Seite 4 / 7

Fortsetzung Stellungnahme der Kommission Kinder- und Jugendsport der DGSP zur Förderung eines aktiven Schulweges

Einflussfaktoren auf die Entscheidung aktiver vs. passiver Schulweg

Obwohl ein aktiver Schulweg positive Auswirkungen auf die individuelle Gesundheit und die Umwelt hat, bleibt die Frage, warum immer mehr Kinder mit dem Auto zur Schule gebracht werden. Davison et al. (4) haben sich 2008 dieser Frage gewidmet. Ihr Ziel war es, Faktoren zu identifizieren, welche die Beliebtheit des aktiven Schulweges bei Kindern und Jugendlichen erhöhen. Dazu untersuchten sie individuelle und familiäre Indikatoren, Schulstrukturen und Gesellschafts- sowie Umweltbedingungen. Sie folgern, dass kindliche Eigenschaften wie das Alter und der Spaß an körperlicher Aktivität keinen direkten Einfluss auf die Wahl der Transportart zur Schule haben.

Es wurde vielmehr festgestellt, dass die Einstellung der Eltern zu dem Schulweg immer mit der gewählten Transportform der Kinder und Jugendlichen zusammenhängt. So wurde gezeigt, dass Kinder dann ihren Schulweg aktiv zurücklegen, wenn dies nicht die Arbeitszeiten der Eltern oder die Verpflichtungen der Kinder nach der Schule behindert. Wenn die Eltern selbst mit dem Fahrrad zu ihrer Arbeit fahren oder zu Fuß gehen und generell körperliche Aktivität in der Familie wertgeschätzt wird, ist der Anteil der aktiven Kinder auf dem Schulweg ebenfalls erhöht. Das elterliche Vorbild spielt somit eine wesentliche Rolle für die Wahl des Schulweges der Kinder.

Als Hauptbarriere wurde die Distanz zu der Schule ermittelt. Verschiedene Studien, durchgeführt in Australien, den USA, Norwegen und Spanien (6000 Untersuchungspersonen), zeigten übereinstimmend, dass Kinder einen Schulweg unter 900 Metern im Schnitt fünfmal häufiger zu Fuß zurücklegen (24, 17, 22, 18). Um auch den weiter entfernt wohnenden Kindern und Jugendlichen einen aktiven Schulweg zu ermöglichen, schlagen Larouche et al. (12) die Implementierung sog. „drop-off spots“ vor. Das heißt, dass Eltern und auch Schulbusfahrer sichere Parkflächen z.B. an Sportplätzen in geeigneter Entfernung zur der Schule anfahren und die Schüler von dort aus zur Schule gehen. Durch diese Maßnahme wird auch das Verkehrsaufkommen im direkten Umfeld der Schule reduziert. An zwei belgischen Schulen konnte gezeigt werden, dass nach Einführung solcher Haltepunkte die Anzahl der zur Schule gehenden Kinder gesteigert werden konnte (28).

McMillan (17) zeigte, dass sich durch eine verbesserte Infrastruktur (Bürgersteige, Fahrradwege) der Anteil auto- und/oder busfahrenden Schüler reduzieren ließ. Außerdem wurde nachgewiesen, dass Kinder eher dann aktiv zur Schule gehen, wenn die Eltern wahrnehmen, dass auch andere Kinder aus der Umgebung dies tun und andere Familienmitglieder diese Entscheidung wertschätzen (24).

Unterschiedliche Ergebnisse wurden für die wahrgenommene Sicherheit des Verkehrs und potentielle Kriminalität gefunden. Vermutlich durch verbesserte Infrastruktur und ein geringeres Verkehrsaufkommen in der unmittelbaren Umgebung der Schulen in Miami County 63 % und in New York City 44 % weniger Schulkinder in Autounfälle verwickelt (16) Das Wetter scheint keinen großen Einfluss auf die Entscheidung zu haben. Das heißt, wenn sich eine Familie prinzipiell für einen aktiven Schulweg entschieden hat, wird der Weg auch bei widrigen äußeren Bedingungen aktiv bewältigt (5, 9, 24).

Zusammenfassend kann man sagen, dass das elterliche Vorbild, das Verhalten der Peer- Group, die Entfernung zur Schule und die vorhandene Infrastruktur den größten Einfluss auf die Entscheidung pro oder contra „aktiver Schulweg“ haben. Diese Faktoren wurden auch im folgenden Konzept berücksichtigt.