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»Ski Un-Heil« – Verletzungen im Skisport und wie sie vermieden werden können

Gerade noch glitzert der Schnee in der Sonne und staubt auf, wenn die Kanten der Ski greifen – da ist der Flow auch schon vorbei und man findet sich de­rangiert auf der Piste wieder. Im günstigen Fall kann man über die eigene Akrobatik lachen, im ungünstigen Fall endet der Sturz mit einem Abtransport per Hubschrauber und einer langwierigen Verletzung.

»Ski Un-Heil« – Verletzungen im Skisport und wie sie vermieden werden können
© photalo/fotolia

Skifahren hat ein höheres Risikopotenzial als andere Sportarten, da die Geschwindigkeit grundsätzlich relativ hoch ist. Daher ist die Gefahr von schwereren Verletzungen bei einem Sturz oder Aufprall auch entsprechend höher. In diesem Zusammenhang spielt natürlich auch das skifahrerische Können eine Rolle. Es wird beeinflusst vom Beherrschen der Technik, der Übung und der Skilänge. Bedeutend ist auch das verantwortungsbewusste Verhalten auf der Piste, was auch beinhaltet, die Pistenwahl dem eigenen Können anzupassen. Ein wichtiger Risikofaktor ist die allgemeine Fitness. Skifahren verlangt ein hohes Maß an Kraft, Ausdauer und Gleichgewichtsvermögen. Fehlt es an diesen Komponenten, ermüdet der Sportler schneller und die Gefahr von Stürzen und Verletzungen erhöht sich. Die abnehmende aerobe Leistungsfähigkeit in der Höhe sowie das Auskühlen der Muskulatur tun ihr Übriges.

PrävenThese fürs Knie

Doch von welchen Verletzungen sprechen wir eigentlich? Die meisten Verletzungen betreffen das Kniegelenk; bei Frauen in über 50 Prozent der Fälle und damit etwa doppelt so häufig wie bei Männern. Nun fällt auf, dass es für die – relativ seltenen – Kopfverletzungen den Helm als Schutzausrüstung gibt, für das deutlich häufiger geschädigte Kniegelenk jedoch keine verbreitete Schutz­ausrüstung zur Verfügung steht. Dieser Thematik hat sich die Innovationsmanufaktur GmbH aus München zusammen mit dem Deutschen Skiverband, der TU München und weiteren Partnern angenommen. Die Entwicklung der – in diesem Jahr mit dem Michael-Jäger-Preis der GOTS preisgekrönten – »PrävenThese« wurde durch das Bundesinstitut für Sportwissenschaft gefördert.

Zwar gibt es bereits Knieorthesen für die rehabilitative Anwendung, die aber aufgrund der Passform und Beweglichkeit für das Skifahren nicht oder nur eingeschränkt geeignet sind. Mittels 3D-Scan-Verfahren wurde die Volumen­änderung der Beinmuskulatur bestimmt und daraus abgeleitet, wie das Rahmengestell einer Orthese aufgebaut sein muss, damit der Bewegungsumfang nicht eingeschränkt und dennoch eine Schutzwirkung für das Kniegelenk gegeben ist. Im Moment tragen vor allem Renn­fahrer die Orthese, die bereits Knieverletzungen hatten, doch laut Hannes Lechner, Projektleiter bei der Innovationsmanufaktur, sollen zukünftige Verbesserungen dafür sorgen, dass die Orthese auch präventiv getragen wird. Vom internationalen

Skiverband FIS ist sie jedenfalls zugelassen worden. Die Kosten für eine komplett handgefertigte Orthese mit einem Karbongerüst belaufen sich derzeit noch auf rund 2.500 Euro. Damit ist sie für den Einsatz im Breitensport noch zu teuer, doch langfristig setzen Lechner und seine Kollegen durchaus auf die Verwendung durch die breite Masse.

Bild Martin Burtscher
Prof. Martin Burtscher, Institut für Sportwissen­schaft, Universität Innsbruck © Burtscher

Knackpunkt Skibindung

Bis dahin muss man sich anderweitig behelfen. Hier hat Prof. Martin Burtscher vom Institut für Sportwissenschaft an der Universität Innsbruck Vorschläge. Aktuelle Untersuchungen seiner Arbeitsgruppe zeigen, dass die Bindungseinstellung auf die Verletzungshäufigkeit des Kniegelenks bei Frauen möglicherweise einen bedeutenden Einfluss haben könnte. Denn es wurde festgestellt, dass bei Frauen mit einer Knie- und vor allem mit einer Kreuzbandverletzung die Bindung häufiger nicht ausgelöst hat. »Grundsätzlich sind die Bindungen schon recht gut. Die Verletzungen des Unterschenkels und des Knöchels sind seit der Einführung stark zurückgegangen. Doch nun bleibt es eben am Knie hängen. Eine besser gesteuerte Auslösung, möglicherweise durch eine elektronische Bindung, könnte generell und besonders für Frauen sehr wertvoll sein«, erklärt Prof. Burtscher.