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Schutzfunktion einer Knieorthese in kritischen Alltagssituationen

Schutzfunktion einer Knieorthese in kritischen Alltagssituationen
Abb. 2: Nutzen der Orthese in kritischen Alltagssituationen. A: Anteil der Patienten, die der jeweiligen Aussage zustimmen / voll zustimmen. B: Anteil der Patienten, die die Frage nach tatsächlich erlebten kritischen Situationen und den Nutzen der Orthese mit „ja“ bzw. „nein“ beantwortet haben © medi

Der Einsatz von Knieorthesen wird in der Fachwelt und in Studien kontrovers diskutiert (3). Bei der Bewertung sind zwei Aspekte getrennt voneinander zu betrachten:
1. Für ein optimales OP-Ergebnis sind u. a. die Transplantatwahl, die Positionierung der Bohrkanäle und die Fixierung im Knochen entscheidend. Eine Orthese hat auf dieses klinische Ergebnis wenig Einfluss.
2. Bei der Orthese ist der Schutz gegenüber kritischen Alltagsbewegungen, die das OP-Ergebnis gefährden können, entscheidend. Der Orthese kommt hier auch eine psychologische Bedeutung zu.

Die systematische Untersuchung der psychologischen Komponente wird in Studien trotz des 2008 entwickelten ACL-RSI-Scores selten beleuchtet (3, 4). Vor allem beim »Return to Sport« spielt die Angst vor einer erneuten Verletzung eine Rolle: Ein Großteil der Sportler mit Ruptur des vorderen Kreuzbandes erlangte deshalb trotz physischer Rehabilitation nicht das Ausgangsniveau der Sportaktivität. (2, 1). Die vorliegende Erhebung an 3000 Patienten mit Knieverletzung wurde durchgeführt, um das Auftreten kritischer Alltagssituationen im Real-life-Setting zu erfassen und diesbezüglich den Nutzen einer Orthese zu identifizieren.

Material und Methoden

Die freiwillige Befragung erfolgte im Rahmen des medi Sorglospakets (Rückholung der Knieorthese nach erfolgreicher Behandlung). Der Fragebogen wurde den Knieorthesen beigelegt (u. a. M4s comfort, Abb. 1) und beinhaltete Fragen zum Krankheitsbild, Tragekomfort und Nutzen der Orthese. Die Teilnehmer wurden aufgeklärt und konnten online oder postalisch antworten. Zeitraum der Befragung war von März bis September 2018. Die Auswertung erfolgte anonymisiert mittels LamaPoll.

Abb. 1: medi Hartrahmenorthese M.4s® comfort mit 5° Hyperextensionskeil © medi

Ergebnisse

Patienten: An der Befragung nahmen 2956 Patienten mit Knieverletzung teil. Indikationen für die ärztliche Verordnung der Orthese waren Verletzungen am vorderen Kreuzband (47 %), am hinteren Kreuzband (5 %), am Meniskus (32 %), an den Seitenbändern (18 %), am Knorpel (11 %), an der Patella-/Quadrizepssehne (12 %), Knie-Instabilität (15 %) sowie Sonstiges (10 %). Zu den häufigsten Verletzungsursachen zählten Wintersport (23 %), Fußball (17 %), andere Sportarten (19 %), Haushaltsunfälle (11 %) und Arbeitsunfälle (8 %). 76 Prozent der Patienten erhielten eine operative Therapiemaßnahme, 24 Prozent wurden konservativ behandelt.

Schutzfunktion der Orthese: Der Nutzen der Orthese im Alltag wurde positiv bewertet. Den drei Aussagen »Die Orthese hat
• mich in der Therapie unterstützt und mir Sicherheit gegeben,
• mir Sicherheit gegeben, das Knie richtig zu strecken/anzuwinkeln,
• mich vor kritischen/gefährlichen Knie-Bewegungen geschützt«,
stimmten 94, 87 bzw. 91 Prozent der Teilnehmer (voll) zu (Abb. 2 oben). 63 Prozent berichteten, dass tatsächlich auch ein kritisches Ereignis (u. a. Stolpern/Stürzen, Knie verdrehen, zu starkes Anwinkeln oder Strecken des Knies) eingetreten ist und sie die Orthese in dieser Situation unterstützt hat.

Weiterempfehlungsrate: 93 Prozent der Patienten bewerteten die Qualität der Orthese als gut bis sehr gut. 77 Prozent gaben einen guten bis sehr guten Tragekomfort an; 84 Prozent empfanden die Handhabung als gut bis sehr gut. 94 Prozent der Anwender würden die Orthese weiterempfehlen.

Diskussion und Fazit

In vielen Studien zum Einsatz einer Knieorthese werden vorzugsweise klinische Endpunkte (Schmerz, ROM, Transplantat­stabilität, Muskelaktivität) herangezogen (3). Deshalb war das Ziel dieser Erhebung, den in Studien oftmals unterrepräsentierten patientenrelevanten Nutzen einer Orthese im Versorgungsalltag zu beleuchten. Die Umfrage mit fast 3000 Patienten zeigte, dass der Orthese hier eine große Bedeutung zukommt: Allen drei Aussagen zur Sicherheit stimmten jeweils ca. 90 Prozent der Patienten zu. Interessanterweise erlebten fast zwei Drittel der Patienten tatsächlich kritische Alltagssituationen. Die Orthese hat hier ihre Funktion als »Sicherheitsgurt« erfüllt. Das erhöhte Sicherheitsgefühl kann eine schnellere Mobilisierung und Rückkehr in den Alltag und Beruf ermöglichen. Der Nutzen einer Orthese sowie ihr Beitrag zur Reduktion möglicher Re-Rupturen ist somit nicht nur aus Sicht des Patienten und des Klinikers, sondern auch aus gesundheitsökonomischer Perspektive von Relevanz.

■ medi GmbH & Co. KG

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Quellen:

  1. Chmielewski TL, George SZ. Fear avoidance and self-efficacy at 4 weeks after ACL reconstruction are associated with early impairment resolution and readiness for advanced rehabilitation. Knee Surg Sports Traumatol Arthrosc. 2018. doi:10.1007/s00167-018-5048-6 [Epub ahead of print]

  2. Kvist J, Ek A, Sporrstedt K, Good L. Fear of re-injury: a hindrance for returning to sports after anterior cruciate ligament reconstruction. Knee Surg Sports Traumatol Arthrosc. 2005; 13: 393-397. doi: 10.1007/s00167-004-0591-8

  3. Rodríguez-Merchán EC. Knee Bracing After Anterior Cruciate Ligament Reconstruction. Orthopedics. 2016; 39: e602-609. doi: 10.3928/01477447-20160513-04

  4. Webster KE, Feller JA, Lambros C. Development and preliminary validation of a scale to measure the psychological impact of returning to sport following anterior cruciate ligament reconstruction surgery. Phys Ther Sport. 2008; 9: 9-15. doi: 10.1016/j.ptsp.2007.09.003