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Fortsetzung Sport mit Babybauch – eine runde Sache

Muss es denn Sport sein?

Bei Sport denkt man an Joggen, Schwitzen, Anstrengung, Außer-Puste-Sein. Frauen, die sich schon vor der Empfängnis nicht damit anfreunden konnten, werden es in der Schwangerschaft noch viel schwerer schaffen. Doch vielleicht ist Sport ja gar nicht unbedingt nötig? Schon mit (Alltags-)Bewegung wäre viel gewonnen. Die berühmten 10 000 Schritte pro Tag dürfen – und sollten – selbstverständlich auch in der Schwangerschaft gegangen werden, Treppen inklusive. Auch Radfahren eignet sich zur (Fort-)Bewegung im Alltag. Vielleicht kann eine werdende Mutter, die mit Rückenschmerzen, Beckenbodenschwäche oder anderen Beschwerden zum Arzt geht, auch über die »Autorität« eines Rezepts für Bewegung mit konkreten Bewegungsempfehlungen motiviert werden.

Rund 30 Prozent der Frauen im reproduktionsfähigen Alter sind übergewichtig. Für sie wäre es wichtig, einerseits die damit assoziierten Risiken und Komplikationen in der Schwangerschaft zu verringern. Andererseits sollte versucht werden zu verhindern, dass die ungünstigen Stoffwechselmodifikationen durch prä- und neonatale Prägung aufgrund von Übergewicht und Bewegungsarmut an das Kind weitergegeben werden. »Wir wünschen uns natürlich, dass Frauen schon vor einer Schwangerschaft aktiv sind und gesund und normalgewichtig in eine Schwangerschaft starten«, erklärt Dr. Ferrari. »Ab einem Alter von 35 Jahren gilt eine Frau als Risikoschwangere. Gerade für die Frauen, die erst in höherem Alter Kinder bekommen, ist es wichtig, körperlich aktiv zu sein, um weitere Risiken zu reduzieren.«

Epigenetische Vererbung von Übergewicht

Forschungen im Maus- und Rattenmodell zeigen, dass epigenetische Modifikationen an Stoffwechselgenen, die beispielsweise durch hochkalorische Diät (2, 4) hervorgerufen werden, über die Keimzellen (Spermien und Eizellen) an die Nachkommen weitergegeben werden können (2). Diese Tiere haben ein erhöhtes Risiko für Übergewicht, Glukoseintoleranz, verringerte Insulinsensitivität und Typ-2-Diabetes. Damit tragen beide Eltern, besonders aber die Mutter, eine große Verantwortung dafür, etwaige Fehlprägungen möglichst zu vermeiden.

Mit diesen Erkenntnissen haben Ärzte auch gute Argumente an der Hand: Es geht nicht einfach um ein paar Kilo weniger für die Mutter auf der Waage. Vielmehr geht es schon weit vor der Geburt um die lebenslange Gesundheit des Kindes.

Weitere Informationen:

Netzwerk Gesund ins Leben: https://www.gesund-ins-leben.de/index.html
• Informations- und Serviceportal zu Sport & Schwangerschaft der Deutschen Sporthochschule Köln:
https://www.dshs-koeln.de/sport-und-schwangerschaft/themen/top-thema/

■ Hutterer C

 

Quellen:

  1. Ferrari N, Graf C. Körperliche Aktivität in der Schwangerschaft. Der Gynäkologe. 2016; 49: 232-235. doi:10.1007/s00129-016-3851-z

  2. Huypens P, Sass S, Wu M, Dyckhoff D, Tschöp M, Theis FJ, Marschall S, Hrabě de Angelis M, Beckers J. Epigenetic germline inheritance of diet-induced obesity and insulin resistance. Nat. Genet. 2016; 48: 497-499. doi: 10.1038/ng.3527

  3. Koletzko B, Cremer M, Flothkötter M, Graf C, Hauner H, Hellmers C, Kersting M, Krawinkel M, Przyrembel H, Röbl-Mathieu M, Schiffner U, Vetter K, Weißenborn A, Wöckel A. Ernährung und Lebensstil vor und während der Schwangerschaft – Handlungsempfehlungen des bundesweiten Netzwerks Gesund ins Leben. Geburtsh Frauenheilk. 2018; 78: 1–22. doi: 10.1055/a-0713-1058

  4. Plagemann A, Roepke K, Harder T, Brunn M, Harder A, Wittrock-Staar M, Ziska T, Schellong K, Rodekamp E, Melchior K, Dudenhausen JW. Epigenetic malprogramming of the insulin receptor promoter due to developmental overfeeding. J Perinat Med. 2010; 38: 393-400. doi: 10.1515/JPM.2010.051