian M, Verges S, Kleinman S, Norris PJ, Busch MP, Page GP, Kaestner L. Genetic polymorphisms and expression of Rhesus blood group RHCE are associated with 2,3-bisphosphoglycerate in humans at high altitude. Proc Natl Acad Sci USA. 2024; 121: e2315930120. doi:10.1073/pnas.2315930120