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Fortsetzung Neuroathletiktraining (NAT): Was Schielen und Summen mit Bewegungsqualität zu tun haben

Erste Forschungsarbeiten zum Neuroathletiktraining

Langsam springt auch die Forschung auf den Zug auf und versucht, den Trend mit wissenschaftlichen Methoden zu untersuchen. Der Deutsche Fußball-Bund etwa hat in der DFB-Akademie einen Bereich Neuroathletik eingerichtet und finanziert eine Doktorandenstelle zum Thema. An der Uni Regensburg evaluiert eine Doktorandin am Lehrstuhl für Unfallchirurgie »Neuroathletische Pre-Season-Tests zur Beurteilung des individuellen Risikoprofils für Verletzungen der unteren Extremität bei Mannschaftssportlern«.

Ebenfalls mit Verletzungsprävention haben sich bereits Wissenschaftler der University of Cincinnati beschäftigt. Sie haben über vier Jahre lang jeweils in der Saisonvorbereitung mit den Spielern der American- Football-Mannschaft ein auf die Spielposition abgestimmtes visuelles Training durchgeführt und die Rate der Gehirnerschütterungen während der Saison mit vier Jahren verglichen, in denen das visuelle Training noch nicht etabliert war (4). Das Ergebnis ist eindrucksvoll: Die durchschnittliche Zahl an diagnostizierten Gehirnerschütterungen sank von 8,75 ± 1,7 pro 100 Spieleinsatzzeiten in den Jahren vor dem visuellen Training auf 1,5 ± 1,0 in den vier Spielzeiten mit visuellem Training in der Saisonvorbereitung. Eine Übersicht über das Trainingsverfahren findet sich bei Clark et al. (3).

So vielversprechend die ersten Ergebnisse und Einzelfallberichte von Sportlern auch klingen, es ist noch weit bis zur wissenschaftlichen Evidenz. Diese wäre aber gut, um zu wissen, was wirklich funktioniert. Bis jetzt ist noch nicht systematisch gezeigt worden, dass die Effekte durch spezifisches NAT über denen von Placebo liegen. Im Sport wurden Leistungssteigerungen von bis zu acht Prozent durch Placebo und eine Effektstärke von 0,2 bis 0,4 gefunden (1, 2). »Wenn die Erwartungen an die Effekte zu hoch sind, könnte Neuroathletiktraining trotz guter Ansätze bald wieder verschwunden sein. Es wäre schade, wenn diese Chance verpufft, weil die wissenschaftliche Basis fehlt«, meint Prof. Reinsberger.

Bild: Prof. Claus Reinsberger
Prof. Claus Reinsberger, Institutsleiter des Department Sport und Gesundheit an der Universität Paderborn © Reinsberger

■ Hutterer C

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Quellen:

  1. Beedie CJ, Foad AJ. The Placebo Effect in Sports Performance: A Brief Review. Sports Med. 2009; 39: 313–329. doi:10.2165/00007256-200939040-00004

  2. Bérdi M, Köteles F, Szabó A, Bárdos G. Placebo effects in sport and exercise: A meta-analysis. Eur J Ment Health. 2011; 6: 196–212. doi:10.5708/EJMH.6.2011.2.5

  3. Clark JF, Colosimo A, Ellis JK, Mangine R, Bixenmann B, Hasselfeld K, Graman P, Elgendy H, Myer G, Divine J. Vision training methods for sports concussion mitigation and management. J Vis Exp. 2015; 99. doi:10.3791/52648

  4. Clark JF, Graman P, Mangine RE, Rauch JT, Bixenmann B, Hasselfeld KA, Divine JG, Colosimo A, Myer GD. An Exploratory Study of the Potential Effect of Vision Training on Concussion Incidence in Football. Optom Vis Perf. 2015; 3: 116-125.

  5. Di Vico R, Ardigo LP, Salernitano G, Chamari K, Padulo J. The acute effect oft he tongue position in the mouth on knee isokinetic test performance: a highly surprising pilot study. Muscles Ligaments Tendons J. 2014; 3: 318-323.

  6. Fernandes O Jr, Portugal LC, Alves RC, Campagnoli RR, Mocaiber I, David IP, Erthal FC, Volchan E, de Oliveira L, Pereira MG. How you perceive threat determines your behavior. Front Hum Neurosci. 2013; 7: 632. doi:10.3389/fnhum.2013.00632

  7. Pichon S, de Gelder B, Grèzes J. Threat prompts defensive brain responses independently of attentional control. Cereb Cortex. 2012; 22: 274–285. doi:10.1093/cercor/bhr060