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Fortsetzung Plättchenreiches Plasma in der Sportmedizin

Selbstheilung aktivieren – das funktioniert nicht überall

Im Prinzip ist PRP ein Verfahren, das die Selbstheilung des Körpers unterstützen kann. Es ist keine Allheilmethode, und auch wenn die Logik noch eine Vielzahl weiterer Anwendungsbereiche zulässt, so gibt es doch auch gute Metaanalysen, die bei bestimmten Indikationen keinen Effekt zeigen. So beispielsweise bei Tendopathien der Achillessehnen (1) oder Muskelverletzungen (2). Gute Evidenz für PRP liegt für die beginnende Arthrose vor. Hier zeigt die Anwendung von PRP Vorteile gegenüber einer Behandlung mit Hyaluronsäure (3).

Prof. Dr. Holger Schmitt von der ATOS Klinik Heidelberg nutzt das Verfahren eher verhalten. »In Fällen, wo tatsächlich Gewebe verletzt ist, erscheint es mir logisch, dass durch die enthaltenen Stammzellen und Wachstumsfaktoren der Heilungsvorgang unterstützt werden kann. Ich setze PRP daher als weitere, nicht aber als primäre Behandlungsmöglichkeit bei Sportverletzungen ein, wenn eine Verletzung nicht gut oder sehr verzögert heilt. Normalerweise schafft der Körper das ja alles von alleine«, erklärt er sein typisches Vorgehen.

Das große Plus: keine Nebenwirkungen

Die breite Anwendung wird vermutlich dadurch begünstigt, dass das Verfahren praktisch nebenwirkungsfrei ist. Außer einem minimalen Infektionsrisiko durch die Injektion und einer leichten Entzündungsreaktion, die erwünscht ist, um den Heilungsprozess in Gang zu setzen, gibt es keine unerwünschten Wirkungen. Im Gegensatz zum Einsatz von beispielsweise Kortison, das eine Reihe von Nebenwirkungen haben kann, kann man einen Zustand durch PRP kaum verschlechtern. »An Sehnen spritze ich niemals Kortison, PRP hingegen schon«, erklärt Dr. Hirschmüller. Versicherungs- und haftungsrechtlich betrachtet, wird der anwendende Arzt zum Hersteller eines Medizinprodukts und muss das Verfahren bei den entsprechenden Behörden anmelden.

PRP steht nicht mehr auf der Dopingliste

Ab dem Jahr 2010 stand PRP auf der Dopingliste der WADA. Begründet wurde das damit, dass sich nach der Zentrifugation im Plasma körpereigene Wachstumsfaktoren in konzentrierter Form befinden. Einige Beispiele sind das IGF-1, das einen anabolen Effekt haben kann, und das VEGF, das die Ausdauerleistung verbessern kann. Doch bereits 2011 entfernte die WADA PRP wieder von der Liste der unerlaubten Verfahren mit der Begründung, dass die Konzentration der körpereigenen Wachstumsfaktoren im Plasma zu gering sei, um jenseits des therapeutischen auch einen leistungssteigernden Effekt zu erzielen.

Bild Holger Schmitt
Prof. Dr. Holger Schmitt, ATOS Klinik, Heidelberg © Schmitt

Doping für die Praxiskasse

Von niedergelassenen Orthopäden wird das Verfahren mitunter gerne eingesetzt. Es fällt unter die Individuellen Gesundheitsleistungen und ermöglicht so, eine private Leistung abzurechnen. Bei drei bis fünf Injektionen à 100–150 Euro ist der finanzielle Anreiz sicherlich vorhanden. Doch Prof. Schmitt erklärt, dass das Verfahren deutlich stärker von Patienten angefragt wird, als er es direkt anbietet. Prof. Hirschmüller weiß um die finanziell interessanten Aspekte für den Arzt, dreht aber die Argumentation auch um: »Viele Sportler geben sehr viel Geld für ihre Sportausrüstung und Sportschuhe aus, sind aber ungern bereit, Zusatzleistungen für die Gesundheit zu bezahlen.« Das Feld wird sich weiterentwickeln und weitere Studien werden dabei helfen, die Anwendungsfelder noch gezielter zu umreißen. Vorrangig erscheint es sinnvoll, auch die Wirkmechanismen unter die Lupe zu nehmen, um die ideale Zusammensetzung und Konzentration des Plasmas zu bestimmen.

■ Hutterer C

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Quellen:

  1. de Vos RJ, Weir A, Tol JL, Verhaar JA, Weinans H, van Schie HT. No effects of PRP on ultrasonographic tendon structure and neovascularisation in chronic midportion Achilles tendinopathy. Br J Sports Med. 2011; 45: 387-392. doi:10.1136/bjsm.2010.076398

  2. Gholami M, Ravaghi H, Salehi M, Yekta AA, Doaee S, Jaafaripooyan E. A systematic review and meta-analysis of the application of platelet rich plasma in sports medicine. Electron Physician. 2016; 8: 2325-2332. doi:10.19082/2325

  3. Meheux CJ, McCulloch PC, Lintner DM, Varner KE, Harris JD. Efficacy of Intraarticular Platelet-Rich Plasma Injections in Knee Osteoarthritis: A Systematic Review. Arthroscopy. 2016; 32: 495-505. doi:10.1016/j.arthro.2015.08.005