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Fortsetzung Pro Protein – Proteine und ihre Bedeutung in der Ernährung

Das ist wichtig, weil die Muskeln zu einem großen Teil an der Kalorienverbrennung beteiligt sind. Je weniger Muskeln, desto geringer ist der Kalorienbedarf. Wird nach einer Diät wieder wie zuvor gegessen, wird man automatisch schwerer als zu Beginn der Diät.« Folglich sollte bei einer Diät zuerst der notwendige Proteinbedarf berechnet werden und die übrigen Makronährstoffe daran angepasst werden. Außerdem ist Sport und besonders Krafttraining während einer Gewichtsabnahme unbedingt notwendig, um den Verlust an Muskelmasse so gering wie möglich zu halten. Prof. Flechtner-Mors empfiehlt in diesem Zusammenhang, oberhalb der Empfehlungen der WHO anzusetzen, nämlich ab 1,0 bis 1,2 g/kg KG.

»Die Untersuchungen über den Nährstoffbedarf wurden eigentlich immer nur an Patienten gemacht. Die ideale Zusammensetzung für einen gesunden Menschen wurde nie richtig untersucht. Wir gehen davon aus, dass 0,8 Gramm die Menge ist, mit der man in keinen Mangelzustand gerät. Optimal ist diese Menge deswegen aber noch nicht. Daher empfehlen wir grundsätzlich für normalgewichtige Gesunde 1,0 bis 1,2 g/kg KG, am besten die Zufuhr aber individuell anzupassen. Im Alter oder bei Sportlern im Muskelaufbau kann der Wert bis etwa 1,7 g/kg KG hochgefahren werden, ohne dass gesunde Nieren belastet werden.«

Eine vegetarische und auch vegane Ernährung ist im Hinblick auf die notwendige Proteinmenge kein Problem. Wichtig ist eine vielseitige Mischkost mit möglichst unterschiedlichen Hülsenfrüchten und Getreiden sowie viel Gemüse und Obst. Darüber freut sich auch die Darmflora. Fleischesser sollten den Verzehr auf wenige Male pro Woche reduzieren und möglichst unverarbeitetes Fleisch guter Herkunft bevorzugen. In Zukunft könnte noch eine weitere Proteinquelle unsere Ernährung ergänzen: Insekten. Grillen beispielsweise sind als Aminosäurenquelle dem Soja gleichwertig oder sogar überlegen. Birgit Rumpold und Oliver Schlüter vom Leibniz Institut für Agrartechnik und Bioökonomie in Potsdam haben sich die Mühe gemacht, 236 unterschiedliche Insekten auf ihre Nährstoffzusammensetzung zu analysieren (1). Neben einer Vielzahl an Aminosäuren enthalten sie auch wertvolle ungesättigte Fettsäuren. Ob das Eiweißbrot beim Bäcker zukünftig aus Insektenmehl sein wird? Warten wir es ab.

■ Hutterer C

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Quellen:

  1. Rumpold BA, Schlüter OK. Nutritional composition and safety aspects of edible insects. Mol Nutr Food Res. 2013; 57: 802-823. doi:10.1002/mnfr.201200735

  2. Sacks FM, Bray GA, Carey VJ, Smith SR, Ryan DH, Anton SD, McManus K, Champagne CM, Bishop LM, Laranjo N, Leboff MS, Rood JC, de Jonge L, Greenway FL, Loria CM, Obarzanek E, Williamson DA. Comparison of weight-loss diets with different compositions of fat, protein, and carbohydrates. N Engl J Med. 2009; 360: 859-873. doi:10.1056/NEJMoa0804748

  3. Seidelmann SB, Claggett B, Cheng S, Henglin M, Shah A, Steffen LM, Folsom AR, Rimm EB, Willett WC, Solomon SD. Dietary carbohydrate intake and mortality: a prospective cohort study and meta-analysis. Lancet Public Health. 2018; 3: e419-e428. doi:10.1016/S2468-2667(18)30135-X

  4. Sotos-Prieto M, Bhupathiraju SN, Mattei J, Fung TT, Li Y, Pan A, Willett WC, Rimm EB, Hu FB. Association of Changes in Diet Quality with Total and Cause-Specific Mortality. N Engl J Med. 2017; 377: 143-153. doi:10.1056/NEJMoa1613502

  5. Tian S, Xu Q, Jiang R, Han T, Sun C, Na L. Dietary Protein Consumption and the Risk of Type 2 Diabetes: A Systematic Review and Meta-Analysis of Cohort Studies. Nutrients. 2017; 9: 982. doi:10.3390/nu9090982